Spider-Noir abgesetzt: Showrunner verrät, wie Staffel 2 ausgesehen hätte

Spider-Noir abgesetzt: Showrunner verrät, wie Staffel 2 ausgesehen hätte Sony Pictures
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Prime Video verlängert die Marvel-Serie „Spider-Noir“ nicht. Nicolas Cages Privatdetektiv Ben Reilly bekommt keine zweite Staffel – trotz elf Emmy-Nominierungen und starker Kritiken.

Prime Video hat „Spider-Noir” nach einer einzigen Staffel abgesetzt. Die Serie mit Nicolas Cage als Privatdetektiv Ben Reilly bekommt keine zweite Runde, wie Deadline berichtet. Die Entscheidung fiel ausgerechnet in die Tage vor den Creative Arts Emmys, bei denen die Produktion mit elf Nominierungen antrat – mehr als jede andere Prime-Video-Serie in diesem Jahr.

Für dich heißt das: Die acht Folgen, die seit dem 27. Mai 2026 auf Prime Video liegen, bleiben alles, was es aus diesem düsteren New York der 1930er Jahre geben wird. Immerhin erzählt die erste Staffel ihre Geschichte weitgehend zu Ende. Bis auf ein paar lose Fäden bleibt niemand im Regen stehen.

Gute Kritiken, ordentliche Quoten und trotzdem das Aus

An der Resonanz lag es nicht. Auf Rotten Tomatoes steht die Serie bei 92 Prozent bei den Kritikern und 90 Prozent beim Publikum. Der Start lief ebenfalls rund: In der ersten Woche kletterte „Spider-Noir” auf Platz 2 der US-Nielsen-Charts für Originalserien und sammelte dort 851 Millionen abgerufene Minuten. Über die ersten sechs Wochen kamen 2,6 Milliarden Minuten zusammen.

Was fehlte, war die Ausdauer. Anders als andere Prime-Video-Titel der vergangenen Monate rutschte die Serie relativ schnell wieder aus den täglichen Top 10 des Anbieters. Dazu kam ein teures Fundament: Die Produktion wurde parallel in Farbe und in Schwarzweiß ausgespielt, was den Aufwand spürbar erhöht hat. Streamer entscheiden über Verlängerungen fast ausschließlich über das Verhältnis von Kosten zu Leistung – und genau dieses Verhältnis stimmte hier offenbar nicht.

Fünf Emmys, wenige Tage nach dem Aus

Wie bitter das Timing war, zeigte sich am Sonntag. Bei der zweiten Nacht der Creative Arts Emmys holte „Spider-Noir” gleich fünf Preise: für Stunt-Koordination im Comedy-Bereich, für Tonschnitt in einer einstündigen Comedy- oder Dramaserie, für Titeldesign, für visuelle Effekte in einer Einzelfolge und für die Kameraarbeit einer Serie. Eine abgesetzte Serie, die im selben Atemzug zu den erfolgreichsten Produktionen des Abends gehört – das gibt es selten.

Die Preisträger nahmen es mit Humor. Auf die Frage, ob sie auf eine Rücknahme der Entscheidung hoffen, antwortete Stunt-Koordinator Freddy Bouciegues hinter der Bühne nur, das sei nicht seine Abteilung: „Sag mir, wen ich anrufen soll, dann frage ich.” Die Creative Arts Emmys werden nicht live übertragen; beide Nächte laufen zusammengeschnitten am 12. September. Die 78. Primetime Emmys folgen am 14. September.

Von den elf Nominierungen blieben damit fünf Siege. Bei den technischen Kategorien schlug genau das durch, was die Serie so teuer gemacht hat: die doppelte Ausspielung in Farbe und Schwarzweiß, das aufwendige Produktionsdesign des New York der Depressionsjahre, die Stunt-Arbeit. Die Handschrift war teuer und wurde dafür ausgezeichnet.

Ein Rekord, den vorher niemand hatte

Die fünf Preise sind mehr als eine Randnotiz. Nach Angaben von Variety hat noch nie eine Serie, die nach ihrer ersten Staffel abgesetzt wurde, so viele Emmys gewonnen. Der bisherige Höchstwert lag bei zwei Siegen: „Lovecraft Country” schaffte das 2020, „My World And Welcome to It” bereits 1969.

Showrunner Oren Uziel war entsprechend gerührt. Es sei seine erste eigene Serie und seine erste Emmy-Nacht überhaupt gewesen, sagte er Variety; bei elf Nominierungen habe praktisch das gesamte Team im Saal gesessen, auch die nicht Nominierten seien gekommen. Dass die Absetzung nur zwei Tage vorher bekannt wurde, habe er zunächst für schlechtes Timing gehalten — am Ende sei daraus eine Feier dessen geworden, was das Team zusammen geschafft habe.

Was aus Staffel 2 geworden wäre

Ideen hatte Uziel bereits. Ben Reilly behält am Ende der ersten Staffel seine Kräfte, ein neuer Fall wäre also ohne Umweg möglich gewesen — allerdings an einem anderen Ort. Er hätte sich einen Los-Angeles-Noir vorstellen können oder einen europäischen, sagte er Variety. Die Serie setzt 1933 ein, und von dort führe der Weg unweigerlich auf den Zweiten Weltkrieg zu. Dort hätte es reichlich zu erzählen gegeben.

Auf eine Wiederbelebung setzt er trotz der Emmy-Nacht nicht. „So weit sind wir noch gar nicht gekommen”, sagte er zur Frage, ob Prime Video zurückrudern oder Sony die Serie anderswo unterbringen könnte. Er kenne die rechtlichen Verwicklungen nicht im Detail, rechne aber damit, dass es eine komplizierte Angelegenheit sei. Das Wort „abgesetzt” mag er ohnehin nicht: Die acht Folgen erzählten eine abgeschlossene Geschichte, eher wie ein langer Film. Nebenbei räumte er mit einer kursierenden Zahl auf — die im Netz immer wieder genannten 400 Millionen Dollar Budget seien weit überzogen.

Nicolas Cage nimmt es gelassen

Cage selbst hat sich inzwischen zu Wort gemeldet, in einem Statement gegenüber Deadline. „Für mich ist eine Staffel perfekt, nachdem ich mit diesem gefährlichen, innovativen Pop-Art-Spider-Man gesagt habe, was ich sagen wollte.” Und weiter: „Vorwärts, aufwärts, nach innen.” Das deckt sich mit dem, was er schon rund um den Serienstart im Mai gesagt hatte: Er war sich über eine Verlängerung nie sicher, hielt die Staffel aber für in sich abgeschlossen.

Getrennt haben sich Cage und der Streamer damit nicht. Sein nächstes Projekt bei Prime Video ist der Film „Madden”, in dem er den legendären Football-Trainer und Kommentator John Madden spielt. Der Start ist für den 18. November angesetzt – ein deutscher Termin liegt dafür noch nicht vor.

Der Pakt zwischen Amazon und Sony läuft weiter

„Spider-Noir” war die erste Serie, die es aus dem Mehrtitel-Abkommen zwischen Amazon MGM Studios und Sony Pictures Television bis auf den Bildschirm geschafft hat. Grundlage ist Sonys Universe of Marvel Characters, zu dem nach Angaben des Studios mehr als 900 Figuren aus dem Spider-Man-Umfeld gehören. Bestellt worden war zuerst die Serie „Silk: Spider Society” mit Angela Kang als Showrunnerin – die wurde aber wieder eingestampft, bevor sie fertig war.

Das Aus für Cages Detektiv beendet die Zusammenarbeit nicht. Nach Informationen von Deadline entwickeln beide Seiten weiter mehrere Projekte, und eines davon steht kurz vor einer Serienbestellung. Das Muster bleibt dabei dasselbe: erst eine lineare Premiere auf MGM+, danach die Auswertung auf Prime Video.

Uziel selbst wird an dieser nächsten Serie nicht mitarbeiten. Dort seien bereits andere Leute am Werk, sagte er; beraten würde er trotzdem gern, weil er die Hürden und die Belohnungen dieses Stoffs inzwischen kenne. Stattdessen sucht er ein eigenes Projekt, für das er sein Team und Nicolas Cage wieder zusammenholen kann — mit Cage habe er darüber bereits gesprochen, beide sähen es gleich.

Was aus Ben Reilly geworden ist

Die Serie erzählte nicht die Geschichte von Peter Parker, sondern von Ben Reilly, einem abgehalfterten Privatdetektiv im New York der Großen Depression, der nach einem persönlichen Schicksalsschlag mit seiner Vergangenheit hadert – und nebenbei der einzige Superheld der Stadt ist. Es war Cages erste durchgehende Serienrolle überhaupt. Neben ihm spielten Lamorne Morris, Li Jun Li, Karen Rodriguez, Abraham Popoola, Jack Huston und Brendan Gleeson.

Hinter der Serie stand ein Team mit Gewicht: Oren Uziel und Steve Lightfoot waren Co-Showrunner, entwickelt wurde der Stoff gemeinsam mit Phil Lord, Christopher Miller und Amy Pascal – also den Köpfen hinter den Spider-Verse-Filmen. Die ersten beiden Folgen inszenierte Harry Bradbeer. Dass ausgerechnet dieses Aufgebot nach acht Folgen Schluss machen muss, sagt weniger über die Serie als über den Zustand des Streaming-Geschäfts: Ein voller Preisregen ersetzt keine stabile Abrufkurve.

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