SCP Foundation: Neon kontert A24 mit eigenem Open-Source-Horrorfilm

SCP Foundation: Neon kontert A24 mit eigenem Open-Source-Horrorfilm A24
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Zwei Studios, ein Internet-Mythos: Nach A24 entwickelt auch Neon einen SCP-Foundation-Film für 2027 – als Anthologie unter freier Lizenz und im Austausch mit dem SCP-Wiki, das A24 zuvor scharf kritisiert hatte.

Um die SCP Foundation entbrennt in Hollywood ein Wettrennen: Nur gut zwei Wochen nachdem A24 eine Verfilmung des Internet-Horror-Archivs angekündigt hat, zieht Neon mit einem eigenen SCP-Film nach. Wie Deadline berichtet, entwickelt das Studio einen Anthologie-Film, der wie das A24-Projekt 2027 in die Kinos kommen soll. Welcher der beiden Filme zuerst startet, ist offen.

Neon geht dabei einen ungewöhnlichen Weg: Das Studio bezeichnet sein Projekt als „Open-Source-Horrorprojekt” und will den Film samt Begleitmaterial unter der freien Lizenz Creative Commons CC BY-SA veröffentlichen. Die Entwicklung lief nach Deadline-Angaben bereits vor der A24-Ankündigung.

Neon gibt den eigenen Film zur Weiterverwendung frei

Die Lizenz bedeutet, dass Neon seinen Film nicht dauerhaft kontrolliert. Andere dürfen ihn kopieren, zeigen, weiterentwickeln und sogar kommerziell bearbeiten – vorausgesetzt, sie nennen die SCP-Autoren und die Filmemacher, veröffentlichen ihre eigenen Fassungen unter derselben Lizenz und beanspruchen keine exklusiven Vertriebsrechte. Genau so funktioniert seit 2008 auch das SCP-Wiki selbst, auf dem tausende Autorinnen und Autoren ihre Einträge unter dieser Lizenz einstellen.

Inhaltlich soll der Neon-Film als Anthologie mehrere SCP-Geschichten erzählen und vor allem Nachwuchsfilmemachern eine Plattform bieten, berichtet Variety. Wer konkret Regie führt und welche der bekanntesten Einträge, etwa die Betonstatue SCP-173 oder das Reptil SCP-682, vorkommen, ist noch nicht bekannt. Neon steht nach eigenen Angaben im Austausch mit dem Team des SCP-Wikis.

Das SCP-Wiki hatte A24 scharf kritisiert

A24 hatte Mitte September die weltweiten Rechte an einem SCP-Film von Spooky Pictures und Image Nation Studios übernommen, angelegt als Ableger der Found-Footage-Reihe „V/H/S”. Die Ankündigung sorgte binnen Stunden für Widerspruch aus der Community, die das Universum seit fast zwei Jahrzehnten gemeinsam schreibt.

Das Lizenzteam des SCP-Wikis distanzierte sich öffentlich: Man habe trotz aller Bemühungen keinen Kontakt zu den Filmemachern, Produzenten oder dem Verleih gehabt. Zudem habe A24 keine exklusiven Rechte an der SCP Foundation und könne sie auch nicht haben – das gelte für jeden Film, den Spooky Pictures oder andere produzieren wollten. Neon positioniert sein Projekt nun ausdrücklich als Gegenentwurf, der diese Bedenken aufnimmt.

Damit ist klar, warum zwei Studios parallel an demselben Stoff arbeiten können: Die SCP Foundation gehört niemandem allein. Für A24 bedeutet das Konkurrenz aus der eigenen Nische, denn Neon hat sich mit Horrorfilmen wie „Longlegs” ein ähnliches Publikum aufgebaut. Die Ausgangslage beider Projekte ist dabei grundverschieden: Hier ein Studio, das sich die weltweiten Rechte an seinem Film gesichert hat, dort eines, das sein Werk der Gemeinschaft zurückgibt, aus der der Stoff stammt.

Was die SCP Foundation eigentlich ist

Die SCP Foundation entstand 2008 als Beitrag in einem Internetforum und wuchs von dort zu einem der umfangreichsten von Fans geschriebenen Horror- und Science-Fiction-Universen überhaupt. Tausende Autorinnen und Autoren aus aller Welt haben Einträge beigesteuert: nüchtern formulierte Akten über Objekte, Wesen und Phänomene, die sich physikalischen Regeln entziehen.

Der Rahmen ist immer derselbe: Eine geheime Organisation sammelt diese Anomalien ein, sperrt sie weg und schützt die Menschheit vor ihnen — daher das Kürzel „Secure, Contain, Protect”. Gerade der bürokratische, betont sachliche Tonfall der Einträge macht den Reiz aus. Er wirkt wie ein durchgesickertes Dokument, nicht wie eine Gruselgeschichte, und genau dieser Effekt hat das Format über anderthalb Jahrzehnte getragen.

Warum A24 gerade jetzt zugreift

Der Zeitpunkt ist kein Zufall. A24 hat in diesem Jahr mit „Backrooms” einen der größten Horror-Überraschungserfolge gelandet — die Verfilmung des Internet-Phänomens um endlose, leere Räume spielte weltweit über 394 Millionen Dollar ein. Auch dieser Stoff stammte aus einer Creepypasta, also einer kurzen, von Nutzern geschriebenen Schauergeschichte aus einem Internetforum.

Seither sucht Hollywood systematisch nach der nächsten Netzlegende mit eingebautem Publikum. Erst im August wurde bekannt, dass auch Jeff the Killer einen Kinofilm bekommt. Die Verantwortlichen von Image Nation und Spooky Pictures formulieren die Logik dahinter offen: Internet-Folklore sei eine schnell wachsende Quelle für neue Horror-Stoffe, weil die Fangemeinde bereits existiert, bevor der erste Trailer läuft.

Ein Ableger der V/H/S-Reihe

Bemerkenswert ist die Einordnung: Der SCP-Film von A24 wird kein eigenständiges Projekt, sondern der nächste Eintrag der „V/H/S”-Reihe. Die Found-Footage-Anthologie läuft seit 2012 und besteht aus kurzen, angeblich gefundenen Videobändern, die zu einem Rahmenfilm zusammengesetzt werden. Image Nation Studios und Spooky Pictures hatten sich die Rechte an der Reihe Anfang des Jahres gesichert.

Das passt inhaltlich besser, als es zunächst klingt: Auch die SCP-Einträge sind Fundstücke, angebliche Dokumente aus einem Archiv, das es nicht geben dürfte. Der nächste reguläre Teil der Reihe, „V/H/S/Mixtape”, läuft im Oktober beim Streamingdienst Shudder — an der SCP-Adaption arbeiten mit Josh Goldbloom und Michael Schreiber zwei Produzenten, die bereits mehrere frühere Teile verantwortet haben.

Was beim A24-Film noch offen ist

Offen sind die Fragen, die zählen: Wer inszeniert, wer spielt, welches der tausenden SCP-Objekte im Mittelpunkt steht. Produziert wird von Roy Lee und Steven Schneider für Spooky Pictures gemeinsam mit A24, Goldbloom und Schreiber; als ausführende Produzenten sind Ben Ross von Image Nation, Rami Yasin und Jakob Pollack von Spooky Pictures sowie Brad Miska genannt. Eine Regie ist bislang nicht bestätigt.

Ebenfalls unklar ist der deutsche Start – für beide Filme. Die Termine für 2027 beziehen sich zunächst auf die US-Kinos; einen deutschen Verleih gibt es weder für das A24- noch für das Neon-Projekt. Bei „Backrooms” lag der deutsche Start nur wenige Tage hinter dem amerikanischen — ein vergleichbares Vorgehen wäre bei einem Titel mit derselben Zielgruppe plausibel, ist aber bislang nichts weiter als eine Erwartung.

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