Besser als das MCU? Warum 'Invincible' das Superhelden-Genre rettet

Besser als das MCU? Warum 'Invincible' das Superhelden-Genre rettet

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26.02.2026 05:33 Uhr

Während das MCU und DCU mit der 'Superhero Fatigue' kämpfen, zeigt Invincible auf Prime Video, wie modernes Storytelling aussieht: Brutal, konsequent und ohne Angst vor echten Gefühlen.

Kein Genre hat die letzten zwei Jahrzehnte so dominiert wie der Superheldenfilm. Das Duell zwischen Disneys Marvel Cinematic Universe (MCU) und Warner Bros.' DC-Output hat eine ganze Ära geprägt. Doch Hand aufs Herz: Fühlt sich mittlerweile nicht alles ein wenig gleich an? Während die Kino-Giganten mit sinkenden Einspielergebnissen und kreativer Müdigkeit kämpfen, hat sich auf Prime Video ein Herausforderer etabliert, der sie in Sachen Qualität längst überflügelt hat: „Invincible”.

Ohne das Marketing-Budget eines Avengers-Films und ohne Hollywood-A-Lister im Live-Action-Cast erzählt das animierte Meisterwerk einfach die bessere Geschichte. In einer Zeit, in der die Diskussion um die 'Superhelden-Müdigkeit' immer lauter wird, beweist die Serie über drei Staffeln hinweg beeindruckende Konsistenz. Sie zeigt uns, wie das Genre sein sollte: scharfkantig, ehrlich und emotional wuchtig.

Moderne Tropen statt alter Klischees

Auf den ersten Blick wirkt die Story um Mark Grayson (im Original gesprochen von Steven Yeun), der Superkräfte von seinem Vater Omni-Man erbt, wie die typische Coming-of-Age-Heldengeschichte. Doch diese Vertrautheit ist eine Falle. Invincible baut die klassischen Tropen auf – den Teenager-Helden, das Justice-League-ähnliche Team, den gottgleichen Beschützer –, nur um sie dann mit brutaler Konsequenz zu dekonstruieren.

Omni-Man ist eben nicht nur ein 'böser Superman'. Er ist ein Eroberer des Viltrumite-Imperiums, dessen gewaltsame Offenbarung dich als Zuschauer zwingt, die Implikationen unkontrollierter Macht wirklich zu spüren. Und Mark? Sein Weg besteht nicht darin, mühelos den Tag zu retten. Es geht um Trauma, verlorenes Vertrauen und moralische Komplexität. Wenn in dieser Serie gekämpft wird, dann blutet man, und die Kollateralschäden sind keine bloße Statistik im Hintergrund.

Keine Parodie, sondern bitterer Ernst

Wegen der graphischen Gewalt und den harten Tonartwechseln wird Invincible oft vorschnell in die Parodie-Schublade gesteckt – ähnlich wie The Boys. Doch das ist ein Missverständnis. Parodie würde bedeuten, dass die Serie sich über das Genre lustig macht. Das Gegenteil ist der Fall: Robert Kirkmans Comic-Vorlage bei Image Comics nahm ihre Helden immer todernst.

Image Comics steht für Creator-Ownership und kreative Freiheit, fernab vom ständigen 'Reset-Button' der Mainstream-Universen. Die Prime Video Adaption ehrt diesen Geist. Hier haben Tode Bedeutung, Beziehungen verändern sich dauerhaft und Omni-Mans Verrat wird nicht mit einem Augenzwinkern abgetan, sondern in seiner vollen emotionalen Zerstörungskraft ausgekostet. Die Serie respektiert dich als Zuschauer genug, um das Genre tiefgründig zu erforschen, statt es nur niederzureißen.

Die Anime-Lektion für Hollywood

Vielleicht ist es gerade der Verzicht auf Live-Action, der Invincible so stark macht. Die Serie nutzt ihre Animation, um kosmische Schlachten und groteske Transformationen darzustellen, die im Realfilm jedes Budget sprengen oder nach billigem CGI aussehen würden. Zudem orientiert sich das Storytelling eher an Animes: Lange Handlungsbögen dürfen sich entfalten, Charaktere wachsen über Staffeln hinweg, statt in einen zweistündigen Blockbuster gepresst zu werden.

Während Disney und Warner Bros. versuchen, ihre Formeln zu retten, liefert Invincible die Blaupause für die Zukunft: Respektiere die Vorlage, trau dich an langfristige Konsequenzen und setze auf Inhalt statt reines Spektakel. Wenn du wissen willst, wo das Herz des Superhelden-Genres heute schlägt – es ist nicht im Kino, es ist auf deinem Streaming-Screen.