Längere Arme, graue Haare, braune Augen: So hat Marvel den Hulk für „Spider-Man: Brand New Day“ umgebaut
VFX-Supervisor Jerome Chen erklärt, warum der Hulk in „Spider-Man: Brand New Day“ anders aussieht, was seine braunen Augen bedeuten und wie sein Team in einer Woche 445 Effekt-Einstellungen fertigstellte.
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Der Hulk sieht in „Spider-Man: Brand New Day” anders aus als in allen früheren Marvel-Filmen – und das ist Absicht. Im Gespräch mit Variety erklärt VFX-Supervisor Jerome Chen, warum sein Team Mark Ruffalos Figur neu proportioniert hat, weshalb er Kevin Feige um Rat fragte und wie am Ende in einer einzigen Woche rund 445 Effekt-Einstellungen fertig wurden. Achtung, das Folgende enthält leichte Spoiler zum Film.
Auf einen Blick
Was wurde am Hulk geändert? Längere Arme, weniger Körperfett, grauere Haare, andere Proportionen von Händen und Füßen und ein weniger künstliches Grün.
Warum? Der Hulk tritt im Film in einem wilderen, telepathisch kontrollierten Zustand auf – dafür wollte das Team eine andere Physis.
Was bedeuten die braunen Augen? Ein Wechsel der Augenfarbe von Grün zu Braun zeigt den Moment, in dem der Hulk seine Menschlichkeit zurückgewinnt.
Wie knapp war die Zeit? Rund drei Viertel der Effekte entstanden in den letzten sechs Wochen, in einer Woche allein etwa 445 Einstellungen.
Wann kommt der Film in Deutschland auf Disc? DVD, Blu-ray und 4K UHD sind für den 17. Dezember 2026 gelistet.
Ein wilderer Hulk braucht einen anderen Körper
Für Chen war „Brand New Day” die erste Arbeit am Hulk. Weil die Figur im Film nicht als vertrauter Professor Hulk, sondern in einem wilderen, telepathisch gesteuerten Zustand auftritt, probierte das Team eine andere Physis aus. Proportionen, Muskeldefinition und Haarfarbe wurden angepasst, ebenso das Verhältnis von Händen und Füßen zum restlichen Körper. Am Ende bekam der Hulk längere Arme, weniger Körperfett und grauere Haare. Um zu verstehen, wie sich das Aussehen der Figur über die Jahre entwickelt hatte, holte sich Chen Rat bei Marvel-Studios-Chef Kevin Feige.
Manches Detail war dabei neu für alle Beteiligten. „Mir wurde klar, dass sich noch nie jemand die Zehennägel des Hulk genauer angesehen hatte”, scherzt Chen. Frühere Fassungen wirkten zu grell grün, also arbeitete das Team daran, wie die Haut unter unterschiedlichem Licht reagiert. Selbst die Hose des Hulk verlangte eigene Aufmerksamkeit. Am Set halfen drei Meter große Hulk-Stellvertreter in voller Größe, damit Schauspieler und Kamerateams ein Gefühl für seine Maße bekamen.
Die wichtigste Änderung ist eine kleine: An einer Stelle wechselt die Augenfarbe des Hulk von Grün zu Braun. Der Wechsel markiert den Moment, in dem er seine Menschlichkeit zurückgewinnt – ein Detail, das beim ersten Sehen leicht untergeht und beim Heimkino-Wiedersehen lohnt.
445 Einstellungen in einer Woche
Was Chen über den Zeitplan erzählt, klingt nach Ausnahmezustand. „In einer Woche haben wir etwa 445 Einstellungen gemacht”, sagt er. Zum Vergleich: Sein erster Film als Supervisor im Jahr 1999 hatte insgesamt rund 450 Effekt-Einstellungen, und die Arbeit daran dauerte zwei Jahre. Bei „Brand New Day” wurden etwa drei Viertel der Effekte in den letzten sechs Wochen geliefert, die gesamte Effektarbeit war nach 24 Wochen abgeschlossen. Chen sieht darin auch ein Risiko für die Branche: Weil es wieder einmal pünktlich geklappt habe, werde man das künftig erneut erwarten.
Die Vorbereitung begann im Dezember 2024 mit einer Erkundungsreise nach New York, noch bevor ein fertiges Drehbuch vorlag. Regisseur Destin Daniel Cretton wollte einen bodenständigen Spider-Man auf Straßenniveau, mit der Stadt als festem Teil der Geschichte. Gedreht wurde aber überwiegend in Großbritannien: Die Pinewood Studios, London und Glasgow mussten New York doubeln. Das Team behielt die brauchbaren Aufnahmen auf Straßenhöhe und ersetzte oder erweiterte vieles darüber digital. Ein halbes Dutzend Erkennungszeichen reichte dafür: hängende Ampeln, Baugerüste, Wassertürme und die richtigen Stromleitungen. Die gelben Bordsteinmarkierungen britischer Straßen mussten verschwinden.
Wie aus wenigen Drehbuchzeilen viel Arbeit wird, zeigt die Szene, in der Spider-Man auf einen Panzer trifft: Aus einer Handvoll Worte wurden elf Einstellungen und rund 52 Sekunden Film. Für Nahaufnahmen von Tom Holland im Anzug setzte das Team auf eine kleine Kamera an einem Helm, die sein Gesicht aus nächster Nähe filmte – der rote Schimmer der Maske kam erst in der Nachbearbeitung dazu.
Selbstkritik bei Jean Grey
Nicht mit allem ist Chen zufrieden. Die Energiewelle von Jean Grey im Finale fiel ihm kreativ am schwersten. Anfangs wollte er die regenbogenartigen Farbsäume vermeiden, die man aus anderen Superheldenfilmen kennt. Fünf Wochen vor Schluss entschied er sich doch dafür, weil die vertraute Bildsprache dem Film besser diene als etwas allzu Elektronisches. „Ich fand, das war der schwächste Teil des Films”, räumt er ein. „Ich wünschte, wir hätten uns etwas Besseres einfallen lassen.”
Die letzte Korrektur war dafür umso kleiner: Bei einer Durchsicht in letzter Minute fiel ein Schweißfleck unter Spider-Mans Arm auf. „Superhelden dürfen nicht in ihren Anzug schwitzen”, sagt Chen. Ein kleines Team in Marvels Büros in Burbank entfernte ihn in etwa 47 Minuten. Wer den Film nachholen will: In Deutschland sind DVD, Blu-ray und 4K UHD für den 17. Dezember gelistet, alles Weitere zum Heimkinostart steht in unserem Artikel zu den ersten neun Minuten.
Weil er im Film in einem wilderen, telepathisch kontrollierten Zustand auftritt. Das VFX-Team gab ihm deshalb längere Arme, weniger Körperfett, grauere Haare und andere Proportionen.
Der Wechsel von Grün zu Braun zeigt laut VFX-Supervisor Jerome Chen den Moment, in dem der Hulk seine Menschlichkeit zurückgewinnt.
Mark Ruffalo, der die Figur seit 2012 im MCU verkörpert.
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Chefredakteur und Gründer von scifiscene.
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