Film-Psychopathen: Irrer Größenwahn und Serienkiller
scifiscene.de bei Google bevorzugenVon Hannibal Lecter bis Anton Chigurh: Diese Film-Psychopathen sind berühmt – doch nicht jede Leinwandfigur entspricht klinischen Kriterien.
Einige entdecken ihre kriminellen Neigungen erst im Lauf der Handlung, andere sind längst als Täter aktiv. Der populäre Begriff „Psychopath” ist dabei keine eigenständige medizinische Diagnose: Diese Liste beschreibt Filmfiguren und Kinoklischees, nicht die psychische Gesundheit realer Menschen.
Sind Film-Psychopathen realistisch?
Meist nur teilweise. „Psychopathie” ist keine eigenständige DSM-Diagnose; Fachleute sprechen eher von antisozialer Persönlichkeitsstörung oder von psychopathischen Merkmalen. Filme verdichten unterschiedliche Diagnosen, Kriminalität und Gewalt oft zu einer einzigen Schurkenfigur. Das ist dramaturgisch wirksam, taugt aber nicht zur Beurteilung realer Menschen.
Kevin Wendell Crumb
Universal Pictures James McAvoy spielt in „Split” Kevin Wendell Crumb und dessen 23 Identitäten. Der Film bezeichnet seinen Zustand als dissoziative Identitätsstörung – früher „multiple Persönlichkeitsstörung” genannt – und lässt Kevin drei Teenager entführen. Die Verknüpfung dieser realen Erkrankung mit übermenschlicher Gewalt ist eine Horrorfilm-Zuspitzung, keine medizinische Aussage.
Die drei Entführten suchen nach einem Ausweg, während verschiedene Identitäten die Kontrolle übernehmen. Schließlich tritt die neue Persönlichkeit „die Bestie” auf und verleiht der Geschichte ihre übernatürliche Wendung.
„Split” gehört zur Unbreakable-Split-Glass-Trilogie. Die Verbindung zu „Unbreakable - Unzerbrechlich” wird in „Glass” deutlich, in dem die Persönlichkeiten von James McAvoy auf David Dunn (Bruce Willis) und Elijah Price / Mr. Glass (Samuel L. Jackson) treffen.
Hannibal Lecter
20th Century Fox „Hannibal der Kannibale” ist einer der charismatischsten Filmkiller, und sein Spitzname ist Programm: Der hochintelligente Täter verspeist Teile seiner Opfer. Mehrere Schauspieler haben Lecter verkörpert; am stärksten ist die Figur bis heute mit Anthony Hopkins verbunden.
In „Das Schweigen der Lämmer” sitzt Lecter im Gefängnis und hilft der FBI-Anwärterin Clarice Starling (Jodie Foster) beim Profil eines gesuchten Serienmörders. Die Zusammenarbeit endet mit Lecters Flucht. Anthony Hopkins erhielt für die Rolle den Oscar als bester Hauptdarsteller.
Er kehrte noch zweimal als Hannibal Lecter auf die Leinwand zurück: 2000 servierte er in „Hannibal” menschliches Hirn zum Abendessen und 2002 übernahm er die Rolle der Hauptfigur im Remake von „Roter Drache”.
Schau doch mal in unserem Artikel zur Hannibal Lecter Filmreihe vorbei, da findest du alle Filme und Serien zu Hannibal.
Annie Wilkes
20th Century Fox Was würdest du tun, wenn dein Lieblingsautor den Star seiner meistgelobten Buchreihe umbringen würde? Annie Wilkes aus Stephen Kings „Misery” kauft nicht einfach ein anderes Buch. Die Krankenschwester nimmt es auf sich, den literarischen Tod zu rächen und krallt sich den Schriftsteller einfach. Als er in einem Schneesturm einen Unfall hat, ist Annie zur Stelle, um ihn aus seinem Autowrack in ihre abgelegene Hütte zu zerren.
Doch dann fällt ihr das Manuskript für den letzten Misery-Roman in die Hände. Als sie erfährt, dass die Heldin des Romans sterben soll, fesselt Annie den verletzten Schriftsteller ans Bett und will ihn zwingen, das Buch neu zu schreiben - selbst wenn er sich dabei beide Beine brechen muss.
Kathy Bates' Darstellung des verrückten Fans war so überzeugend, dass sie dafür einen Oscar erhielt.
Joker
Warner Bros. Heath Ledger prägte den Joker in Christopher Nolans „The Dark Knight”. Der Schauspieler starb 2008 noch vor der Preisverleihung und erhielt den Oscar als bester Nebendarsteller posthum. Seine Version des Batman-Gegenspielers gehört zu den einflussreichsten modernen Comicfilm-Rollen.
Für den 2019 veröffentlichten Film „Joker” gewann Joaquin Phoenix 2020 ebenfalls einen Oscar – diesmal als bester Hauptdarsteller.
Doch die beiden waren in der Filmgeschichte nicht die einzigen Darsteller für einen der größten Widersacher von Batman. In unserem Artikel über Joker erfährst du, wer noch Gothams Clown gespielt hat.
Michael Myers
Universal Pictures John Carpenters „Halloween” gilt als Grundstein des Slasher-Genres. Michael Myers ermordet als Sechsjähriger seine Schwester und flieht 15 Jahre später aus der psychiatrischen Klinik. Carpenter knüpfte an Proto-Slasher wie Bob Clarks „Black Christmas” an und schuf ein nahezu unaufhaltsames Phantom, das in der Halloween-Nacht in seine Heimatstadt zurückkehrt.
Mit 13 Filmen ist die Halloween Filmreihe mittlerweile Kult, auch wenn sie weiterhin außerhalb der 100 erfolgreichsten Filmreihen rangiert.
Ghostface
Paramount Pictures Scream bezieht seine Anziehungskraft zum Teil aus cleveren Anspielungen auf Horrorfilme, was den Regisseur Wes Craven nicht davon abhielt, einige der blutigsten Messerszenen der 90er Jahre zu drehen. Mit der Geburt des "Ghost Face"-Killers nahm Craven das Publikum mit auf eine Reise durch das Horrorfilm-Fandom und machte allzu gängige Tricks zum Überlebenskriterium: Sex ist gleich Tod, trink nicht und nimm keine Drogen, sag niemals "Ich bin gleich wieder da".
Nach dem Tod von Regisseur Wes Craven erschien 2022 mit „Scream” der fünfte Teil der Horror-Filmreihe, der ihm gewidmet ist. 2023 folgte „Scream VI”, und im Februar 2026 kam mit „Scream 7” der bislang jüngste Teil, in dem Neve Campbell als Sidney Prescott zurückkehrt – Regie führte Franchise-Mitschöpfer Kevin Williamson.
Thanos
Marvel Doch all das ist nicht vergleichbar mit dem, was Thanos im MCU getan hat. Zuerst zieht er mordend von Planet zu Planet und metzelt eine Zivilisation nach der anderen nieder. Schließlich gelingt es ihm, alle Infinity-Steine zu vereinigen und löscht mit einem Fingerschnipp die Hälfte aller Lebewesen im Universum aus.
Dank der Avengers um Iron Man und Captain America konnte der Psychopath Thanos gestoppt und zumindest der Blip rückgängig gemacht werden.
Anton Chigurh
Miramax Javier Bardems Auftragskiller aus „No Country for Old Men” kommt dem klinischen Bild näher als viele spektakuläre Leinwandmonster. Eine Untersuchung von 400 Filmen durch forensische Psychiater führte Anton Chigurh als besonders realistische Darstellung an: kalt, berechnend, ohne Reue und ohne die überzeichnete Genialität, die das Kino Figuren wie Hannibal Lecter oft verleiht.
Patrick Bateman
Lionsgate Kein Streifzug durch die Psychopathen des Kinos wäre komplett ohne Patrick Bateman. In „American Psycho” (2000) spielt Christian Bale den nach außen makellosen Wall-Street-Banker, der hinter Designeranzügen und Visitenkarten-Neid eine mörderische Doppelexistenz führt. Mary Harrons Satire lässt bis zum Schluss offen, wie viel von Batemans Bluttaten real ist und wie viel nur in seinem entgleisten Ego stattfindet – gerade das macht die Figur zu einer der meistzitierten des modernen Kinos.
Norman Bates
Shamley Productions Der Urvater aller Film-Psychopathen: Norman Bates aus Alfred Hitchcocks „Psycho” (1960). Anthony Perkins verkörpert den scheu wirkenden Motel-Betreiber, dessen krankhafte Bindung an seine tote Mutter in einer der berühmtesten Mordszenen der Filmgeschichte eskaliert. Die Figur prägte das Bild des freundlichen Nachbarn mit tödlichem Geheimnis und inspirierte unzählige Nachfolger – von Michael Myers bis zur Serie „Bates Motel”.