Tim Curry mit 80 Jahren gestorben: Abschied von Pennywise und Frank-N-Furter
Tim Curry ist im Alter von 80 Jahren in Los Angeles gestorben. Als Frank-N-Furter, als Pennywise und als Stimme von Darth Sidious hat er das Genre-Kino über fünf Jahrzehnte geprägt.
Tim Curry ist tot. Der britische Schauspieler wurde nach Informationen von TMZ am späten Dienstagabend, dem 25. August 2026, in seinem Haus in Los Angeles tot aufgefunden; The Hollywood Reporter, Variety, TheWrap und Deadline bestätigten die Nachricht wenig später unabhängig voneinander. Curry wurde 80 Jahre alt. Er soll eines natürlichen Todes gestorben sein. Verheiratet war er nie, Kinder hatte er keine.
Für ein Publikum, das Genre-Kino liebt, war Curry gleich mehrfach eine prägende Figur: als Dr. Frank-N-Furter im Kultmusical „The Rocky Horror Picture Show”, als dämonischer Clown Pennywise in der ersten Verfilmung von Stephen Kings ES und als Lord of Darkness in Ridley Scotts Fantasy-Epos „Legend”. Und wer ihn nur als Stimme kennt, kennt ihn trotzdem — in „Star Wars: The Clone Wars” sprach er in seinen letzten aktiven Jahren Palpatine und Darth Sidious.
Der Clown, der eine Generation das Fürchten lehrte
1990 übernahm Curry im zweiteiligen ABC-Fernsehfilm zu Stephen Kings ES die Rolle des Pennywise — und machte aus dem freundlichen Zirkusclown eine der wirkungsvollsten Horrorfiguren, die das Fernsehen je hatte. Mehr als 37 Millionen Haushalte schalteten laut The Hollywood Reporter ein. Curry verzichtete dabei weitgehend auf entstellende Maske und arbeitete stattdessen mit einer tiefen, kratzigen Stimme und einem New Yorker Akzent: Das Monster steckte in der Vortragsweise, nicht im Latex.
Regisseur Tommy Lee Wallace beschrieb die Zusammenarbeit gegenüber The Hollywood Reporter im Jahr 2017 so, seine eigentliche Aufgabe sei gewesen, Curry die Bühne zu überlassen und ihm möglichst nicht im Weg zu stehen — Curry habe die Rolle mit einer Spontaneität gefüllt, die ihn an Robin Williams erinnert habe. Dass Bill Skarsgård die Figur 2017 neu erfinden musste, statt sie nachzuspielen, lag genau daran. Und die HBO-Serie „Es - Welcome to Derry”, deren zweite Staffel im Jahr 1935 spielen wird, arbeitet bis heute an einem Mythos weiter, den Curry mitbegründet hat.
Frank-N-Furter: die Rolle, die alles auslöste
Angefangen hatte alles am Londoner Royal Court Theatre. Curry, geboren am 19. April 1946 in Cheshire und frisch von der University of Birmingham, spielte 1968 in der Londoner Produktion von „Hair” seine erste professionelle Rolle und lernte dort Richard O’Brien kennen. O’Brien schrieb an einem Musical, das die alten Universal-Monsterfilme und die B-Movie-Science-Fiction parodierte. Curry half ihm dabei, aus dem ursprünglich als deutscher Wissenschaftler im Laborkittel gedachten Frank-N-Furter jene Figur in Korsett und Netzstrümpfen zu machen, die das Stück am Ende tragen sollte.
Die Verfilmung von 1975 mit Susan Sarandon und Barry Bostwick floppte zunächst, wie Variety in seinem Nachruf nachzeichnet: 1,2 Millionen Dollar Produktionskosten, ein katastrophaler Testlauf, eine lieblose Startkopie in Columbus, Ohio. Erst die Mitternachtsvorstellungen ab dem Frühjahr 1976 machten den Film zum Phänomen, das er bis heute ist. Curry selbst hatte das Risiko früh gesehen. Er habe Bedenken gehabt, dass daraus ein schwer abzulegendes Image werde, falls die Sache funktioniere, sagte er 1975 in einem Fernsehinterview — aber es sei seiner Ansicht nach nicht wert, etwas zu tun, wenn man dabei kein Risiko eingehe.
Vom Fantasy-Dämon bis nach Coruscant
Currys Genre-Bilanz ist ungewöhnlich breit. 1985 stand er unter einer Maske, deren Auftragen fünf Stunden dauerte, als Lord of Darkness in Ridley Scotts „Legend” — bis heute eine der markantesten Dämonendarstellungen des Fantasy-Kinos. 1992 lieh er dem zerstörerischen Geist Hexxus in FernGully seine Stimme, 1996 spielte er Long John Silver in der Muppets-Version der Schatzinsel, und für Captain Hook in der Zeichentrickserie Peter Pan and the Pirates gewann er 1990 einen Daytime Emmy.
Nach dem schweren Schlaganfall im Juli 2012, der ihn in den Rollstuhl zwang, wurde die Stimme zu seinem Hauptberuf. Noch im selben Jahr übernahm er in „Star Wars: The Clone Wars” die Rolle des Palpatine und Darth Sidious von Ian Abercrombie, der kurz zuvor gestorben war. Öffentliche Auftritte blieben danach selten. 2016 trat er als Erzähler in der Fernsehneuverfilmung „The Rocky Horror Picture Show: Let’s Do the Time Warp Again” auf, in der Laverne Cox seine alte Rolle spielte — ein Abschied mit Augenzwinkern.
Was von Tim Curry bleibt
Die Reaktionen kamen schnell. Luke Evans, der Frank-N-Furter am Broadway gespielt hat, berichtete gegenüber The Hollywood Reporter, er habe Curry wenige Wochen vor dessen Tod einen Brief geschrieben. Die Broadway-Produktion der „Rocky Horror Show” widmete ihm laut Deadline eine Vorstellung, und Michael McKean, Carol Burnett, Josh Gad sowie die Muppets meldeten sich zu Wort. Curry habe, so der Tenor der Nachrufe, Generationen von Schauspielern dazu ermutigt, ein bisschen mutiger zu sein.
Dreimal war Curry für den Tony nominiert — als Mozart in „Amadeus”, als Alan Swann in „My Favorite Year” und als King Arthur in „Monty Python’s Spamalot” —, gewonnen hat er ihn nie. Eine klassische Hauptrollenkarriere in Hollywood blieb ihm ebenfalls verwehrt, wofür Variety ausgerechnet die Wucht seines Frank-N-Furter verantwortlich macht: Die Rolle saß zu fest im öffentlichen Gedächtnis. Was bleibt, sind ein halbes Dutzend Figuren, die praktisch jeder erkennt, auch ohne den Namen des Mannes dahinter zu kennen: der Clown im Gully, der Wissenschaftler im Korsett, der Teufel mit den Hörnern. Für ein Genre, das von Ikonografie lebt, ist das mehr, als die meisten Karrieren hinterlassen.
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