Blade: Ex-Regisseur Bassam Tariq – „Wir hatten kein Drehbuch“
Bassam Tariq sollte Marvels Blade-Reboot mit Mahershala Ali inszenieren. Jetzt erklärt er erstmals ausführlich, warum er 2022 ausstieg: Man ließ ihn das Drehbuch nicht schreiben. Kevin Feige nimmt er trotzdem in Schutz.
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Er war der erste Regisseur, den Marvel für das Blade-Reboot mit Mahershala Ali verpflichtet hatte – und er ist der erste, der offen sagt, woran das Projekt aus seiner Sicht gescheitert ist. In einem ausführlichen Interview mit Vulture nennt Bassam Tariq einen Grund, der schlichter kaum sein könnte: „Wir hatten kein Drehbuch. Das ist passiert.” Kevin Feige, der das Aus im Sommer selbst seinen größten Fehlschlag genannt hatte, nimmt Tariq dabei ausdrücklich in Schutz.
Bassam Tariq: „Sie ließen mich das Drehbuch nicht schreiben”
Tariq war 2021 als Regisseur angetreten und verließ das Projekt im September 2022, nur rund zwei Monate vor dem geplanten Drehbeginn; als ausführender Produzent blieb er zunächst an Bord. Gegenüber Vulture beschreibt er nun, wie weit die Vorbereitung damals schon war. „Sie ließen mich das Drehbuch nicht schreiben, und das Leben ist zu kurz, um wirklich desaströse Dinge zu machen”, sagt er. „Aber ja, wir hatten ein unglaublich gestaltetes Set, das wunderschön war.”
Die Handlung sollte in den 1920er-Jahren spielen. Tariq erzählt von einer geplanten Pferdeverfolgung quer durch dieses Set; beginnen sollte die Sequenz in einer Flüsterkneipe, in der Blade den Betrunkenen spielt. „Es war ein wirklich großartiges Set-Piece. Aber wir hatten nicht alle Teile beisammen, damit es das wird, was es sein musste.” Besonders hebt er Szenenbildnerin Stefania Cella und ihr Team hervor: Am meisten breche ihm das Herz wegen all der Handwerkerinnen und Handwerker, die an dem Film gearbeitet hätten. „Aber all diese Energie muss auch in gute Worte auf der Seite fließen – und das ist kein Vorwurf an die Autoren.”
Die Verantwortung sieht Tariq vor allem in der Struktur, nicht bei einzelnen Personen. Die Autoren hätten hart gearbeitet, sagt er, aber Feige habe „viel auf dem Teller” gehabt – „ich glaube, das kann Kevin auch zugeben”. Bei Marvel müsse am Ende alles von ihm abgesegnet werden: „Es ist seine Welt, und das zu Recht.” Dass das Studio dem Mann vertraute, der Disney Milliarden eingespielt hat, und nicht ihm, findet Tariq nachvollziehbar. Er habe bis dahin einen einzigen Film gedreht, „Mogul Mowgli”, mit einem Budget von 1,2 Millionen Dollar – das Blade-Set allein habe etwa zehn solcher Filme gekostet. „Natürlich sollte Kevin das letzte Wort haben. Das ergibt absolut Sinn. Wir hatten nur nie wirklich ein Drehbuch.”
Nach dem Ausstieg: „Ich fühlte mich wie ein Versager”
Offen spricht Tariq auch darüber, was das Scheitern persönlich mit ihm gemacht hat. Bei einem Projekt dieser Größe habe es so viele unterschiedliche Abstimmungen gegeben, dass er irgendwann nicht mehr gewusst habe, wo Norden ist. Nach dem Ausstieg habe er sich von allen zurückziehen müssen: „Wenn es auf diesem Niveau nicht klappt, denkst du: Mist, ich fühle mich wie ein Versager, weil ich nicht gut hinbekommen habe, was ich machen wollte.”
Halt hätten ihm seine Frau, seine Kinder und die muslimische Gemeinde in Atlanta gegeben, wo der Film hätte entstehen sollen. Er habe danach grundsätzlich überlegen müssen, was für ein Filmemacher er sein wolle – und ob überhaupt. Die Antwort ist inzwischen im Kino zu sehen: In seinem neuen Film Your Mother Your Mother Your Mother arbeitet Tariq wieder mit Mahershala Ali zusammen, und Marvel hat die Produktion mitfinanziert. Wie Ali selbst auf das Blade-Aus blickt, steht in den folgenden Abschnitten.
„Das ist eine Frage an Kevin Feige”
Kevin Feige hat das geplatzte Blade-Reboot im Sommer selbst den größten Fehlschlag seiner Laufbahn genannt. Im September hat sich der Mann geäußert, der den Daywalker hätte spielen sollen – und er widerspricht nicht. In einem neuen Interview mit GQ sagt Mahershala Ali über Feiges Eingeständnis schlicht: „Ich stimme ihm zu. Hundertprozentig.”
Auf die Frage, warum der Film nie zustande kam, antwortete Ali: „Das ist eine Frage an Kevin Feige.” Man habe einen zweifachen Oscar-Preisträger unter Vertrag gehabt und verfüge über Milliarden. „Ich weiß bis heute nicht, warum es nicht passiert ist. Ich weiß nur, dass Kevin gesagt hat, es sei der größte Fehlschlag seiner Karriere – und ich stimme ihm zu.” Nachgeschoben hat er: „Ich stimme ihm hundertprozentig zu. Er sollte sich so fühlen.”
Zum ersten Mal wird dabei konkret, was die Jahre des Wartens für Ali bedeutet haben. Er habe ein Jahr lang trainiert – „so hart, dass ich mir das Knie ruiniert habe” – und danach weiter trainiert, Schwertkampf und Kampfsport. Er sei mit seiner Familie nach Atlanta gezogen, wo der Dreh starten sollte. „Wir sitzen da und warten, und sie schieben es immer weiter nach hinten. Und dann passiert es einfach nicht. Und dann kommt der Streik.” Weil Marvel seinen Kalender blockierte, habe er in dieser Zeit anderen Projekten absagen müssen.
Bitter klingt er trotzdem nicht. Am Ende sei aus dem Scheitern ein Glücksfall geworden, sagt Ali: Es habe ihm geholfen, nicht länger auf das goldene Ticket zu warten, sondern sich seinen eigenen Weg zu bauen. Wie ernst er das meint, zeigt sein neuer Film Your Mother Your Mother Your Mother, der ohne das Blade-Aus nie entstanden wäre.
Der Schlussstrich in Toronto, zehn Tage zuvor
Das Blade-Kapitel im Marvel Cinematic Universe ist für Mahershala Ali abgeschlossen — und diesmal klingt der Schlussstrich anders als im Sommer. Beim Toronto International Film Festival hat der zweifache Oscar-Preisträger das Thema für beendet erklärt und sich anschließend ausgerechnet bei dem Studio bedankt, mit dem er sechs Wochen zuvor noch öffentlich abgerechnet hatte.
Am 13. September stand Ali im Deadline Studio auf dem Toronto International Film Festival Rede und Antwort, einen Tag nach der Weltpremiere seines neuen Films Your Mother Your Mother Your Mother. Auf die Frage nach einer möglichen Rückkehr als Daywalker — zuletzt kursierten Gerüchte über Auftritte in einem Midnight-Sons-Film oder in „Avengers: Secret Wars” — antwortete er ohne Umschweife: Er sei fertig damit, er mache jetzt dies hier und alles, was danach komme, das Thema sei durch.
Damit endet eine Geschichte, die im Juli 2019 auf der San Diego Comic-Con begann, als Marvel ihn als neuen Blade vorstellte. In den Jahren danach durchlief das Projekt mehrere Autoren und Regisseure, der Kinostart verschob sich viermal, bis das Studio den Film ganz aus dem Kalender nahm. Auf der Leinwand blieb von Alis Blade am Ende eine Stimme aus dem Off in der Abspannszene von „Eternals”.
Warum Ali Marvel trotzdem dankbar ist
Überraschend fiel der zweite Teil seiner Antwort aus. Statt der Vorwürfe vom Sommer stand da ein Dank: Er habe ein Jahr lang trainieren dürfen, und an diesem Punkt sei er sehr dankbar dafür, dass Marvel einen schönen Beitrag zu ihrem Film geleistet habe. Gemeint ist Your Mother Your Mother Your Mother — das Studio hat die Produktion des Thrillers mitfinanziert.
Der Film führt Ali mit Bassam Tariq zusammen, jenem Regisseur, den Marvel 2021 für Blade verpflichtet hatte und der das Projekt 2022 wegen der Verzögerungen wieder verließ. Ali spielt darin einen streng gläubigen Auftragskiller, der nach dem plötzlichen Tod seiner Frau mit drei Kindern auf der Flucht ist — und der seine Gegner mit einer langen Klinge erledigt. Das monatelange Schwertkampftraining für den Daywalker landete also doch noch auf der Leinwand, nur in einem anderen Film. In den USA läuft er seit dem 25. September, ein deutscher Kinotermin steht bislang nicht fest.
Wie das Blade-Projekt zerfiel
Das geplante Solo-Debüt von Blade im Marvel Cinematic Universe ist vorerst vom Tisch. Stattdessen soll Mahershala Alis Daywalker nun über einen Team-up-Film eingeführt werden, was die strategische Ausrichtung des Projekts grundlegend verändert.
Die Nachricht wurde vom Branchen-Insider Jeff Sneider im Podcast The Hot Mic verbreitet und bestätigt damit frühere Berichte, dass Marvel Studios die Entwicklung gestoppt hat. Sneider bezeichnete den Film als „tot”, eine Konsequenz aus den endlosen Verzögerungen, Regiewechseln und Drehbuchproblemen, die die Produktion seit ihrer Ankündigung begleiteten. Offiziell hat Disney den Film inzwischen aus seinem Veröffentlichungskalender entfernt.
Die Entwicklung des Blade-Reboots war von Beginn an turbulent. Seit der ersten Ankündigung mit Hauptdarsteller Mahershala Ali auf der Comic-Con im Jahr 2019 durchlief das Projekt mehrere komplette Drehbuch-Neufassungen und verlor verschiedene Regisseure. Auch wenn die Absage für Fans enttäuschend sein mag, bietet der Schritt für Marvel die Möglichkeit, die grundlegenden Probleme des Films zu beheben und eine überstürzte Veröffentlichung zu vermeiden.
Statt eines Einzelfilms plant Marvel nun, Blade als zentrale Figur in einem potenziellen „Midnight Sons”-Projekt zu etablieren. Dieser Film würde ein Team übernatürlicher Heldinnen und Helden wie Ghost Rider, Moon Knight, Wong, Werewolf by Night und Elsa Bloodstone zusammenführen. Berichten zufolge wurde bereits ein neuer Autor engagiert, nachdem Michael Green das Projekt Mitte 2025 verlassen hatte, was auf eine aktive Weiterentwicklung des Konzepts hindeutet. Blade könnte hier eine Rolle einnehmen, die an Nick Fury erinnert: als Anführer, der die Gruppe gegen Bedrohungen wie Mephisto versammelt.
Dieser strategische Wechsel bietet den Vorteil, Blade von Anfang an tief im MCU zu verankern. Während ein Solofilm ihn möglicherweise in einer Vampir-Nische isoliert hätte, verbindet ihn das „Midnight Sons”-Konzept direkt mit bereits etablierten Figuren und Handlungssträngen, etwa der Mystik aus „Midnight Sons” oder den Horror-Elementen aus „Werewolf by Night”. Die Einführung ähnelt damit der von Black Panther in „Captain America: Civil War”, der ebenfalls in einem Ensemble-Film glänzte, bevor sein Solo-Abenteuer folgte.
Zugleich erlaubt der Ansatz, Mahershala Alis Interpretation des Charakters von der ikonischen Darstellung durch Wesley Snipes in der Trilogie von 1998 bis 2004 abzugrenzen. Ali, mittlerweile Anfang 50, könnte eine erfahrenere Mentorenfigur verkörpern. Ein erfolgreicher „Midnight Sons”-Film würde zudem die Grundlage für zukünftige Blade-Projekte schaffen und bereits im Vorfeld für entsprechendes Publikumsinteresse sorgen.
Eine weitere Konsequenz der Absage betrifft die Schauspielerin Mia Goth, die für die Rolle der Vampirgöttin Lilith vorgesehen war. Goth, die bereits an Kostüm- und Perükenanproben teilgenommen hatte, äußerte sich in einem Interview mit Josh Horowitz im Podcast Happy Sad Confused zur ursprünglichen Vision. Sie beschrieb diese als „sehr cool”, räumte jedoch ein, dass sich das Projekt schließlich „aufgelöst” habe. Mit der Streichung des Films ist Goth von ihrer vertraglichen Bindung an die Rolle befreit.
Dies eröffnet ihr die Möglichkeit, eine prominentere Rolle im MCU zu übernehmen. Goth hat sich durch ihre Darbietungen in Horrorfilmen wie X und Pearl einen Namen gemacht, in denen sie oft Verletzlichkeit mit Bedrohung kombiniert. Sie könnte die Gestaltwandlerin Mystique neu definieren, der nach den Darstellungen von Rebecca Romijn und Jennifer Lawrence eine größere psychologische Tiefe verliehen werden könnte. Auch die Rolle der Rogue, deren absorbierende Kräfte sie zur Isolation verdammen, würde zu Goths intensiver Spielweise passen und Marvel erlauben, von ihrem wachsenden Starpotenzial in einem stabileren Projekt zu profitieren.
Feige übernimmt die Verantwortung – „wie ein gigantischer Versager”
Im Juli 2026 meldete sich schließlich Marvel-Chef Kevin Feige persönlich zu Wort und übernahm ungewohnt offen die Verantwortung für das gescheiterte Reboot. Im Podcast Happy Sad Confused erklärte er während der Promotour zu Spider-Man: Brand New Day, er komme sich „wie ein gigantischer Versager” vor, dass man den Film mit Mahershala Ali nie auf die Beine gestellt habe. Es ist das bislang deutlichste Eingeständnis des Studiochefs zu einem der größten ungelösten Projekte des MCU.
Zugleich betonte Feige, den Charakter und Alis Version davon nicht aufgegeben zu haben: Man liebe die Figur und werde die Öffentlichkeit informieren, sobald sich eine neue Richtung abzeichne. Für Fans ist das Statement damit vor allem eine offizielle Bestätigung dessen, was sich seit der Streichung aus dem Kinokalender abgezeichnet hatte – der Solofilm ist Geschichte, während Blade selbst dem MCU über das geplante Midnight Sons-Ensemble erhalten bleiben soll.
Ali kontert: „Sie wollten es nicht machen”
Zehn Tage nach Feiges Eingeständnis hat sich Mahershala Ali selbst zu Wort gemeldet – und deutlich schärfer formuliert als der Marvel-Chef. Auf die Frage in einem GQ-Interview, ob der Blade-Reboot einer Umsetzung inzwischen näher gekommen sei, antwortete Ali knapp: „Nicht mit mir.” Deadline, Variety und der Hollywood Reporter griffen die Aussagen am 31. Juli 2026 auf.
Ali erklärte, er stehe seit fast 30 Jahren professionell vor der Kamera und habe gelernt, dass manche Projekte für einen bestimmt seien und manche eben nicht. Deutlich wurde er bei der Schuldfrage: Man habe ihn unter Vertrag gehabt, das Studio verfüge über Milliarden – hätte Marvel den Film machen wollen, hätte man ihn gemacht. Also werde er nicht gemacht. Zugleich stellte Ali klar, dass er nicht für Neuverfilmungen bekannt sein wolle, sondern für originäre Arbeiten, die beim Publikum etwas auslösen.
Immerhin zieht der zweifache Oscar-Preisträger eine versöhnliche Bilanz: Sein nächster Film, Bassam Tariqs Your Mother Your Mother Your Mother, existiere überhaupt nur, weil Blade auseinanderfiel. Das über ein Jahr angesammelte Training für den Daywalker habe er dort einsetzen können und fühle sich dadurch „kreativ rehabilitiert”. Künftige Fragen zum Reboot, so Ali zum Abschluss, seien nicht mehr an ihn zu richten – die müsse Marvel selbst beantworten.
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