Fallout: Die Power Armor wiegt 54 Kilo – und genau das soll man ihr nicht ansehen

Fallout: Die Power Armor wiegt 54 Kilo – und genau das soll man ihr nicht ansehen MGM
scifiscene.de bei Google bevorzugen

54 Kilo Rüstung, 30 Zentimeter hohe Blöcke unter den Füßen und keine Sicht unter viereinhalb Metern: Wie die Stunt-Crew von Fallout die Power Armor bewegt – und warum diese Arbeit gerade wieder läuft.

Die Power Armor aus „Fallout” wiegt rund 54 Kilogramm. Wer darin steckt, steht auf 30 Zentimeter hohen Blöcken, sieht nichts, was näher als viereinhalb Meter entfernt ist, und kann sich nicht hinsetzen. Wenn er stürzt, braucht es sechs Leute, um ihn wieder aufzustellen.

Genau diese Arbeit läuft seit Anfang September wieder: Staffel 3 wird derzeit gedreht. Wie man in so einem Anzug eine Actionszene hinbekommt, haben die Beteiligten in den vergangenen Wochen erstaunlich konkret erzählt — die Stunt-Performer Jeremy Fitzgerald und Tim Soergel im Hollywood Reporter, Produktionsdesigner Howard Cummings bei Variety. Zusammengenommen ergibt das eine Antwort auf eine Frage, die man sich beim Zuschauen selten stellt: Was kostet es eigentlich, wenn ein Mensch einen Roboter spielt?

Effektiv auf Stelzen

Fitzgerald und Soergel sind für ihre Arbeit an der dritten Folge der zweiten Staffel für einen Emmy nominiert — für einen Kampf, in dem die beiden gepanzerten Figuren Maximus und Xander einen Securitron-Roboter auseinandernehmen. Fitzgerald doubelt Maximus, Soergel Xander. Die Szene endet damit, dass Fitzgerald dem Roboter einen Schlag mitten in den Bildschirm auf dessen Brust setzt.

Das klingt nach einer normalen Stunt-Aufgabe, bis man die Bedingungen kennt. „Ich bewege mich mit ordentlichem Tempo und habe 30 Zentimeter hohe Blöcke an den Füßen, ich stehe also praktisch auf Stelzen”, sagt Fitzgerald dem Hollywood Reporter. „Ich bin durch das ganze explodierende Büromobiliar gerannt und musste aufpassen, dass ich nicht hinfalle.” Der eigentliche Knackpunkt war aber die Sicht: „Im Anzug zu rennen ist schon schwer genug, aber diesen Schlag perfekt in den Bildschirm zu setzen, während ich nichts sehen konnte, was näher als viereinhalb Meter war — das war hart.”

Was davon auf der Leinwand ankommt, ist nichts. Und das ist der Punkt, der Fitzgerald offenbar am meisten beschäftigt: „Es ist schwer, Leute in den Anzug hineinzuversetzen und zu zeigen, was ich da durchmache. Es geht ums Überleben, und es kostet 300 Prozent zusätzlichen Aufwand, damit es gut aussieht.” Nach einer zweiten Kampfsequenz der Staffel, einem Schlagabtausch mit einem Deathclaw, war er nach eigener Aussage drei Tage außer Gefecht.

Was der Anzug angeblich nicht kann

Keiner der beiden war in Staffel 1 dabei. Sie kamen also zu einem Anzug, den die Effektschmiede Legacy Effects bereits gebaut hatte, und zu einer Liste dessen, was damit angeblich nicht geht. „Es war ein Lernprozess”, sagt Soergel. „Es ging darum, was cool aussieht und was nicht. Jemand hat uns gesagt, wir würden die Arme nicht über den Kopf bekommen.”

Soergel hat das nicht akzeptiert und herausgefunden, dass es mit dem Schwung des Arms doch funktioniert. Was er anschließend daraus gemacht hat, steht so im Interview: „Ich habe das zu meinem Vorteil genutzt und ein bisschen übertrieben gejubelt und die Fäuste in die Luft gerissen, wenn ich andere umgehauen habe.” Das ist die unspektakulärste und zugleich aufschlussreichste Stelle des ganzen Materials — eine Geste, die im fertigen Bild nach Figur aussieht, entstand daraus, dass jemand eine technische Grenze nicht hinnehmen wollte.

Endoskelett, Kühlanzug und ein Stuhl mit Haken

Für die zweite Staffel hat Legacy Effects nachgerüstet, und die Liste liest sich weniger nach Filmset als nach Arbeitsschutz. „Sie haben ein Endoskelett gebaut, das wir unter dem Anzug tragen können, wenn wir lange stehen”, sagt Soergel. „Es nimmt das Gewicht von den Schultern und leitet es auf die Hüften.” Dazu kam ein Kühlanzug, den Fitzgerald als den größten Unterschied beschreibt: Er erlaube deutlich bessere Leistung, man könne länger im Anzug bleiben und an einem Tag mehr schaffen.

Das eigentliche Problem ist banaler. Man kann sich in der Rüstung nicht hinsetzen. Also wurde ein Möbelstück eigens dafür gebaut: „Sie haben außerdem diesen riesigen Stuhl gebaut, dessen Armlehnen Dorne haben, die sich in den Anzug einhaken, wenn wir uns setzen. Er ist ungefähr anderthalb Meter hoch”, sagt Soergel. „So kommen wir durch einen Dreizehn-Stunden-Tag.” Zwischen den Takes helfen Kolleginnen und Kollegen aus dem Cast beim Abnehmen der Helme — eine Pause, die sich der Performer nicht selbst verschaffen kann.

Warum die Welt drumherum wie ein Western aussieht

Eine Ebene darüber sitzt Howard Cummings, der das Produktionsdesign der Serie verantwortet. Staffel 2 verlegt die Handlung nach New Vegas im Jahr 2296 und rückt damit nah an das Spiel Fallout: New Vegas von 2010 — nah genug, dass die Vorlage zur Messlatte wird. Gedreht wurde diesmal in Los Angeles statt wie in Staffel 1 in New York, mit realen kalifornischen Schauplätzen, einem verlassenen Hotel in Baker und viel LED-Volume-Bühne für den nächtlichen Strip.

Die Entscheidung, die den Look der Serie am stärksten prägt, ist aber eine andere: „Und wir haben auf Film gedreht, was ein großer Unterschied ist”, sagt Cummings bei Variety. „Es war ein Weg, damit es weniger nach Video und mehr nach Western aussieht.” Dazu kommt der ständige Abgleich mit dem Spieleentwickler: „Es ist zugleich eine Herausforderung und ein Privileg, die Freiheit zu haben, das Spiel in bestimmte Richtungen zu erweitern — und dann haben wir einen Producer von Bethesda, der mit uns arbeitet und uns Assets zur Verfügung stellt.” Die Deathclaws hat Cummings auf dieser Basis überarbeitet, damit sie gemeiner und weniger albern wirken; Radscorpion und Deathclaw entstehen so weit wie möglich praktisch, mit Puppen und Animatronik.

Das ist derselbe Gedanke wie bei den Anzügen, nur in einer anderen Abteilung: Wenn das Publikum etwas als echt empfinden soll, muss möglichst viel davon tatsächlich vor der Kamera stattfinden — und irgendjemand muss es aushalten.

Und jetzt geht es wieder los

Staffel 3 ist derzeit in Produktion, ein Starttermin steht nicht fest. Gedreht wurde zuletzt im historischen Fox Theatre in Pomona, Kalifornien, das im Bild als Kino in Salt Lake City durchgeht. Setfotos von dort zeigen laut The Direct einen veränderten Walton Goggins: Sein Ghoul trägt ein sichtbar weniger verwittertes Kostüm, blaues Unterhemd, Weste, der bekannte Cattleman-Hut. Ob das der endgültige Look der Figur ist oder nur der Aufzug ohne Mantel, ist offen — bestätigt hat das niemand. Alle bisherigen Folgen samt Episodenübersicht findest du auf unserer Serienseite zu Fallout.

Für die Leute in der Power Armor ändert das wenig. Die Blöcke sind wieder 30 Zentimeter hoch, die Sicht endet wieder bei viereinhalb Metern, und der anderthalb Meter hohe Stuhl mit den Haken steht wieder am Rand des Sets. Was dabei herauskommt, wird man in Staffel 3 wie immer nicht sehen — nur, dass es leicht aussieht.

Bei Google bevorzugen scifiscene.de bei Google bevorzugen Lege uns als bevorzugte Quelle fest – und sieh unsere Sci-Fi-News bei Google-Suchen ganz oben. Jetzt bevorzugen

Darum geht's