Kehrtwende bei KI: Hollywood-Studios verlangen laut Weta FX inzwischen eine KI-Strategie
Erst verboten, jetzt Bedingung: Laut Weta-FX-Chef Daniel Seah arbeiten die großen Studios nur noch mit Effektfirmen, die eine KI-Strategie haben. Das „Avatar“-Studio setzt auf eigene Modelle und einen Partner in Taiwan.
scifiscene bei Google als bevorzugte Quelle festlegen
Vor anderthalb Jahren verboten die großen Hollywood-Studios ihren Effektfirmen jede Form generativer KI – heute verlangen sie das Gegenteil. Das sagt Daniel Seah, Chef von Weta FX, dem neuseeländischen Effektstudio hinter „Avatar: Fire and Ash” und den „Herr der Ringe“-Filmen. Wer keine KI-Strategie vorweisen könne, bekomme von den Kunden seit dem dritten Quartal 2026 sinngemäß zu hören: „Dann braucht ihr gar nicht erst mit uns zu arbeiten.“
Seah äußerte sich laut Variety am Freitag vor der Presse in Taipeh, nachdem Weta FX auf dem Taiwan Creative Content Fest eine Partnerschaft mit der taiwanischen Kreativagentur TAICCA unterzeichnet hatte. Zu den Kunden von Weta zählen nach seinen Worten vor allem die vier großen Hollywood-Studios und die Streamingdienste.
Vom Verbot zur Bedingung in einem Jahr
Seah beschrieb die Kehrtwende in drei Stufen. Anfang 2025 kam von jedem Studio, vor allem aus den Rechtsabteilungen, die klare Ansage, generative KI dürfe in keiner Form für ihre Projekte eingesetzt werden. Bis zur Jahresmitte ließen mehrere Kunden sie dann zu – mit vorheriger Genehmigung und nur in Zusammenarbeit mit wenigen ausgewählten Firmen.
Um den Jahreswechsel begannen die Studios schließlich, gezielt nach Wetas KI-Strategie zu fragen, meist um herauszufinden, wie viel Geld sich damit sparen lässt. Seit dem dritten Quartal 2026 sei eine solche Strategie Voraussetzung für Aufträge. Weta habe trotzdem nicht vor, Artists oder andere Mitarbeiter durch KI zu ersetzen, betonte Seah: Es gehe darum, Arbeitsabläufe zu ergänzen und zu beschleunigen.
Eigene Modelle, Partner in Taiwan
Technikchef Kimball Thurston erklärte, Weta entwickle eigene KI-Modelle, die Welten verändern und nachbauen sollen – ausdrücklich keine Modelle nach Art von ChatGPT. Wo Kunden es erlauben, setze das Studio auch fremde Videomodelle wie Kling AI und ByteDances Seedance ein, gehostet außerhalb Chinas. Für das Tempo bei generativer KI arbeitet Weta seit rund sechs Monaten mit dem taiwanischen Animationsstudio Moonshine zusammen.
Gemeinsam mit TAICCA und dem taiwanischen Kulturministerium will Weta zudem Nachwuchstalente fördern, unter anderem mit Praktika in Wellington, Melbourne und Vancouver. Daneben plant das Studio nach Seahs Worten voraussichtlich ein Büro in London.
Was das für Pandora und Co. bedeutet
Weta FX ist eines der prägenden Effekthäuser des Genrekinos: Von Peter Jacksons Mittelerde über die „Planet der Affen“-Filme bis zu James Camerons Pandora entstanden dort einige der bekanntesten digitalen Figuren der Kinogeschichte. Dass gerade dieses Studio eine KI-Strategie inzwischen als Eintrittskarte bezeichnet, zeigt, wie schnell sich die Produktionsbedingungen für große Effektfilme gerade verschieben.
Den Kern der Arbeit sieht Thurston trotzdem beim Menschen vor der Kamera: „Die Leute wollen immer noch den großen Star spielen sehen“, sagte er. Ob als Affe, als Na’vi oder als eine andere verrückte Kreatur – wie auch immer sie erzeugt werde, das Publikum wolle den Schauspieler sehen. Effektsupervisor Sheldon Stopsack ergänzte, neue Werkzeuge müssten sich in die bestehende Pipeline einfügen, auch in die Motion-Capture-Arbeit, damit die kreative Kontrolle beim Filmemacher bleibe.
Chefredakteur und Gründer von scifiscene.
Lege scifiscene als bevorzugte Quelle fest. Unsere Artikel erscheinen dann häufiger in deinen Google-Suchergebnissen und in den Top-Meldungen.













