Doctor Who: BBC Studios will die Serie mit bis zu zwei eigenen Firmen zurückholen
BBC Studios bewirbt sich voraussichtlich mit einer, vielleicht zwei eigenen Firmen um die nächste Doctor-Who-Staffel. Scripted-Chef Jamie Hall will die Serie zurück ins Haus holen – und zum Kern der Tennant- und Smith-Jahre.
Das Rennen um die Zukunft von Doctor Who nimmt Gestalt an – und die BBC-eigene Produktionstochter will es selbst gewinnen. BBC Studios wird sich voraussichtlich mit einer, möglicherweise sogar mit zwei eigenen Produktionsfirmen um den Auftrag für die nächste Staffel bewerben. Das hat Jamie Hall, der Chef der Scripted-Sparte von BBC Studios, Deadline in einem Exklusivinterview gesagt.
BBC Studios will die Serie zurück ins eigene Haus holen
„Wir haben wahrscheinlich eine, potenziell zwei Firmen”, die sich um den Millionenauftrag bewerben, so Hall. Welche das sind, verriet er nicht, er hätte aber „hundertprozentig” nichts dagegen, wenn mehr als eine ins Rennen geht. Zuvor hatte bereits BBC-Studios-Chef Tom Fussell angekündigt, man werde sich „mit Begeisterung” bewerben. Hall wird deutlicher: Doctor Who gehöre in die BBC, und die gesamte Gruppe solle „die Früchte ernten”. Nach zwei Staffeln mit Ncuti Gatwa, produziert von der zu Sony gehörenden Firma Bad Wolf, käme die Serie damit zurück ins eigene Haus – dorthin, wo sie vor Bad Wolf entstanden ist.
Zu BBC Studios gehören neben der hauseigenen Drama-Abteilung mehrere Produktionsfirmen, darunter Clerkenwell Films („Baby Reindeer”), Lookout Point („Happy Valley”) und House Productions („Sherwood”). Hall räumt ein, dass die Bewerbung für die Firmen „ein ziemlich aufwendiges Unterfangen” sei, das viel Geld koste – er müsse darauf achten, dass sie nicht vom Tagesgeschäft ablenke. Konkurrenz ist bereits in Sicht: World Productions, die zu ITV Studios gehörende Firma hinter „Line of Duty”, hat über ihren Chef Simon Heath schon früher Interesse signalisiert.
Auch inhaltlich hat Hall eine Vorstellung. Er wünscht sich eine Rückkehr zu dem, was die Serie in der Zeit von David Tennant und Matt Smith ausgemacht habe: „Es gibt die Chance, zum Kern dessen zurückzukehren, was die Serie damals geboten hat.” Dass Doctor Who zwei bis drei Jahre vom Bildschirm verschwindet, sieht er nicht als Nachteil – das Publikum bekomme so eine Pause, um die Serie neu zu entdecken, während zugleich neue Zuschauer dazukämen.
Was die Ausschreibung verlangt
Welche Bedingungen die BBC an die nächste Staffel stellt, steht in der Ausschreibung, die der Sender Mitte September veröffentlicht hat. Sie legt zum ersten Mal offen, wie die Serie nach dem Bruch der vergangenen Monate aussehen soll.
Der Hintergrund ist bekannt: Showrunner Russell T Davies und die Produktionsfirma Bad Wolf haben die Serie verlassen, der Koproduktionsvertrag mit Disney ist ausgelaufen, und Ncuti Gatwa kehrt nicht als Doctor zurück. Was bislang fehlte, war eine Vorstellung davon, womit die BBC diese Lücke füllen will. Genau das steht in dem Ausschreibungsdokument, über das Deadline zuerst berichtete.
Rückkehr frühestens 2028
Gesucht wird eine „neue Flaggschiff-Staffel” für eine Ausstrahlung in den Jahren 2028 oder 2029. Der Auftrag umfasst eine mehrteilige Staffel samt Specials, und die BBC behält sich die Option auf eine zweite Staffel vor. Zwischen der letzten regulären Folge und dem Neustart liegen damit mindestens drei Jahre – die längste Pause seit der Wiederbelebung der Serie im Jahr 2005.
Auffällig ist, wie wenig die BBC festlegt. Es gibt keine gesetzte Episodenzahl, und der Sender lässt offen, ob die Staffel durcherzählt wird oder auf abgeschlossene Folgen setzt. „Wir sind flexibel, wie die Serie strukturiert ist”, heißt es in dem Dokument. Wer sich bewirbt, bringt das Format also selbst mit.
Kein klassisches Showrunner-Modell mehr
Der bemerkenswerteste Satz der Ausschreibung betrifft die Führungsstruktur. Die BBC schreibt, sie suche „nicht notwendigerweise” ein striktes Showrunner-Modell und erwarte, dass in der Produktion auch einzelne Episodenautoren zum Einsatz kommen. Nach zwei Jahrzehnten, in denen die Serie von Davies und Steven Moffat als klar zugeordnete Autorenhandschrift geführt wurde, ist das eine deutliche Kursänderung.
Inhaltlich bleiben die Eckpfeiler stehen. Die Staffel soll „hinter dem Sofa”-Schrecken liefern, Spannung und Gefahr, dabei aber familientauglich bleiben. Bekannte Gegner sind willkommen, die BBC warnt jedoch ausdrücklich davor, sich „übermäßig” auf den vorhandenen Kanon zu stützen: Erwartet werden neue Figuren, neue Aliens und neue Ideen. Mindestens eine Begleiterin oder ein Begleiter mit eigener Biografie, eigenen Beziehungen und eigenem Weg ist Pflicht.
Auch die Bandbreite der Schauplätze schreibt der Sender fest: historische Kulissen, die Gegenwart auf der Erde, fremde Welten und ferne Zukünfte. Optisch soll die Serie „kinohaft, unverwechselbar und ehrgeizig” wirken – nach eigener Formulierung konkurrenzfähig auf einem hart umkämpften globalen Markt.
Wer der Doctor ist, steht weiter nicht fest
Die größte offene Frage beantwortet das Papier nicht. Gatwas Fünfzehnter Doctor regenerierte sich am Ende von „The Reality War” ausgerechnet in das Gesicht von Billie Piper – offiziell als Sechzehnte Doctor angekündigt wurde sie aber nie. Diese Wendung hängt damit weiter in der Luft, während ein völlig neues Produktionsteam die TARDIS übernehmen soll. Wir hatten die Lage dazu bereits nach Pipers eigener Klarstellung eingeordnet.
Offen ist damit auch, wer die Besetzung überhaupt entscheidet. Wird der Doctor vor der Vergabe feststehen, oder bringt die siegreiche Produktionsfirma ihren eigenen Vorschlag mit? Die Ausschreibung sagt dazu nichts – und genau das dürfte für die Bewerber eine der heikelsten Fragen sein.
Auftrag ohne Rechte – und was das für Bewerber heißt
Die Produktion läuft auf Basis eines Auftragsverhältnisses: Sämtliche Rechte bleiben bei der BBC, BBC Studios behält Vertrieb, Lizenzen, Merchandising und die immersiven Auswertungen. Für die Produktionsfirma bleibt das Honorar und der Name im Abspann. Beim Budget wird die BBC nicht konkret, lädt Bewerber aber ein, „Investitionen Dritter” vorzuschlagen – ein deutlicher Hinweis darauf, dass die Finanzierungslücke nach dem Disney-Ausstieg nicht allein aus dem Sender gestopft wird.
Dass diese Konstruktion nicht überall auf Begeisterung stößt, hatte sich abgezeichnet. Deadline hatte im Frühjahr vier britische Drama-Produzenten befragt; alle äußerten Vorbehalte dagegen, für eine Serie, an der sie keine Rechte halten, erhebliche Ressourcen zu binden. Für eine Tochter wie BBC Studios, die ohnehin Vertrieb und Lizenzen hält, sieht diese Rechnung anders aus. Bevorzugt wird eine Produktion, die sich in Wales qualifiziert – die Serie bliebe damit dort, wo sie seit 2005 entsteht.
Der Zeitplan
Erste Vorschläge müssen bis zum 2. Oktober eingereicht werden. Die Gespräche mit den Bewerbern führt die BBC im Januar 2027, die Vergabe des Auftrags ist für März 2027 vorgesehen. Wer in die engere Wahl kommt, führt vor dem finalen Gespräch noch eine ausführliche Unterredung mit BBC Studios als Vertriebspartner.
Für das deutsche Publikum bleibt damit auch offen, wo die Serie künftig zu sehen sein wird: Der Weg über Disney+ war an den ausgelaufenen Koproduktionsvertrag geknüpft, ein Nachfolger steht nicht fest. Ihr Dokument beendete die BBC mit einem Satz, der als Arbeitsauftrag gemeint sein dürfte: „Seid mutig, habt Spaß.”
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