Brad Bird schließt eine Fortsetzung von „Ray Gunn“ aus
Kurz vor der Weltpremiere in London spricht Brad Bird über die lange Odyssee von „Ray Gunn“ bei Warner – und erteilt einem zweiten Teil eine Absage. Bei Netflix startet der Sci-Fi-Noir am 18. Dezember 2026.
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Brad Bird will aus „Ray Gunn” keine Reihe machen. Gefragt, ob er die Welt seines Sci-Fi-Noirs in Fortsetzungen ausbauen wolle, formte der Regisseur von „Die Unglaublichen” im Gespräch mit Deadline eine Pistole aus seinen Fingern und hielt sie sich an die Schläfe. „Dieser hier hat mich 30 Jahre gekostet. Ich habe keine Lust, noch einen zu machen, wenn ich 30 Jahre älter bin.” Der Animationsfilm ist ein Sci-Fi-Noir im Retro-Futurismus der Vierziger – mit Privatdetektiv, Femme fatale, fliegenden Autos und einer Alien-Mafia.
Weltpremiere feiert „Ray Gunn” am 10. Oktober beim London Film Festival. In den USA bringt Netflix den Film ab dem 4. Dezember in ausgewählte Kinos, weltweit im Stream startet er am 18. Dezember 2026 – also auch in Deutschland, pünktlich vor Weihnachten.
Gestrandet bei Warner: Warum „Ray Gunn” so lange gebraucht hat
Die Legende vom 30-jährigen Dauerprojekt rückt Bird selbst zurecht: „Der Fehler ist zu sagen, ich hätte 30 Jahre daran gearbeitet. Habe ich nicht. Ich hatte es aufgegeben und dachte, es geht den Weg vieler Ideen – auf Eis gelegt und nie gemacht.” Entwickelt hat er den Stoff in den Neunzigern bei Turner Entertainment. Nach der Fusion mit Time Warner verschwand das Projekt in der Schublade, Warner Bros. hatte laut Bird kein Interesse – also drehte er stattdessen „Der Gigant aus dem All”.
Das eigentliche Problem beschreibt Bird so: Was ein Studio nicht verfilmt, gehört ihm trotzdem, und man kann es nirgendwo anders hinbringen. Daraus zog er Konsequenzen und entwickelte „Die Unglaublichen” mit eigenem Geld, um die Rechte zu behalten. Als Warner Jahre später wieder anklopfte, brachte er „Ray Gunn” erneut ins Spiel – dann kamen die Übernahme durch AT&T und die Pandemie. „Ich habe gesagt: Entweder wir machen ihn, oder ihr gebt ihn mir zurück”, erzählt Bird. Warner gab die Rechte zurück, der Film landete bei Skydance Animation.
Die Pointe der Geschichte: Mit der inzwischen abgeschlossenen Fusion von Paramount Skydance und Warner Bros. Discovery hängt „Ray Gunn” wieder am selben Konzern, der ihn einst nicht wollte. Produziert haben John Lasseter, Bird, David Ellison, Dana Goldberg und Lisa Beroud. Das Budget sei „knapper, als man glauben würde”, gewesen, sagt Bird – trotzdem sei er mit dem Ergebnis „wirklich glücklich”.
Kein Film für Fünfjährige
Mit „Ray Gunn” wendet sich Bird ausdrücklich an ein erwachsenes Publikum. Animation trage noch immer viel Ballast, sagt er: „Manche sehen darin eine Altersfreigabe: G, höchstens PG – und man sollte besser auf Fünfjährige zielen.” Er liebe das Medium, wolle aber Filme machen, die er selbst sehen möchte.
Inhaltlich speist sich der Film aus Birds Lust an Gedankenspielen: Die Zukunft in „Ray Gunn” ist nicht unsere, sondern die Zukunft, wie man sie sich in den Vierzigern ausgemalt hat – mit Aliens, Jetpacks und so hohen Gebäuden, dass es Düsen-Aufzüge braucht. Dazu kommt ein dystopischer Unterton: Schon damals habe die Technik in das Privatleben der Menschen eingegriffen, es sei also nicht abwegig, sich das noch weiter vorzustellen.
Metropia, Venus Nova und eine Alien-Mafia: Das zeigt der Trailer
Schauplatz ist Metropia, laut offizieller Inhaltsangabe „eine gigantische Stadt in einer alternativen Zukunft, wie man sie sich 1939 vorgestellt hat”. Dort wird der Privatdetektiv Raymond Gunn in einen Fall verwickelt, in dem es um Außerirdische, Mord und den Multimedia-Star Venus Nova geht. Im Original spricht Sam Rockwell den Titelhelden, Scarlett Johansson die Popsängerin, Tom Waits Rays einäugigen Alien-Kollegen Eyera.
Der Trailer beginnt mit einem fliegenden Wagen über der Skyline von Metropia, Art-déco-Türme und Leuchtreklamen erinnern an „Der Blade Runner” im Stil der Vierziger. Ray untersucht einen Tatort, steigt per Jetpack in den Himmel und bekommt es mit einem Auftrag zu tun, der schnell kippt: Venus Nova steht unter Mordverdacht, Ray soll sie aus der Schusslinie halten – und verliebt sich dabei in die Frau, die ihn womöglich in den Abgrund zieht. Dazu tauchen Gangster einer außerirdischen Unterwelt auf. Den deutschen Trailer siehst du hier:
Ein Herzensprojekt, das drei Jahrzehnte gebraucht hat
„Ray Gunn” ist das Projekt, das Bird seit Mitte der Neunziger verfolgt – noch bevor er mit „Der Gigant aus dem All” seinen ersten Langfilm drehte. Über Netflix ließ er wissen, der Film sei ihm seit mehr als 30 Jahren im Kopf und verbinde Science-Fiction mit den Detektivfilmen der Vierziger: „Der Malteser Falke trifft Buck Rogers”. Gegenüber Empire versprach Bird dem Publikum schon Anfang des Jahres „eine richtig gute Zeit”.
Das Drehbuch schrieb Bird gemeinsam mit Matthew Robbins, animiert hat Skydance Animation. Die Musik stammt von Michael Giacchino, mit dem Bird schon bei „Die Unglaublichen”, „Die Unglaublichen 2” und „Ratatouille” zusammengearbeitet hat. Zum Sprecherensemble gehören außerdem Matt Berry, Alan Tudyk, Bobby Cannavale, Michelle Rodriguez, Aasif Mandvi, Patton Oswalt und John Ratzenberger – die beiden Letzten alte Bekannte aus Birds Pixar-Zeit. Die Laufzeit liegt bei knapp zwei Stunden.
Wann startet Ray Gunn bei Netflix?
Der Fahrplan steht: Nach der Weltpremiere am 10. Oktober in London läuft der Film ab dem 4. Dezember in ausgewählten US-Kinos, der weltweite Netflix-Start folgt am 18. Dezember 2026. Einen regulären deutschen Kinostart gibt es nicht, hierzulande ist „Ray Gunn” ab dem 18. Dezember bei Netflix zu sehen.
Für Bird ist es zugleich der erste eigene Film seit Jahren – bei „Die Unglaublichen 3” überlässt er die Regie erstmals Peter Sohn und bleibt als Autor und Produzent dabei. Alles zum Stand der Pixar-Reihe findest du in unserer Übersicht zu allen Filmen von Die Unglaublichen.
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Chefredakteur und Gründer von scifiscene.
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