Ridley Scott über KI-Chefs: „Man kann diesen Leuten nicht vertrauen“
Ridley Scott hat beim Starmus Festival die Stephen-Hawking-Medaille bekommen — und dort so scharf über künstliche Intelligenz gesprochen wie nie. Nicht die Technik sei das Problem, sagt der 88-Jährige, sondern die Leute, denen sie gehört.
Der Mann, der dem Kino seine berühmtesten künstlichen Intelligenzen gegeben hat, hält wenig von denen, die sie im echten Leben bauen. Ridley Scott hat beim Starmus Festival die Stephen-Hawking-Medaille für Wissenschaftskommunikation entgegengenommen und dort so deutlich über künstliche Intelligenz gesprochen wie selten: Nicht die Technik sei das Problem, sondern die Leute, denen sie gehört.
„Man kann diesen Leuten nicht vertrauen”
Im Gespräch mit den Starmus-Mitgründern Garik Israelian und Brian May, dem Gitarristen von Queen und promovierten Astrophysiker, beschrieb Scott seine Sorge sehr konkret. Eine KI könne sich in jedes Stromnetz einklinken, sagte er TheWrap zufolge: Das Stromnetz sei ein System, eine Vene — wer sich in die Schaltung hänge, könne die Welt kontrollieren. Und dann der Satz, der den Ton des Abends setzte: Zum Spaß könne man einfach alles abschalten. Alles.
May fragte nach, ob damit die KI Macht bekomme oder die Menschen, die sie herstellen. Scotts Antwort ließ keinen Zweifel: Man könne diese Verantwortung nicht in ihre Hände legen. Namen wolle er keine nennen, aber man wisse ja genau, wer gemeint sei — und denen sei es vollkommen gleichgültig. Wen der 88-Jährige meint, hat er ausdrücklich offengelassen.
Statt einer Anklage folgte eine Warnung, die klingt wie das Ende eines seiner Filme: Egal wie groß das Vermögen sei, egal welche Insel man kaufe oder welchen Berg man besitze — was man erschaffe, hole einen irgendwann ein. Es dauere nur etwas länger. Auf Mays Frage, wie man die Sache denn in den Griff bekomme, wich Scott lachend aus. Er wisse, was zu tun sei, sagte er, sage es aber jetzt nicht.
Vor zwei Jahren klang das noch anders
Bemerkenswert ist das, weil Scott bei anderer Gelegenheit deutlich entspannter geklungen hat. Kurz vor dem Start von „Gladiator II” sprach er bei Empire davon, man müsse die KI umarmen — gemeint war das Werkzeug im Schneideraum und in den digitalen Effekten, ein Handwerksmittel unter vielen.
Ein Widerspruch ist das nicht, sondern eine Trennung: hier die Software, die Bilder rechnet, dort die Infrastruktur, an der die Welt hängt. Auch zuletzt hielt Scott daran fest, dass er es mit einer KI aufnehmen könne, wenn es ums Erschaffen von Bildern gehe — und arbeitet zugleich an einem dritten Alien-Prequel um den Androiden David, also an genau der Geschichte, in der eine künstliche Intelligenz beschließt, dass die Menschheit verzichtbar ist.
„Ich bin kein Filmemacher, ich bin ein Influencer”
Fast zeitgleich lieferte Scott der Times of London ein zweites Zitat, das seither die Runde macht. Auf die Frage nach dem roten Faden seines Werks antwortete er, jedes Mal mache man sich angreifbar, er habe sich nie wiederholt und sei häufig dem Spiel voraus gewesen. Und wer dem Spiel voraus sei, sei ein Influencer. Also, so Scott laut Variety: Er sei kein Filmemacher, er sei ein Influencer.
Der Satz ist kokett, aber er hat einen ernsten Unterbau. Im selben Gespräch begründete Scott, warum er überhaupt noch dreht: Alles drehe sich inzwischen um ein ermordetes Mädchen im Wald, um einen FBI-Agenten, der besser ist als alle anderen, oder um einen Superhelden. Es müsse doch andere Geschichten zu erzählen geben. Aus dieser Ungeduld heraus, deutete er an, sei sein aktueller Endzeitfilm entstanden.
Was als Nächstes kommt
Ans Aufhören denkt er ohnehin nicht. Im November beginnt der Dreh zu seiner Verfilmung von „Treasure Island”: Hugh Jackman spielt Long John Silver, als Jim hat Scott Owen Cooper besetzt, den jungen Hauptdarsteller aus der Serie Adolescence. Hugh Grant würde er gern als Squire Trelawney sehen — das ist bislang ein Wunsch, keine Bestätigung. Auf seiner Liste stehen außerdem weiterhin ein Western, ein Musical und ein Film über den afrikanischen Elefanten.
Im selben Monat bekommt Scott bei den Governors Awards einen Ehren-Oscar, gemeinsam mit Glenn Close und Floyd Norman, dem ersten schwarzen Animator bei Disney. Und im Kino läuft er ohnehin gerade: Sein Endzeit-Thriller „Das Ende der Sterne” mit Jacob Elordi, Margaret Qualley und Josh Brolin ist seit dem 27. August im Verleih — unsere Einordnung zum deutschen Kinostart.
Bei Google bevorzugen scifiscene.de bei Google bevorzugen Lege uns als bevorzugte Quelle fest – und sieh unsere Sci-Fi-News bei Google-Suchen ganz oben. Jetzt bevorzugen