Resident Evil: Austin Abrams erklärt das Ende – und nennt es tragisch

Resident Evil: Austin Abrams erklärt das Ende – und nennt es tragisch Columbia Pictures.
scifiscene.de bei Google bevorzugen

Zach Creggers Resident Evil hielt sein Ende bis zum Kinostart unter Verschluss. Jetzt spricht Austin Abrams darüber: über die Verwandlung, die Bryans Opfer zunichtemacht, über Creggers knappste Regieanweisung und über eine Stimme am Telefon.

Zach Creggers „Resident Evil” läuft seit Donnerstag, dem 17. September 2026, in den deutschen Kinos – und damit ist auch das Ende draußen, das Sony monatelang unter Verschluss gehalten hatte. Hauptdarsteller Austin Abrams hat jetzt gegenüber Variety darüber gesprochen: über die Verwandlung, die seine Figur am Schluss durchmacht, über die Regieanweisung dahinter und darüber, warum er den Schluss für tragisch hält.

Der Film erzählt eine eigenständige Geschichte mit Anspielungen auf die Spiele, keine Nacherzählung. Im Zentrum steht Bryan, ein Kurierfahrer, der eine letzte Lieferung annimmt, bevor er zu seiner schwangeren Freundin zurückwill. Wer den Film noch nicht gesehen hat, sollte die nächsten beiden Abschnitte überspringen.

Achtung, Spoiler: Die folgenden beiden Abschnitte verraten das Ende von „Resident Evil”. Danach geht es spoilerfrei weiter.

Bryan wird zum Monster – und macht alles zunichte

Auf dem Weg nach Raccoon City wird Bryan gebissen und verschweigt die Wunde. Er erreicht das Krankenhaus, kommt aber nicht mehr dazu, das Gegenmittel einzusetzen, das er die ganze Zeit transportiert hat. Stattdessen verwandelt er sich im Labor der Umbrella Corporation in ein riesiges, von Tentakeln durchzogenes Wesen und zerreißt die Wissenschaftler, die den Ausbruch stoppen wollten. Am Ende steht das Monster auf dem Dach der Klinik, während ein Militärhubschrauber auf es anlegt.

Abrams sagt, er habe beim Lesen des Drehbuchs nicht damit gerechnet – und genau das schätze er an Creggers Arbeit: Der Regisseur sei bereit, die Figur zu töten, der man den ganzen Film über gefolgt ist, und sie obendrein alles zerstören zu lassen, wofür sie gekämpft hat. Überraschend sei das gewesen und auch tragisch: Alles, was Bryan durchmache, die Veränderung, die er durchlaufe, sein Verhältnis zu seiner Freundin, all diese Aufopferung – im Grunde sei das alles umsonst.

Zugleich erzähle der Schluss, warum das Virus überhaupt nach draußen gelangte, obwohl es die Möglichkeit gab, den Ausbruch zu beenden. Als Ursprungsgeschichte finde er das stark. Ob Bryan die Konfrontation mit dem Hubschrauber überlebt und ob daraus ein zweiter Film entstehen könnte, lässt der Schauspieler offen: Er wolle keine Theorien in die Welt setzen, am Ende solle das passieren, was der Geschichte am besten diene.

„Mehr Monster” – wie die Verwandlung entstand

Technisch ist die Kreatur eine Mischform. Ein Kostüm dieser Art zu bauen wäre schwierig gewesen, sagt Abrams; gearbeitet wurde deshalb zu großen Teilen mit Bewegungsaufzeichnung, ergänzt um Auflagen im Gesicht. Wie viel von ihm am Ende im fertigen Bild steckt, weiß er selbst nicht genau – die Bewegungen hat er aber vollständig gespielt.

Creggers Regieanweisungen fielen entsprechend knapp aus. Man fühle sich bei so etwas wie ein Idiot, erzählt Abrams, aber je weniger man sich darauf einlasse, desto dümmer sehe es aus – also gehe man aufs Ganze. Vom Regisseur sei vor allem ein Wort gekommen: mehr Monster. Mehr Gebrüll, unheimlicher, weitermonstern, nicht aufhören zu monstern.

Dieselbe Haltung beschreibt er für Bryans Schreie, die im Film so oft komisch wie erschreckend wirken. Eine Methode habe dahinter nicht gestanden – eher das Gegenteil: alle Hemmungen fallen lassen und gar nicht erst versuchen, dabei gut auszusehen oder zu klingen. Man wisse vorher nicht, was herauskomme, und das solle man auch nicht wissen.

Ein Detail am Rande: Bryans schwangere Freundin Michelle ist im ganzen Film nie zu sehen, nur am Telefon zu hören. Beim Dreh las eine andere Person die Zeilen ein, weil die Sprecherin nicht am Drehort war und eine Telefonschaltung zu unzuverlässig gewesen wäre. Im fertigen Film ist es nach Abrams’ Kenntnis Creggers Ehefrau Sara Paxton – als Easter Egg, das der Regisseur selbst eingebaut hat.

Ende der Spoiler.

Der gefährlichste Dreh des Films

Schon vor dem Start hatte Abrams gegenüber Deadline jene Sequenz beschrieben, in der Bryan eine verschneite Straße hinunterrennt, während Zombies von den Dächern springen und neben ihm auf dem Asphalt aufschlagen. Cregger selbst hatte die Szene im Sommer als die gefährlichste der gesamten Produktion bezeichnet: Ein Fehltritt hätte tödlich enden können. Abrams’ eigene Schilderung fällt nüchterner aus – und ist gerade deshalb unangenehmer zu lesen.

Beklemmend sei das gewesen, sagt er. Er habe in einem bestimmten Tempo losrennen müssen, damit die Einstellung aufgeht, und dabei auf keinen Fall ausrutschen dürfen. Der Boden sei nass gewesen, eine Mischung aus echtem und künstlichem Schnee, dazu Turnschuhe ohne Profil – und ringsum Körper, die aus mehreren Metern Höhe einschlugen. Zum einen wolle man die Einstellung nicht vermasseln, zum anderen dürfe man keine falsche Bewegung machen, sonst gehe etwas schief. Jedes Mal aufs Neue sei das ziemlich beängstigend.

Es war nicht der einzige Zwischenfall: Bei einem anderen Dreh in einem Aufzugschacht zog sich Abrams eine Platzwunde am Kopf zu. Genau eine Einstellung hat er nicht selbst gespielt – den Sprung vom Dach des Farmhauses. Dafür kam ein Stuntdouble, das den Fall ohne Drähte nahm und sich dabei das Steißbein übel anschlug. Alles andere, sagt Abrams, sei ihm wichtig gewesen selbst zu machen.

Gedreht wurde in Prag und in Nordtschechien, und die Kälte gehörte zum Programm: An manchen Tagen fror der Regen auf der Jacke zu einer Eisschicht fest, an anderen fiel echter Schnee – die Bilder am Farmhaus sind fast vollständig damit entstanden. Am härtesten traf es nach seiner Darstellung nicht ihn, sondern die Darstellerin der Fußgängerin, die im Sommerkleid mehrfach im Schnee liegen musste. Die blutigste Szene war die im Kreißsaal: Dort sei kein Teil von ihm mehr ohne Blut und Schleim gewesen.

Vor diesem Projekt war Abrams mit den Spielen und den früheren Filmen gar nicht vertraut – nach eigener Aussage nicht aus Ablehnung, sondern weil ihm das Genre schlicht zu unheimlich war. Für Cregger stand er schon in „Weapons” vor der Kamera; dass der Regisseur ihm diesen Film anvertraute, nennt er den eigentlichen Grund für seine Zusage.

Was die Kritiker schreiben

Bei Rotten Tomatoes steht der Reboot bei 96 Prozent auf der Kritikerseite und bei 91 Prozent beim Publikum. Für eine Videospielverfilmung ist das ein Ausreißer nach oben. Constantin Film hat den Neustart des Franchise nicht nur produziert, sondern bringt ihn hierzulande auch selbst in den Verleih; in den USA lief er einen Tag später an.

Frank Scheck hebt im Hollywood Reporter Austin Abrams hervor: Dessen Reiz als Jedermann-Held, der sich irgendwie durch jedes Hindernis schlägt, sei ein Schlüssel zum Gelingen des Films. „Resident Evil” sei voller barocker Splattereffekte und wild ausgedachter Set-Pieces in hohem Tempo und wachse damit über seine simple Prämisse hinaus.

Brandon Yu lobt in der New York Times vor allem den Ton: ein Thriller, der so komisch wie schreckhaft sei. Cregger setze Komik nicht als Reflex ein, sondern als Werkzeug — wenn Horror aus Anspannung und Entladung bestehe, sehe er das Lachen wie den Schrei. Funktionieren könne das nur wegen Abrams: Der Film sei im Kern eine Ein-Mann-Vorstellung.

Nicht alle sind restlos überzeugt. Jesse Hassenger schreibt im Guardian, „Weapons” habe seine Wirkung gerade aus der Weigerung bezogen, sich auf eine einfache Deutung festlegen zu lassen — hier sei das weniger der Fall. Cregger arbeite über 90 Minuten daran, dass man mit Bryan mitgehe, lasse die Figur dann aber ein Stück vor dem Ziel stehen. Tom Jorgensen empfiehlt bei IGN gerade den Skeptikern, ihre Erwartung an eine „richtige” Resident-Evil-Verfilmung beiseitezulegen: Cregger adaptiere den Geist der Spiele, nicht ihren Buchstaben.

Ein Kurierfahrer, ein Paket, eine Nacht

Die Handlung hat mit den Alice-Filmen von Paul W. S. Anderson nichts mehr zu tun. Im Zentrum steht Bryan, ein Kurierfahrer, der einen scheinbar harmlosen Auftrag annimmt: die Lieferung eines biomedizinischen Pakets. Was wie ein gewöhnlicher Arbeitstag beginnt, kippt innerhalb einer einzigen Nacht – kein Ausweg, kein Rückweg, so beschreibt es Constantin Film in der offiziellen Ankündigung.

Austin Abrams spielt Bryan. An seiner Seite stehen Paul Walter Hauser, Zach Cherry, den du aus „Fallout” und „Severance” kennst, Kali Reis und Johnno Wilson. Regisseur Zach Cregger hat den Ansatz mehrfach als Horror statt Action beschrieben: keine choreografierten Zombie-Ballette, sondern eine Nacht, die sich um die Figuren zuzieht.

Resident Evil – offizieller Trailer von Constantin Film

Cregger nach „Barbarian” und „Weapons”

Zach Cregger ist der eigentliche Grund, warum dieser Reboot anders beobachtet wird als der letzte. 2022 landete er mit „Barbarian” einen Überraschungserfolg, der Horrorfans vor allem deshalb im Gedächtnis blieb, weil der Film seine Regeln mitten im Lauf umwarf. Mit „Weapons” legte er nach; TheWrap führt den Film als oscarprämierte Vorgängerarbeit, an die „Resident Evil” direkt anschließt.

Das Drehbuch hat Cregger gemeinsam mit Shay Hatten geschrieben, der zuvor an „John Wick: Kapitel 4” und an Zack Snyders „Army of the Dead” beteiligt war. Produziert wird der Film von Constantin Film zusammen mit Vertigo Pictures, PlayStation Productions, Columbia Pictures und Davis Films; unter den Produzenten stehen Robert Kulzer, Cregger selbst, Roy Lee und Miri Yoon, als Executive Producer unter anderem Oliver Berben und Victor Hadida.

Nach den Testvorführungen flogen die Witze heraus

Eine Woche vor dem deutschen Start hat Cregger dem Hollywood Reporter erzählt, was die Testvorführungen am Film verändert haben – und es ist die größte Eingriffsstelle, von der bislang bekannt ist. Das Publikum habe den Film gemocht, ihn aber für zu komisch gehalten. „Im Laufe meiner Tests habe ich so viele Witze herausgenommen, wie es nur ging”, sagt Cregger. Danach habe nicht nur das Publikum den Film mehr gemocht, sondern er selbst auch: Ein wenig Humor reiche in einem Horrorfilm weit, und es gebe keinen einzigen gestrichenen Gag, den er vermisse.

Für Cregger ist das eine bemerkenswerte Kurskorrektur. „Barbarian” und „Weapons” lebten gerade davon, dass Schrecken und Komik sich gegenseitig nicht im Weg standen; bei „Resident Evil” hat sich dieses Verhältnis in den Tests als schiefer erwiesen als gedacht. Wer den Regisseur für seine Gratwanderung schätzt, bekommt hier also den härteren Cregger – nach eigener Aussage ohne Verlust.

Keine Figuren aus den Spielen – und Creggers erstes und letztes Franchise

Im selben Gespräch bestätigt Cregger, was Teile der Fangemeinde seit Monaten kritisieren: In seinem Film kommt keine der bekannten Spielfiguren vor, auch Leon S. Kennedy nicht. Er unterscheidet zwei Sorten Fans – solche, die wie er das Spielgefühl lieben, und solche, die an Lore, Figuren und Details der Vorgeschichte hängen. Für die zweite Gruppe habe sein Film wenig zu bieten, und das wisse er. „Wenn ich versuchte, allen zu gefallen, würde ich am Ende niemandem gefallen”, sagt er.

Den Gegenwind nimmt er hin, überrascht ist er nicht: Er habe gewusst, worauf er sich einlässt, und wolle jetzt nicht so tun, als träfe ihn das Erwartbare unerwartet. Folgen hat der Streit trotzdem. Cregger hat bereits erklärt, „Resident Evil” werde das erste und letzte Franchise bleiben, das er anfasst; wie groß der Appetit auf Geschichten mit den Altbekannten ist, habe er unterschätzt. Sein nächster Film ist wieder ein eigener Stoff: das von Steven Spielberg produzierte Science-Fiction-Projekt „The Flood”.

Dritte Person wie im Spiel

Formal lehnt sich der Film an die Vorlagen an, ohne sich an sie zu fesseln. Die vorherrschende Bildsprache ist die Third-Person-Perspektive, die die Spiele seit „Resident Evil: Afterlife” prägt; Cregger wechselt aber von Moment zu Moment in die erste Person und in die klassische Auflösung. Regeln habe er sich dafür keine gesetzt, sagt er – entschieden habe er jede Einstellung danach, was der Szene gerecht wird.

Gedreht wurde unter erschwerten Bedingungen – nachts, im Schnee Nordtschechiens, mit Schneespuren, die jede zweite Aufnahme verkomplizierten. Cregger selbst war die komplette Produktion über krank: in der ersten Hälfte mit einer Lungenentzündung, in der zweiten mit einer bakteriellen Darminfektion.

Der dritte Anlauf für die Kino-Reihe

Für die Marke ist es der dritte Anlauf im Kino. Nach den sechs Milla-Jovovich-Filmen zwischen 2002 und 2016 versuchte sich 2021 „Resident Evil: Welcome to Raccoon City” an einer werktreueren Lesart und blieb kommerziell blass; parallel lief bei Netflix eine Serienadaption, die es nur auf eine Staffel brachte. Welche Filme in welcher Reihenfolge zusammengehören, findest du in unserer Übersicht zur Resident-Evil-Filmreihe.

Dass Constantin Film diesmal selbst produziert und verleiht, ist dabei keine Randnotiz: Die Münchner halten die Filmrechte am Franchise seit dem ersten Teil und haben jede Kinoverwertung mitverantwortet. Der Reboot ist damit weniger ein Bruch mit der Vergangenheit als ein Neustart unter denselben Rechteinhabern – nur mit einem Regisseur, der aus dem Independent-Horror kommt statt aus dem Action-Fach.

Bei Google bevorzugen scifiscene.de bei Google bevorzugen Lege uns als bevorzugte Quelle fest – und sieh unsere Sci-Fi-News bei Google-Suchen ganz oben. Jetzt bevorzugen

Darum geht's