Strange New Worlds: Das Finale holt Zeichentrick-Aliens in den Kanon – und war als Serienende geschrieben

Strange New Worlds: Das Finale holt Zeichentrick-Aliens in den Kanon – und war als Serienende geschrieben Paramount
scifiscene.de bei Google bevorzugen

Im Finale von Strange New Worlds stehen erstmals Figuren aus der Zeichentrickserie von 1973 auf Kirks Enterprise. Dazu erklären die Showrunner, warum die Folge als Serienende geschrieben war und was in Staffel 5 wandert.

Im Finale der vierten Staffel von „Star Trek: Strange New Worlds” stehen erstmals Figuren aus der Zeichentrickserie der 1970er-Jahre leibhaftig auf der Enterprise. Im Hangar von Kirks Schiff sind die Caitianerin M'Ress und der Aurelianer Aleek-Om zu sehen – zwei Crewmitglieder, die bislang nur als Zeichnungen existierten und deren Serie Gene Roddenberry selbst aus dem offiziellen Kanon gestrichen hatte.

Das Finale war zudem ursprünglich als mögliches Ende der ganzen Serie geschrieben. Das haben die Showrunner Akiva Goldsman und Henry Alonso Myers im Gespräch mit TV Guide bestätigt – und damit erklärt, warum Kirks Enterprise in Tomorrow’s Enterprise früher auftaucht, als es die bekannte Chronologie erlaubt. Einiges, was ursprünglich im Finale stand, wurde wieder herausgenommen und wandert in die letzte Folge der fünften Staffel.

In der Folge landet Uhura ein Jahr in der Zukunft an Bord einer Enterprise, auf der James T. Kirk das Kommando führt, während ihr älteres Ich auf Pikes Schiff erwacht. Paul Wesley spielt damit erstmals den Captain Kirk der Originalzeitlinie. Die Folge ist seit Donnerstag, dem 24. September 2026, bei Paramount+ abrufbar, in Deutschland zeitgleich mit den USA. Das Drehbuch stammt von Myers und Robbie Thompson, Regie führte Chris Fisher. Ab hier folgen Spoiler zum Staffelfinale.

Warum Kirks Enterprise zu früh kommt

Als das Autorenteam die Folge entwarf, wusste es nicht, ob es eine fünfte Staffel geben würde. „Wir dachten, das wird das Ende der Serie”, sagt Myers. Gesucht habe man einen Abschluss, der offen und optimistisch zugleich ist und andeutet, wohin die Figuren unterwegs sind. Noch während der Arbeit am Drehbuch kam dann die Zusage für die fünfte Staffel – und damit die Chance, die Serie regulär zu beenden. Einiges, was schon im Skript stand, habe man deshalb wieder geändert, „um es für das aufzuheben, von dem wir wussten, dass es das Ende der Serie sein würde”.

Goldsman wird noch deutlicher. Weil das Finale als letzte Folge gedacht war, habe man eine Reihe von Anpassungen vorgenommen – dann habe sich in der Pause herausgestellt, dass noch sechs Folgen kommen. Dinge, die „auf die Schnelle endgültig” gemacht worden waren, habe man wieder herausgenommen und in Folge 6 der nächsten Staffel eingebaut. Diese letzte Folge der Serie zeigt nach Goldsmans Worten Kirks ersten Tag auf der Enterprise.

Das erklärt die Unstimmigkeit, die Fans sofort aufgefallen ist: In der Originalzeitlinie übernimmt Kirk die Enterprise erst einige Jahre nach den Ereignissen der vierten Staffel, das Finale zeigt sein Kommando aber schon ein Jahr später. Die Zukunft aus Tomorrow’s Enterprise ist damit ein Ausblick, nicht der verbindliche Weg – wie Kirk tatsächlich Captain wird, erzählt die fünfte Staffel.

Celia Rose Gooding über die zwei Uhuras

Getragen wird das Finale von Celia Rose Gooding, die Uhura gleich doppelt spielt. Für die ältere Version trägt sie erstmals die Frisur, die Nichelle Nichols in der Originalserie geprägt hat. „Ich war anfangs etwas unsicher, weil ich einfach anders aussah”, sagte sie Variety. Am schwierigsten sei gewesen, dass die ältere Uhura über Erfahrungen sprechen muss, die die jüngere noch nicht gemacht hat, ohne ihr zu viel zu verraten.

Technisch war das ein Kraftakt: Laut Gooding standen zeitweise drei Uhuras auf dem Drehplan – sie selbst, ihr Stand-in und ihr Stunt-Double. Oft habe sie mit einem Tennisball am Stab gesprochen und ihre eigene, vorher aufgenommene Stimme als Gegenüber gehört. Die Begegnung der beiden Uhuras am Ende versteht sie als Staffelübergabe zwischen „Strange New Worlds” und der Originalserie.

Was im Finale passiert

Auslöser ist ein Zeitphänomen zwischen einem Schwarzen und einem Weißen Loch, die zwei Punkte in der Zeit im Abstand eines Jahres verbinden. Uhura tauscht dabei den Platz mit ihrer zukünftigen Version: Die junge Uhura steht plötzlich auf Kirks Brücke, die ältere auf der von Pike. Beide Captains merken schnell, dass mit ihrer Kommunikationsoffizierin etwas nicht stimmt – und die beiden Uhuras müssen von ihren Enden der Anomalie aus gemeinsam herausfinden, was dahintersteckt.

Die Auflösung ist klassisches Star Trek mit einem Augenzwinkern. Hinter der Anomalie stecken Lebewesen, die sich über Musik verständigen – ähnlich wie die Erscheinung, die die Enterprise in Staffel 2 in ein Musical verwandelt hatte. Die Singularität ist, salopp gesagt, schwanger, und die Crew hilft bei der Geburt. Kirk ist von diesem „Weltraumbaby” sichtlich wenig begeistert.

Den emotionalen Kern liefert Scotty: Martin Quinns Chefingenieur kommt bei einem Zwischenfall ums Leben, obwohl er in der bekannten Zeitlinie noch lange lebt. Am Ende wird die Zeitlinie wiederhergestellt und Scotty gerettet. Zurück auf Kirks Enterprise fällt die ältere Uhura ihm so erleichtert um den Hals, dass die beiden sich küssen – und damit eine Beziehung offenlegen, die Star Trek in den Kinofilmen der Originalbesetzung nur angedeutet hatte. Myers nennt genau das als Absicht: Die Beziehung sei in einem der Kinofilme angelegt, und die Serie wolle zeigen, dass sie schon lange gewachsen ist.

Kirks Enterprise: Wer an Bord ist – und wer fehlt

Mindestens so interessant wie die Handlung ist der Blick auf die Besatzung ein Jahr später. Erica Ortegas unterrichtet inzwischen an der Sternenflottenakademie. Dr. M'Benga verbringt zunehmend Zeit auf Vulkan; in der Krankenstation arbeitet Schwester Chapel mit Dr. Philip Boyce, dem Schiffsarzt aus dem ersten Pilotfilm The Cage, den Brian Markinson spielt. Leonard McCoy wird nur erwähnt, ist aber offenbar schon an Bord.

Auffällig sind die Lücken. Zu Una Chin-Riley sagt die Folge nichts, und La'an Noonien-Singh fehlt auf Kirks Schiff ganz – Kirks Reaktion auf ihren Namen lässt Schlimmes ahnen. Ob die Serie das in der letzten Staffel auflöst, ist offen; nach den Aussagen der Showrunner ist allerdings klar, dass die gezeigte Zukunft nicht in jedem Detail Bestand haben muss.

Zeichentrick-Figuren zum ersten Mal als Realfilm-Crew

Die Szene spielt im Shuttlehangar, während Uhura sich auf den Weltraumspaziergang vorbereitet, mit dem die Geburt des Weltraumbabys gelingen soll. Im Hintergrund arbeiten Crewmitglieder, die Kenner sofort zuordnen können: Lieutenant M'Ress, eine Caitianerin mit katzenhaften Zügen, der in der Originalfassung Majel Barrett ihre Stimme lieh, und Aleek-Om, ein vogelartiger Aurelianer und Historiker der Föderation, im Original gesprochen von James Doohan. Beide stammen aus Die Enterprise, der Zeichentrickfortsetzung der Originalserie, die 1973 startete und nach zwei Staffeln endete.

Für Fans ist das mehr als ein Insider-Gag. Roddenberry hatte die Zeichentrickserie Ende der 1980er-Jahre als nicht kanonisch eingestuft; ihre eigenen Figuren tauchten deshalb in keiner Realserie auf, und offizielle Chronologien ließen die Folgen weitgehend weg. Die Paramount+-Serien haben diese Linie in den vergangenen Jahren Stück für Stück aufgeweicht, Caitianer kennt man etwa aus „Star Trek: Lower Decks” mit der Bordärztin Dr. T'Ana. Als Teil der Enterprise-Crew waren M'Ress und Aleek-Om aber bis zu diesem Finale nie in Fleisch und Blut zu sehen.

Regisseur Chris Fisher hat die Auftritte im Podcast The 7th Rule erklärt: Die Figuren sollen zeigen, dass in Kirks erstem Jahr als Captain Gutes passiert ist und die Besatzung vielfältiger geworden ist. Umgesetzt wurden sie nicht im Rechner, sondern praktisch mit Masken und Kostümen der Effektschmiede Legacy Effects. Weil die gezeigte Zukunft nach den Worten der Showrunner nicht in jedem Detail Bestand haben muss, ist offen, ob die beiden auch an Bord sind, wenn Kirk die Enterprise am Ende der fünften Staffel tatsächlich übernimmt.

Der Titel verweist auf „Yesterday's Enterprise”

Der Titel ist kein Zufall. Yesterday's Enterprise heißt die Folge aus „Raumschiff Enterprise: Das nächste Jahrhundert”, in der ein Zeitriss die Enterprise-C in die Gegenwart der Enterprise-D spült und eine alternative Zeitlinie entstehen lässt. Das Finale dreht die Formel um und schaut nach vorn statt zurück.

Innerhalb der Staffel ist es die erste Folge, die auf das Ende der Serie zeigt. Nach Urzeit-Abenteuer, Film noir in Schwarz-Weiß, Puppenspiel, Echtzeit-Katastrophe, Seifenoper, Badmiral-Thriller und Märchen hatten die Showrunner die Experimente zuletzt noch verteidigt; das Finale wirkt dagegen wie eine Vorbereitung auf das, was kommt.

Wie es mit der Serie weitergeht

Nach dem Finale bleibt noch eine Staffel. Paramount+ hat eine fünfte und zugleich letzte bestellt, die nur sechs Folgen umfasst; abgedreht war sie schon, bevor die vierte Staffel überhaupt anlief, ein Starttermin steht nicht fest, erwartet wird sie 2027. Genre-Ausflüge wie in den bisherigen Staffeln wird es dort laut Goldsman nicht mehr geben. Dass diese Staffel überhaupt existiert, war länger unsicher, als es von außen aussah – Goldsman hat inzwischen erzählt, dass Paramount die Serie nach Staffel 4 beenden wollte. In der letzten Staffel übernimmt Thomas Jane die Rolle von Dr. Leonard McCoy, Kai Murakami spielt Sulu.

Viele Zuschauer werden das Finale auch als Probelauf für ein Kirk-Spin-off sehen. Genau dieses Projekt ist aber vom Tisch: Goldsman hat Star Trek: Year One inzwischen aufgegeben. Die Folge bleibt damit ein Ausblick, keine Ankündigung. Wo alle Serien und Filme des Franchise zeitlich zueinander stehen, zeigt unsere Übersicht zur Star-Trek-Chronologie.

Bei Google bevorzugen scifiscene.de bei Google bevorzugen Lege uns als bevorzugte Quelle fest – und sieh unsere Sci-Fi-News bei Google-Suchen ganz oben. Jetzt bevorzugen

Darum geht's