Sci-Fi / Doctor Who

Line-of-Duty-Macher Jed Mercurio bewirbt sich um „Doctor Who“

Die Bewerbungsfrist für Doctor Who ist abgelaufen: Line-of-Duty-Macher Jed Mercurio führt eine Bewerbung an, World Productions tritt für ITV an – und STV Studios will die TARDIS nach Schottland holen.

Oliver Trebes Von Oliver Trebes · 18.09.2026 ·Aktualisiert 07.10.2026 ·8 Min. Lesezeit
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Line-of-Duty-Macher Jed Mercurio bewirbt sich um „Doctor Who“
BBC

Die Bewerbungsfrist ist abgelaufen, und jetzt wird sichtbar, wer Doctor Who in die nächste Ära führen will. Ganz vorn dabei ist ausgerechnet einer der bekanntesten Serienmacher Großbritanniens: Jed Mercurio, der Kopf hinter Line of Duty und Bodyguard. Er führt nach Informationen von Deadline eine der Bewerbungen an. Dazu kommen ein Konzept aus dem ITV-Lager und ein Angebot, das die TARDIS nach Schottland holen würde.

Jed Mercurio greift nach der TARDIS

Hinter der Bewerbung steht Hat Trick Mercurio, die Produktionsfirma, die Mercurio gemeinsam mit Hat-Trick-Gründer Jimmy Mulville betreibt. Mercurio selbst ist laut Deadline als ausführender Produzent an das Konzept gebunden. Für Genre-Fans ist er kein Unbekannter: Bevor er mit Polizei- und Politthrillern zu einem der gefragtesten Drehbuchautoren des Landes wurde, schrieb er in den 1990er-Jahren die BBC-Science-Fiction-Serie Invasion: Earth. Die Firma wollte sich zu dem Bericht nicht äußern.

Mercurio ist nicht der einzige Bewerber mit Line of Duty-Vergangenheit. Auch World Productions, die Firma, die die Krimiserie produziert, hat ein eigenes Konzept eingereicht. Firmenchef Simon Heath hatte sein Interesse schon vor Wochen öffentlich gemacht. Nach Informationen von Deadline führt World Productions faktisch die Bewerbung von ITV Studios an, zu dem die Firma gehört. Damit stehen sich zwei Teams gegenüber, die aus demselben Erfolg kommen.

Wandert Doctor Who nach Schottland?

Das kühnste Angebot kommt aus dem Norden. STV Studios, das Haus hinter den Serien Blue Lights und Criminal Record, will die Produktion gemeinsam mit der Filmförderung Screen Scotland ab der 17. Staffel nach Schottland verlegen. Ganz aus der Luft gegriffen ist das nicht: Die BBC verlangt, dass Doctor Who außerhalb Londons entsteht, und hatte zuletzt angekündigt, in den kommenden drei Jahren 100 Millionen Pfund in Drama-Produktionen in Schottland zu investieren.

Eine Verbindung zum Whoniversum hat STV ebenfalls: Peter Capaldi, von 2014 bis 2017 der Zwölfte Doctor, spielt in Criminal Record, das seine Frau Elaine Collins mit ihrer von STV unterstützten Firma produziert. Unbestätigt bleibt dagegen die Spekulation über eine zweite schottische Bewerbung, hinter der ein bekannter Schauspieler aus Schottland stehen soll. Ncuti Gatwa, der bislang letzte Doctor, ist dort aufgewachsen.

Viele große Namen winken ab

Bemerkenswert ist auch, wer nicht antritt. Laut Deadline haben unter anderem A24 UK, Playground, Mammoth Screen, New Pictures und Big Talk Studios auf eine Bewerbung verzichtet. Als Gründe nennen Produzenten vor allem, dass die Rechte bei der BBC bleiben und der Auftrag kreative Kräfte von eigenen Projekten abziehen würde. Ein Produzent formulierte es drastisch: „Jeder, der einen Puls hat, weiß, dass es an BBC Studios geht.”

Ein anderer erfahrener Produktionschef sieht die Aufgabe noch skeptischer: Wenn Jane Tranter und Russell T Davies aus der Serie nicht schlau würden, wer dann – und wer wolle das überhaupt? Es fühle sich nach einer „undankbaren Aufgabe” an. Die Liste der Bewerber ist nach Deadline-Angaben nicht vollständig, weitere Interessenten könnten noch auftauchen. Die BBC selbst wollte sich nicht äußern.

BBC Studios will die Serie zurück ins eigene Haus holen

Die BBC-eigene Produktionstochter will das Rennen selbst gewinnen. BBC Studios wird sich voraussichtlich mit einer, möglicherweise sogar mit zwei eigenen Produktionsfirmen um den Auftrag bewerben. Das hatte Jamie Hall, der Chef der Scripted-Sparte von BBC Studios, Deadline in der vergangenen Woche in einem Exklusivinterview gesagt.

„Wir haben wahrscheinlich eine, potenziell zwei Firmen”, die sich um den Millionenauftrag bewerben, so Hall. Welche das sind, verriet er nicht, er hätte aber „hundertprozentig” nichts dagegen, wenn mehr als eine ins Rennen geht. Zuvor hatte bereits BBC-Studios-Chef Tom Fussell angekündigt, man werde sich „mit Begeisterung” bewerben. Hall wird deutlicher: Doctor Who gehöre in die BBC, und die gesamte Gruppe solle „die Früchte ernten”. Nach zwei Staffeln mit Ncuti Gatwa, produziert von der zu Sony gehörenden Firma Bad Wolf, käme die Serie damit zurück ins eigene Haus – dorthin, wo sie vor Bad Wolf entstanden ist.

Zu BBC Studios gehören neben der hauseigenen Drama-Abteilung mehrere Produktionsfirmen, darunter Clerkenwell Films („Baby Reindeer”), Lookout Point („Happy Valley”) und House Productions („Sherwood”). Hall räumt ein, dass die Bewerbung für die Firmen „ein ziemlich aufwendiges Unterfangen” sei, das viel Geld koste – er müsse darauf achten, dass sie nicht vom Tagesgeschäft ablenke. Konkurrenz gibt es reichlich – wer sich außer BBC Studios beworben hat, steht weiter oben.

Auch inhaltlich hat Hall eine Vorstellung. Er wünscht sich eine Rückkehr zu dem, was die Serie in der Zeit von David Tennant und Matt Smith ausgemacht habe: „Es gibt die Chance, zum Kern dessen zurückzukehren, was die Serie damals geboten hat.” Dass Doctor Who zwei bis drei Jahre vom Bildschirm verschwindet, sieht er nicht als Nachteil – das Publikum bekomme so eine Pause, um die Serie neu zu entdecken, während zugleich neue Zuschauer dazukämen.

Was die Ausschreibung verlangt

Welche Bedingungen die BBC an die nächste Staffel stellt, steht in der Ausschreibung, die der Sender Mitte September veröffentlicht hat. Sie legt zum ersten Mal offen, wie die Serie nach dem Bruch der vergangenen Monate aussehen soll.

Der Hintergrund ist bekannt: Showrunner Russell T Davies und die Produktionsfirma Bad Wolf haben die Serie verlassen, der Koproduktionsvertrag mit Disney ist ausgelaufen, und Ncuti Gatwa kehrt nicht als Doctor zurück. Was bislang fehlte, war eine Vorstellung davon, womit die BBC diese Lücke füllen will. Genau das steht in dem Ausschreibungsdokument, über das Deadline zuerst berichtete.

Rückkehr frühestens 2028

Gesucht wird eine „neue Flaggschiff-Staffel” für eine Ausstrahlung in den Jahren 2028 oder 2029. Der Auftrag umfasst eine mehrteilige Staffel samt Specials, und die BBC behält sich die Option auf eine zweite Staffel vor. Zwischen der letzten regulären Folge und dem Neustart liegen damit mindestens drei Jahre – die längste Pause seit der Wiederbelebung der Serie im Jahr 2005.

Auffällig ist, wie wenig die BBC festlegt. Es gibt keine gesetzte Episodenzahl, und der Sender lässt offen, ob die Staffel durcherzählt wird oder auf abgeschlossene Folgen setzt. „Wir sind flexibel, wie die Serie strukturiert ist”, heißt es in dem Dokument. Wer sich bewirbt, bringt das Format also selbst mit.

Kein klassisches Showrunner-Modell mehr

Der bemerkenswerteste Satz der Ausschreibung betrifft die Führungsstruktur. Die BBC schreibt, sie suche „nicht notwendigerweise” ein striktes Showrunner-Modell und erwarte, dass in der Produktion auch einzelne Episodenautoren zum Einsatz kommen. Nach zwei Jahrzehnten, in denen die Serie von Davies und Steven Moffat als klar zugeordnete Autorenhandschrift geführt wurde, ist das eine deutliche Kursänderung.

Inhaltlich bleiben die Eckpfeiler stehen. Die Staffel soll „hinter dem Sofa”-Schrecken liefern, Spannung und Gefahr, dabei aber familientauglich bleiben. Bekannte Gegner sind willkommen, die BBC warnt jedoch ausdrücklich davor, sich „übermäßig” auf den vorhandenen Kanon zu stützen: Erwartet werden neue Figuren, neue Aliens und neue Ideen. Mindestens eine Begleiterin oder ein Begleiter mit eigener Biografie, eigenen Beziehungen und eigenem Weg ist Pflicht.

Auch die Bandbreite der Schauplätze schreibt der Sender fest: historische Kulissen, die Gegenwart auf der Erde, fremde Welten und ferne Zukünfte. Optisch soll die Serie „kinohaft, unverwechselbar und ehrgeizig” wirken – nach eigener Formulierung konkurrenzfähig auf einem hart umkämpften globalen Markt.

Wer der Doctor ist, steht weiter nicht fest

Die größte offene Frage beantwortet das Papier nicht. Gatwas Fünfzehnter Doctor regenerierte sich am Ende von „The Reality War” ausgerechnet in das Gesicht von Billie Piper – offiziell als Sechzehnte Doctor angekündigt wurde sie aber nie. Diese Wendung hängt damit weiter in der Luft, während ein völlig neues Produktionsteam die TARDIS übernehmen soll. Wir hatten die Lage dazu bereits nach Pipers eigener Klarstellung eingeordnet.

Offen ist damit auch, wer die Besetzung überhaupt entscheidet. Wird der Doctor vor der Vergabe feststehen, oder bringt die siegreiche Produktionsfirma ihren eigenen Vorschlag mit? Die Ausschreibung sagt dazu nichts – und genau das dürfte für die Bewerber eine der heikelsten Fragen sein.

Auftrag ohne Rechte – und was das für Bewerber heißt

Die Produktion läuft auf Basis eines Auftragsverhältnisses: Sämtliche Rechte bleiben bei der BBC, BBC Studios behält Vertrieb, Lizenzen, Merchandising und die immersiven Auswertungen. Für die Produktionsfirma bleibt das Honorar und der Name im Abspann. Beim Budget wird die BBC nicht konkret, lädt Bewerber aber ein, „Investitionen Dritter” vorzuschlagen – ein deutlicher Hinweis darauf, dass die Finanzierungslücke nach dem Disney-Ausstieg nicht allein aus dem Sender gestopft wird.

Dass diese Konstruktion nicht überall auf Begeisterung stößt, hatte sich abgezeichnet. Deadline hatte im Frühjahr vier britische Drama-Produzenten befragt; alle äußerten Vorbehalte dagegen, für eine Serie, an der sie keine Rechte halten, erhebliche Ressourcen zu binden. Für eine Tochter wie BBC Studios, die ohnehin Vertrieb und Lizenzen hält, sieht diese Rechnung anders aus. Bevorzugt wird eine Produktion, die sich in Wales qualifiziert – die Serie bliebe damit dort, wo sie seit 2005 entsteht.

Der Zeitplan

Die Frist für erste Vorschläge ist am 2. Oktober abgelaufen. Die Gespräche mit den Bewerbern führt die BBC im Januar 2027, die Vergabe des Auftrags ist für März 2027 vorgesehen. Wer in die engere Wahl kommt, führt vor dem finalen Gespräch noch eine ausführliche Unterredung mit BBC Studios als Vertriebspartner.

Für das deutsche Publikum bleibt damit auch offen, wo die Serie künftig zu sehen sein wird: Der Weg über Disney+ war an den ausgelaufenen Koproduktionsvertrag geknüpft, ein Nachfolger steht nicht fest. Ihr Dokument beendete die BBC mit einem Satz, der als Arbeitsauftrag gemeint sein dürfte: „Seid mutig, habt Spaß.”

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