Onslaught: Wingard bestätigt die KPG-Verbindung zu The Guest
Adam Wingard hat bestätigt, dass Dan Stevens’ Dr. Kammler in „Onslaught“ das K in KPG aus „The Guest“ ist. Ein Sequel ist angelegt – und Stevens wird als Nächstes RoboCop.
Seit Donnerstag, dem 3. September 2026, läuft „Onslaught” in den deutschen Kinos – einen Tag früher als in den USA. Hinter dem Actionthriller steht Adam Wingard, der zuletzt „Godzilla x Kong: The New Empire” inszeniert hat und mit „Onslaught” zu dem zurückkehrt, womit er einmal angefangen hat: kleine Räume, große Gewalt, ein Score wie aus einem Videorekorder von 1985.
In der Hauptrolle spielt Adria Arjona die ehemalige Army-Scharfschützin Celeste. Produziert hat A24, gedreht wurde in New Mexico, die FSK hat den Film ab 16 Jahren freigegeben, die Laufzeit beträgt 92 Minuten.
Kammler ist das K in KPG
Die Frage, wie eng „Onslaught” mit Wingards früheren Filmen verzahnt ist, hat der Regisseur inzwischen selbst beantwortet: Dr. Hans Kammler, gespielt von Dan Stevens, ist das K in KPG – jenem Rüstungskonzern, der in „You’re Next” nur beiläufig fällt und in „The Guest” ein Gesicht bekam. Das P steht für Priapus, die Organisation, für die Kammler in „Onslaught” arbeitet. Wingard bestätigte beides gegenüber dem Hollywood Reporter, nachdem er sich zuvor lange darum herumgedrückt hatte.
Stevens kehrt also nicht als David Collins zurück, sondern spielt einen deutschen Wissenschaftler in der Nachfolge der Operation Paperclip – jenes Programms, mit dem die USA nach dem Zweiten Weltkrieg über 1.600 deutsche Fachleute ins Land holten. Ob David buchstäblich ein Kammler ist, lässt der Film offen. „Wir wollten auf jeden Fall andeuten, dass David aus derselben Art von Einrichtung entkommen ist, die wir in ‚Onslaught‘ zu sehen bekommen”, sagt Stevens dem Hollywood Reporter. „Ob sie verwandt sind oder ob Kammler Klone seiner Vorfahren erschafft, weiß ich nicht.”
Dass dieser Film überhaupt entstanden ist, hat Wingard eine Franchise gekostet. Er stand bereits in Verhandlungen für einen dritten „Godzilla x Kong”-Teil, wollte aber zuerst das R-Rated-Projekt „Onslaught” drehen. Legendary konnte nicht warten. „Ich bereue es kein bisschen”, sagt Wingard TheWrap. „Ich musste die Leute daran erinnern, wer ich als Filmemacher bin.”
Ein Sequel ist angelegt – und Stevens wird RoboCop
Ein direktes „The Guest 2” hat Stevens seit Jahren offengelassen, und daran ändert sich nichts. Wohl aber am Rest: „Wir sind auf jeden Fall offen für mehr KPG-Verse”, sagt er. „Ich weiß nicht, ob ein ‚Guest 2‘ als solches demnächst ansteht, aber man weiß ja nie. Wir haben auch alles für ein ‚Onslaught‘-Sequel vorbereitet.” Ein Termin oder eine Bestellung steht bislang nicht im Raum – die Möglichkeit ist im Film angelegt, mehr nicht.
Beschäftigungslos ist Stevens ohnehin nicht. Für die zweite Staffel von „Dexter: Resurrection” trägt er derzeit blondiertes Haar und spielt nach eigener Aussage „eine wirklich fiese Figur”. Und er übernimmt die Rolle des Alex Murphy in der RoboCop-Serie, die Prime Video auf Basis von Paul Verhoevens Film von 1987 produziert – bei Blumhouse Atomic Monster, mit Peter Ocko als Showrunner. „Es ist satirisch, und mich reizt daran, dass es den Geist des Originals bewahrt”, sagt Stevens.
Rebecca Hall, Michael Biehn und eine sehr merkwürdige Ehe
Kammler bekommt in „Onslaught” eine Ehefrau, und die Rolle ist erst im Schreibprozess interessant geworden. Frau Hanna Kammler wird von Rebecca Hall gespielt, die Stevens seit dem Studium kennt und mit der er nach dem Abschluss auf der Bühne stand. „Auf dem Papier war die Rolle nicht besonders aufregend”, sagt Stevens dem Hollywood Reporter. Sein Vorschlag an Wingard: Kammler solle der devote Part in der Ehe sein. „Ich habe nie eine schnellere Überarbeitung von Adam zurückbekommen. Sie lag zwölf Minuten später in meinem Postfach.” Hall sagte kurz darauf zu – ihr erster gemeinsamer Auftritt mit Stevens seit „Godzilla x Kong: The New Empire”.
Um die beiden herum hat Wingard ein Ensemble versammelt, das auf das Genre-Publikum zielt: Neben Reginald VelJohnson aus „Stirb langsam” steht Michael Biehn vor der Kamera, das Gesicht von „Terminator” und „Aliens”. Kammlers Erscheinungsbild hat Stevens selbst mitentwickelt – Wingard brachte die Idee eines genetischen Defekts mit albinismusartiger Wirkung ein, daraus wurden weißes Haar, Glatzenkappe und über vier Stunden Maske pro Drehtag bei Prothesenbildnerin Jennifer M. Quinteros.
Im MonsterVerse bleibt Stevens als Einziger übrig
Die Konstellation aus „Godzilla x Kong: The New Empire” – Wingard auf dem Regiestuhl, Hall und Stevens vor der Kamera – gibt es beim nächsten MonsterVerse-Film nicht mehr. Für „Godzilla x Kong: Supernova” ist Wingard nicht mehr an Bord, Hall ebenso wenig; von den dreien kehrt allein Stevens als Tierarzt Trapper zurück.
Ein schlechtes Gewissen hat er deswegen nicht. „Es gibt überhaupt kein Schuldgefühl”, sagt er dem Hollywood Reporter. Er sei Wingard dankbar für die Figur, und trotz dessen Abwesenheit sei „der Geist dessen, was wir in ‚The New Empire‘ geschaffen haben, sehr wohl noch da”. Für Stevens ist es damit die zweite Genre-Welt, die er ohne ihren ursprünglichen Regisseur weiterträgt.
Eine Mutter, ihre Tochter und drei Supersoldaten
Celeste lebt zurückgezogen in einem abgelegenen Trailerpark. Eine posttraumatische Belastungsstörung aus ihrer Zeit als Scharfschützin hat sie von ihrer siebenjährigen Tochter Daisy getrennt – gespielt von Blake Kennedy –, die beim Vater aufwächst. Als ein beruflicher Notfall den Ex-Mann zwingt, das Kind unangekündigt bei ihr abzusetzen, fällt das Wiedersehen mit einem militärischen Experiment zusammen, das in der Nachbarschaft aus dem Ruder läuft.
Drei genetisch veränderte Supersoldaten brechen aus und sind darauf programmiert, alles zu töten, was ihnen im Weg steht. Celeste muss ihre Tochter durch eine Nacht bringen, in der ihr eigenes Arsenal an Waffen erstaunlich wenig hilft – der Film stellt es zu Beginn ausführlich vor, lässt sie es dann aber kaum benutzen. „Sobald du ihr Arsenal siehst, denkst du: Oh, sie wird den Tag retten”, sagt Arjona dem Hollywood Reporter. Stattdessen bekommen die Nachbarn, gespielt von Reggie VelJohnson und Eric Wareheim, ihren Anteil an der Rettung.
Wingard und Arjona haben die Figur bewusst gegen das Klischee der perfekten Mutter gebaut. Daisy ist die Ordentliche mit dem Rollkoffer, die den Abwasch macht und Manieren hat; Celeste ist die Unaufgeräumte, die ihrer Tochter beibringen will, sich um Höflichkeit nicht zu scheren. „Sie ist Veteranin, sie hat dafür keine Zeit”, so Arjona. Aus dieser Umkehrung werde am Ende eine Erlösungsgeschichte über eine Mutter.
Wingards heimliche Trilogie
„Onslaught” ist kein Sequel im üblichen Sinn, schließt aber einen Kreis: Wingard versteht den Film als indirekte Fortsetzung seiner frühen Genrearbeiten „You’re Next” und „The Guest” und damit als Abschluss einer geistigen Trilogie. Was die drei verbindet, ist weniger die Handlung als der Tonfall – Heimsuchung auf engem Raum, Humor direkt neben Blutbad, Synthesizer über allem.
Als Referenzen habe Wingard ihr keine eigenen Filme, sondern „Aliens” und „Terminator” ans Herz gelegt, berichtet Arjona. Vor allem aber sei die Musik das gemeinsame Vokabular gewesen: Ein Teil der Songs für die Eröffnungssequenz ist deutschsprachig, und der Wechsel zwischen Komik, harter Action und Splatter ergibt sich aus dem Soundtrack. „Es fühlt sich an wie ein John-Carpenter-Film”, sagt sie über den ersten Pitch.
Ein Detail der Figur stammt von Arjona selbst. Celestes Zittern stand im Drehbuch, ein Gegenmittel nicht – also erfand die Schauspielerin gemeinsam mit ihrem Partner Jason Momoa eine Geste: Celeste bohrt sich ihren Ring in den Unterarm, wo längst eine Kruste sitzt. Ihr Zusatzvorschlag, es solle der alte Verlobungsring ohne Stein sein, weil sie den Diamanten für ein Gewehr versetzt hat, überzeugte Wingard ebenfalls. Zwei Stunden später lag die passende Prothese bereit.
Was Adria Arjona als Nächstes vorhat
Für das deutsche Publikum ist Arjona vor allem Bix Caleen aus „Andor”. Ob die Figur nach dem Serienende noch einmal auftaucht, schließt sie nicht aus – aber nicht ohne Serienschöpfer Tony Gilroy. „Wenn Tony Gilroy dabei ist, bin ich es auch”, sagt sie dem Hollywood Reporter. „Ich möchte meine Fingerabdrücke nicht darauf hinterlassen. Es ist vielleicht zu früh.” Ein Spin-off um Bix und ihr Kind mit Cassian Andor bleibt damit vorerst genau das: eine Möglichkeit, die niemand betreiben will.
Deutlich konkreter ist ihr nächstes großes Projekt: In James Gunns Superman-Fortsetzung „Man of Tomorrow” spielt Arjona eine Rolle, über die weder sie noch DC Studios etwas sagen. Der US-Kinostart steht auf dem 9. Juli 2027. Gunn und Peter Safran hatten vor zehn Jahren ihren ersten Film „The Belko Experiment” produziert, entsprechend vertraut sei das Set gewesen: „Ich war ruhig, weil die beiden mich auffangen.”
„Onslaught” läuft seit dem 3. September in den deutschen Kinos, der Ticketverkauf läuft. Wingard selbst hat bereits angekündigt, in diese Welt zurückkehren zu wollen – zu den Supersoldaten, den Kleinstädten und den Regierungsanlagen, in denen etwas eingesperrt ist, das nicht draußen sein soll.
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