Nach Brand New Day: Wie es mit The Hand und dem Street-Level-MCU weitergeht

Nach Brand New Day: Wie es mit The Hand und dem Street-Level-MCU weitergeht Sony Pictures / Disney
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The Hand hat in „Spider-Man: Brand New Day“ ihr Kino-Debüt gefeiert und den Untergang der Defenders überlebt. Der Anschluss liegt bei Daredevil Staffel 3 – einer Serie, in der Spider-Man nicht einmal genannt werden darf.

Spider-Man: Brand New Day” hat einen Gegner ins Kino gebracht, auf den Marvel-Fans seit 2017 gewartet haben: The Hand, die Ninja-Organisation aus dem Daredevil-Kosmos. Seit dem deutschen Kinostart am 29. Juli 2026 hat der Film fast jeden Rekord eingesammelt, den es einzusammeln gab – nur eine Frage hat er nicht beantwortet: Wie geht es mit dieser Ecke des MCU eigentlich weiter?

Die Antwort ist unbequemer, als sie klingt. Der Film baut eine Brücke zu einer Serie, die Spider-Man aus Rechtegründen gar nicht betreten darf – und die einzige Figur, die er wirklich weitergereicht hat, ist nicht die Hand, sondern Frank Castle. Wir sortieren, was belegt ist und was offen bleibt.

Was der Film mit The Hand gemacht hat

Die Hand ist keine Erfindung des Films. Frank Miller führte sie 1981 in Daredevil Nr. 174 ein, als okkult angehauchten Ninja-Orden, der seither vor allem Daredevil und Elektra beschäftigt. Im MCU trat sie zuletzt in „Marvel’s The Defenders” auf – und galt nach dem Einsturz von Midland Circle weitgehend als erledigt.

Genau das korrigiert „Spider-Man: Brand New Day”. Der Film zeigt die Organisation in ihren roten Anzügen aus den Comics und stellt klar, dass sie das Ende der Defenders überstanden hat. Dabei knüpft sie Verbindungen ins Department of Damage Control – also ausgerechnet in jene Behörde, die im MCU inzwischen für den Umgang mit Übermenschen zuständig ist.

Was der Film nicht liefert, ist ein Anschluss. Matt Murdock taucht nicht auf, obwohl mit Punisher und der Hand gleich zwei Säulen seines Kosmos im Film stehen. Und das Finale weist in eine ganz andere Richtung: Der Abspann führt zu Jean Grey und damit zu den Mutanten, nicht zurück nach Hell’s Kitchen. Die Hand ist aufgestellt – aber niemand hat gesagt, wofür.

Frank Castle heißt jetzt einfach Frank

Deutlich konkreter ist der Film beim Punisher. Jon Bernthals Figur wird über die gesamte Laufzeit kein einziges Mal bei ihrem Codenamen genannt – Peter Parker spricht ihn nur mit „Frank” an, und der Film übernimmt das. Das ist keine Kleinigkeit: Seine beiden vorherigen Auftritte in „Daredevil: Born Again” und dem Special „The Punisher: One Last Kill” haben die Mystik um den Punisher eher noch vergrößert.

Die Erzählung setzt konsequent darauf, die Figur zu entschärfen. Aus dem gesuchten Killer wird ein Selbstjustizler mit Kodex, dem Krankenhauspersonal und Polizisten am Ende offen vertrauen – ausgerechnet Frank Castle, der in der Netflix-Ära eine Klinik verwüstet hat. Wo Peter und Frank aneinandergeraten, geht es nicht mehr um die Frage, ob Castle ein Verbrecher ist, sondern nur noch darum, wie weit er gehen darf.

Ein Nachfolger zu „The Punisher: One Last Kill” steht derzeit nicht in Entwicklung. Wo Bernthals Frank Castle als Nächstes auftaucht, ist damit offen – und die naheliegende Adresse ist wieder die Serie. Mehr zur Figur und ihrer MCU-Historie steht auf unserer Seite zum Punisher.

Der Anschluss liegt bei Daredevil – nur darf Spider-Man dort nicht mitspielen

Die dritte Staffel von „Daredevil: Born Again” startet im März 2027 auf Disney+, gedreht ist sie bereits. Sie bringt zum ersten Mal seit 2017 die Defenders wieder zusammen: Charlie Cox, Krysten Ritter als Jessica Jones, Mike Colter als Luke Cage und Finn Jones als Danny Rand stehen im bestätigten Ensemble. Matt Murdock sitzt im Gefängnis, Wilson Fisk ist entmachtet und im Exil. Alles dazu haben wir im Überblick zu Staffel 3 gesammelt.

Für die Hand ist das die logische Adresse – zumal Elodie Yung auf Set-Aufnahmen als Elektra Natchios zu sehen ist, jener Figur, die in den Comics enger mit dem Orden verbunden ist als jede andere. Offiziell bestätigt hat Marvel ihre Rückkehr nie, und auf welcher Seite sie steht, ist ebenfalls offen; kursierendes Material zeigt sie im Kampf gegen Daredevil. Wer die Figur einordnen will, findet ihren Werdegang auf unserer Elektra-Seite.

Hier liegt der eigentliche Haken. Der Vertrag zwischen Sony und Marvel Studios deckt ausschließlich Kinofilme ab. Serien wie „Daredevil: Born Again” dürfen auf Spider-Man anspielen, seinen Namen aber ohne Sonys Zustimmung nicht aussprechen. Der Film hat also eine Verbindung aufgebaut, die die Serie formal nicht einlösen kann – Tom Holland selbst hat gegenüber Empire gesagt, er würde sich für Bernthals Einsatz gern mit einem Auftritt revanchieren und wolle sehen, wie eine R-Rated-Version von Spider-Man aussieht. Möglich wäre das nur über einen neuen Deal.

Was die Autoren bewusst offengelassen haben

Dass Lücken im Film kein Versehen sind, sagen die Autoren selbst. Auf die gemeinsame Vorgeschichte von Spider-Man und Punisher auf Staten Island angesprochen, antwortete Drehbuchautor Erik Sommers gegenüber dem Hollywood Reporter, er glaube nicht, dass irgendjemand wisse, was auf Staten Island passiert sei. Die beiden Figuren behandeln ihre Vergangenheit als abgemacht – erzählt wird sie nicht.

Auch sonst hat der Film spät umdisponiert: Jean Grey kam nach Angaben von Chris McKenna und Erik Sommers erst spät ins Drehbuch, als Ersatz für zwei verworfene Schurken, und die Eröffnungssequenz war ursprünglich ein Banküberfall. Ein Film, der seine Gegner noch in der Schreibphase austauscht, hat verständlicherweise keine feste Roadmap für einen Ninja-Orden im Gepäck.

Bleibt die Frage nach dem Gegenspieler, den viele erwartet hatten. Vincent D’Onofrios Kingpin ist im MCU gesetzt, war aber in „Spider-Man: Brand New Day” nicht dabei; belastbare Aussagen von Marvel Studios zu einem künftigen Auftritt in einem Spider-Man-Film gibt es bis heute nicht. Was über die Figur bekannt ist, steht auf unserer Kingpin-Seite, und warum ein fünfter Spider-Man-Film ohnehin noch warten muss, haben wir an anderer Stelle aufgeschrieben.

Unterm Strich: Der Film hat die Hand zurückgeholt und den Punisher gesellschaftsfähig gemacht. Die Ernte fährt aber jemand anderes ein – im März 2027, auf Disney+, in einer Serie, in der Peter Parker nicht einmal beim Namen genannt werden darf.

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