„Am Scheideweg“: Roddenberry Entertainment und Robert Picardo über die Zukunft von Star Trek
Star Trek steht laut Roddenberry Entertainment „ein bisschen an einem Scheideweg“ – mit konkreten Plänen für neue Serien und Filme. Robert Picardo glaubt an ein Comeback und sieht im politischen Klima einen Grund für das Aus von Starfleet Academy.
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Star Trek steht im Jubiläumsjahr „ein bisschen an einem Scheideweg”. Das sagt kein Fan, sondern Trevor Roth, COO und Entwicklungschef von Roddenberry Entertainment – der Firma, die Gene Roddenberry gegründet hat und die heute sein Sohn Rod Roddenberry führt. Bei einem Gespräch auf dem MIA Market in Rom nannte Roth laut Variety drei Gründe: das Ende der laufenden Serien, die lange Pause seit dem letzten Kinofilm und Entscheidungen darüber, was das Franchise künftig sein soll.
Fast zeitgleich hat sich Robert Picardo geäußert, der Doktor aus „Star Trek: Raumschiff Voyager”. Er glaubt fest an ein Comeback – und gibt dem politischen Klima in den USA eine Mitschuld daran, dass „Star Trek: Starfleet Academy” nach zwei Staffeln endet.
Roddenberry Entertainment: „Ein bisschen an einem Scheideweg”
„Im Moment steht Star Trek ein bisschen an einem Scheideweg”, sagte Roth am Mittwoch im Gespräch mit Marco Spagnoli, der beim MIA den Dokumentarbereich leitet. Neben dem Ende der aktuellen Serien und der langen Kinopause nannte er die Umbrüche auf Studioseite: „Skydance hat Paramount gekauft und jetzt auch Warner Bros. – auch das hat Fragen aufgeworfen, wie die Zukunft von Star Trek aussehen wird.”
Ratlos wirkt Roddenberry Entertainment trotzdem nicht. „Wir haben sehr konkrete Vorstellungen davon, was Star Trek in seinen nächsten Inkarnationen sein wird”, sagte Roth. Die Firma entwickle weitere Star-Trek-Projekte, darunter den neuen Kinofilm, den Paramount Skydance auf der CinemaCon bestätigt hat, und daneben eigene Science-Fiction- und Genre-Stoffe außerhalb von Star Trek. Welche Star-Trek-Projekte das konkret sind, sagte er nicht.
Klar ist für Roth nur die Richtung: Das Franchise werde sich weiterentwickeln müssen, in einem neuen Umfeld aus Wirtschaft, Publikum und Sehgewohnheiten – so wie es sich schon von der Originalserie über „The Next Generation” bis zu „Enterprise” immer wieder neu erfunden habe. Star Trek gebe es seit 60 Jahren, „und es wird noch 60 weitere geben”.
Robert Picardo: „Wir haben ihn überstanden”
Picardo sprach mit dem Fanportal TrekMovie bei der Premiere der Jubiläumsdoku „The 60-Year Mission”. Auf die Frage, ob Star Trek weitergeht, sagte er: „Wir wissen nicht, was als Nächstes kommt, aber wir standen schon einmal an einem Wendepunkt. Wir haben ihn überstanden und sind wieder aufgeblüht, und ich bin überzeugt, dass wir es wieder schaffen werden.” Tatsächlich galt Star Trek schon nach dem Aus der Originalserie 1969 und nach dem Ende von „Star Trek: Enterprise” 2005 als erledigt.
Deutlicher wird Picardo bei Starfleet Academy, in der er erneut das medizinische Hologramm spielt. Jede Star-Trek-Serie sei in den ersten zwei, drei Staffeln kritisiert worden und erst später in Fahrt gekommen. „Und obwohl ich die Qualität unserer Serie für großartig halte, wurden wir quasi im Keim erstickt.” Einen Grund sieht er in der Stimmung im Land, in der Vielfalt und die Grundwerte von Star Trek „vorübergehend aus der Mode gekommen” seien: „Wir sehen, wie Vielfalt angegriffen wird, und deshalb wird auch Star Trek angegriffen.”
Neu ist diese Deutung nicht: Schon nach der Absetzung im März hatte Picardo gesellschaftliche Veränderungen verantwortlich gemacht, wie wir damals berichtet haben. Es ist seine Sicht als Beteiligter, keine Begründung von Paramount. Die zweite und letzte Staffel von Starfleet Academy startet im März 2027.
Anfang Oktober: Mulgrew erwartet eine Pause, Rod Roddenberry ein Comeback
Wie weit die Erwartungen auseinandergehen, hatten zwei Stimmen von einem Abend Anfang Oktober gezeigt. Kate Mulgrew, die in „Star Trek: Raumschiff Voyager” als Kathryn Janeway den ersten weiblichen Captain einer Star-Trek-Serie spielte, rechnet nach der Fusion von Paramount und Warner Bros. mit einer langen Pause für das Franchise. „Ich vermute, es ist eine Pause, und wahrscheinlich eine erhebliche Pause”, sagte sie dem Fanportal TrekMovie. Rod Roddenberry ist dagegen sicher: „Dass Star Trek zurückkommt, wird definitiv passieren.” Wie die Rückkehr aussieht, könne er allerdings nicht sagen.
Beide Interviews entstanden bei der Gala der Broadcasting+Cable Hall of Fame in New York, bei der Star Trek als „Franchise of the Year” ausgezeichnet wurde. Mulgrew nahm den Preis gemeinsam mit Wilson Cruz und Celia Rose Gooding auf der Bühne entgegen. Roddenberry wurde unter anderem nach Chris Parnell gefragt, der bei Paramount+ die Originals verantwortet und damit über die Zukunft von Star Trek im Streaming entscheidet.
Kate Mulgrew: „Vermutlich eine erhebliche Pause”
Anlass für Mulgrews Einschätzung war die Frage nach einer Live-Action-Serie mit Janeway. Über eine solche Idee war vor einiger Zeit gesprochen worden, TrekMovie erinnerte an einen Entwurf, der im Wilden Westen spielen sollte und mit dem Mulgrew nicht glücklich war. Ihre Antwort fiel knapp aus: „Ich glaube, das alles ist vorbei. Das ist schon eine Weile her. Mit dieser Fusion kann jeder nur raten, was los ist. Ich vermute, es ist eine Pause, und wahrscheinlich eine erhebliche Pause. Das ist auch in Ordnung.”
Zuletzt war Mulgrew als Janeway in der Animationsserie „Star Trek: Prodigy” zu hören. Ihre Rolle nannte sie auf dem roten Teppich das, was ihr Leben „dramatisch” verändert habe – zum Besseren. Eine Rückkehr in Live-Action kündigt sie damit nicht an, sie hält sie im Gegenteil für erledigt. Das deckt sich mit dem Stand bei Paramount: Eine neue Serie ist nicht bestellt, und eine Janeway-Serie stand nie offiziell auf dem Plan.
„Keine Melkkuh”: Rod Roddenberry lobt das neue Paramount
Jeder, mit dem er im „neuen Paramount” zu tun gehabt habe, verstehe, was Star Trek sei, so Roddenberry – in dem Sinne, dass niemand es vermasseln wolle. „Das ist für sie nicht einfach eine Melkkuh. Es geht nicht darum, ein paar Laserkanonen und ein Raumschiff zusammenzuwerfen und das rauszubringen.” Man arbeite hart daran, dass das, was als Nächstes kommt, diesem Anspruch gerecht wird.
Ganz festlegen wollte er sich trotzdem nicht. „So sehr ich glaube, dass die Leute dort verstehen, dass man es mit Liebe behandeln muss: Ich weiß nicht, was passieren wird”, sagte Roddenberry. „In dieser Branche ändert sich fast täglich etwas.” Er habe aber große Hoffnungen. Das Gespräch fand statt, bevor David Ellison verkündete, dass der Konzern aus Paramount und Warner Bros. künftig Skydance heißt.
Warum die Aussagen gerade jetzt Gewicht haben
Star Trek steht im Jubiläumsjahr an einem ungewohnten Punkt: Erstmals seit rund zehn Jahren ist keine neue Serie in Produktion. „Star Trek: Strange New Worlds” und „Star Trek: Starfleet Academy” enden 2027 mit ihren letzten Staffeln, das Kirk-Spin-off Year One ist nach Aussage von Akiva Goldsman praktisch erledigt. Der neue Kinofilm, den Paramount auf der CinemaCon bestätigt hat, hat noch keinen Termin.
Auch personell ist vieles offen. Der Vertrag von Franchise-Chef Alex Kurtzman und seiner Firma Secret Hideout läuft Ende 2026 aus; Picard-Showrunner Terry Matalas hat bereits erklärt, dass er den Job übernehmen würde. Zugleich ordnet die Fusion die Streaming-Spitze neu: Paramounts Streaming-Chefin Cindy Holland geht, HBO-Chef Casey Bloys übernimmt, wie unsere Chronik der Übernahme festhält. Ob Chris Parnell seine Rolle behält, ist nicht bekannt.
Was die Aussagen bedeuten – und was nicht
Weder Roth noch Picardo, Mulgrew oder Rod Roddenberry treffen bei Paramount Entscheidungen. Ihre Worte sind Einschätzungen, keine Ankündigungen. Eine neue Serie ist weiterhin nicht bestellt, ein Nachfolger für Kurtzman nicht benannt. Bemerkenswert ist trotzdem, dass mit Roddenberry Entertainment ausgerechnet die Erbenfirma offen von einem Scheideweg spricht – und zugleich betont, sie habe konkrete Pläne für die nächsten Serien und Filme.
Auf der New York Comic Con hat Paramount inzwischen zumindest den Start der letzten Staffel von Starfleet Academy auf März 2027 gelegt. Welche Serien und Filme bei Star Trek noch anstehen, zeigt unsere Übersicht aller Star-Trek-Starttermine.
Derzeit ist keine neue Star-Trek-Serie bestellt. Strange New Worlds und Starfleet Academy enden 2027. Roddenberry Entertainment spricht von einem „Scheideweg”, hat nach eigener Aussage aber „sehr konkrete Vorstellungen” für die nächsten Serien und Filme. Kate Mulgrew rechnet mit einer erheblichen Pause.
Robert Picardo ist überzeugt, dass Star Trek wieder aufblüht, wie schon nach früheren Krisen. Das Aus von Starfleet Academy führt er unter anderem auf das politische Klima in den USA zurück, in dem Vielfalt angegriffen werde.
Nein, davon ist nicht auszugehen. Kate Mulgrew sagte im Oktober 2026, die Pläne für eine Live-Action-Version seien „vorbei”. Eine solche Serie war nie offiziell bestellt.
Zuständig ist Chris Parnell, der bei Paramount+ die Originals verantwortet. Durch die Fusion mit Warner Bros. übernimmt HBO-Chef Casey Bloys zugleich die Streaming-Sparte.
Roddenberry Entertainment ist die von Star-Trek-Schöpfer Gene Roddenberry gegründete Firma. Sie wird heute von seinem Sohn Rod Roddenberry geführt und ist an der Entwicklung neuer Star-Trek-Projekte beteiligt, darunter der angekündigte Kinofilm.
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