Brand New Day: Daredevil und ein britischer Ben Reilly standen im Drehbuch
Drehbuchautor Chris McKenna hat drei verworfene Fassungen von Spider-Man: Brand New Day ausgebreitet – mit Matt Murdock als Anwalt, einem britischen Ben Reilly und einer sprechenden Kiosk-Katze.
Zwischen dem Auftrag und dem fertigen Film lagen bei „Spider-Man: Brand New Day” viereinhalb Jahre – und in dieser Zeit entstanden Drehbuchfassungen, die mit dem, was im Juli 2026 ins Kino kam, kaum noch etwas zu tun haben. Drehbuchautor Chris McKenna hat im Gespräch mit dem US-Magazin The Bulwark gleich drei davon ausgebreitet: In einer davon hätte Charlie Cox’ Daredevil mitgespielt – als Anwalt.
McKenna hat zusammen mit Erik Sommers alle vier MCU-Solofilme um Tom Hollands Peter Parker geschrieben. Dass es so lange dauerte, lag nach Angaben von Marvel-Chef Kevin Feige unter anderem am Terminkalender des Hauptdarstellers – das haben wir in einem eigenen Artikel aufgeschlüsselt. McKennas Schilderung ergänzt die andere Hälfte: Es lag auch daran, dass das Autorenduo immer wieder von vorn anfing.
Fassung eins: Peter Parker spielt einen Briten
Die erste verworfene Idee dreht sich um eine Tarnidentität. Peter hätte eine Kunstfigur gebraucht, sagt McKenna – ein Peter aus Queens, der vorgibt, Brite zu sein, um seine Stimme zu verstellen. Tom Holland hätte also einen Amerikaner gespielt, der einen britischen Akzent imitiert, was insofern reizvoll ist, als Holland selbst Brite ist und seinen amerikanischen Akzent für die Rolle aufsetzt.
Der Deckname dieser Kunstfigur wäre ausgerechnet Ben Reilly gewesen – in den Comics Peter Parkers Klon, zuletzt aber vor allem als Name des Privatdetektivs aus der Prime-Video-Serie Spider-Noir geläufig. Peter hätte sich in dieser Rolle an eine Figur heranmachen müssen, um an ein Geheimnis zu kommen, und dabei mehrere Identitäten gleichzeitig jonglieren.
Fassung zwei: ein Markenstreit – und Matt Murdock als Anwalt
Eine zweite Fassung hätte Peter weit weg von New York begonnen: als Held in Südostasien, der dort Banden ausschaltet. Zurück in die Stadt zwingt ihn ein Hochstapler, der Peters Netzflüssigkeit und dessen Anzug benutzt – und der getan hat, was Peter Parker nie in den Sinn kam: Er hat sich die Marke Spider-Man schützen lassen.
Daraus wäre ein Rechtsstreit geworden. Peter habe eine Unterlassungsaufforderung bekommen, schildert McKenna, und daraufhin Matt Murdock als Anwalt engagiert, um dagegen vorzugehen: Man könne nicht einfach so tun, als sei man Spider-Man. Das sei ziemlich unterhaltsam geworden, sagt der Autor – aber eben eine ganz andere Geschichte.
Bemerkenswert ist das aus einem zweiten Grund: Charlie Cox’ Daredevil wäre damit 2026 gleich zweimal im MCU aufgetreten – im Kinofilm und in der zweiten Staffel von „Daredevil: Born Again”. Gekommen ist es anders; der Anwalt aus Hell’s Kitchen blieb im Kinojahr 2026 auf der Serienseite.
Fassung drei: die sprechende Katze und das Spider-Totem
Am weitesten vom fertigen Film entfernt ist die dritte Variante. Sie hätte Peter als Erwachsenen gezeigt, der völlig allein dasteht – niemand auf der Notfallkontaktliste, wenn er im Krankenhaus landet. Nach einem Kampf ist er verletzt, versteht seine eigenen Schmerzen nicht und sucht in einer Apotheke nach Morphium. Dort hört er eine Stimme, die seinen Namen ruft.
Die Stimme gehört der Katze aus dem Kiosk um die Ecke. Sie hätte Peter gesagt, dass er Teil einer größeren Geschichte sei, dass er nicht allein sei, dass es eine ganze Gemeinschaft von Wesen gebe, die wissen, was er durchmacht – und dass er einen Gegenstand finden müsse: das Spider-Totem. Von dort aus wäre der Film in die Totem-Mythologie der Comics gekippt, samt einer weiteren Spider-Man-Variante.
Was am Ende übrig blieb
Keine der drei Ideen hat es in den fertigen Film geschafft. Der stammt von Regisseur Destin Daniel Cretton, läuft 145 Minuten und startete in Deutschland am 29. Juli 2026. Auch die Besetzung stand erst spät fest: Sadie Sinks Jean Grey kam nach Angaben von McKenna und Sommers erst zuletzt ins Drehbuch, als Ersatz für zwei verworfene Schurken – nachzulesen in unserem Text dazu, wie es mit The Hand weitergeht.
Was McKennas Schilderung zeigt, ist weniger ein verpasster Film als das Arbeitsprinzip dahinter: Ein Spider-Man-Stoff wird im MCU so lange umgebaut, bis er zu den Nachbarprojekten passt. Die nächste Probe steht schon an – McKenna und Sommers schreiben auch „Avengers: Doomsday” und „Avengers: Secret Wars”.
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