Harry-Potter-Serie: Lucius Malfoy taucht schon in Staffel 1 auf
Gut hundert Tage vor dem Serienstart: Johnny Flynn gibt Lucius Malfoy eine Vorgeschichte als Mobbingopfer und bestätigt, dass die Figur schon in Staffel 1 auftaucht. Gary Oldman erwartet eine Adaption Wort für Wort.
Gut hundert Tage vor dem Start der HBO-Serie „Harry Potter” wird sichtbar, wie stark sich die Neuverfilmung von den Kinofilmen lösen will. Johnny Flynn, der Lucius Malfoy spielt, hat der britischen Programmzeitschrift Radio Times erzählt, mit welcher Vorgeschichte er die Figur anlegt – und dabei nebenbei bestätigt, dass Lucius bereits in der ersten Staffel auftaucht. In den Büchern betritt er die Bühne erst im zweiten Band.
Ein Mobbingopfer, das zum Täter wurde
Flynn beschreibt Lucius nicht als geborenen Schurken, sondern als jemanden, der die Rolle gelernt hat. Der Malfoy-Patriarch sei selbst eines der Kinder gewesen, die in der Schule schikaniert wurden, und daraus zum Schikanierenden geworden – er kenne es schlicht nicht anders. So wolle er ihn spielen, sagt Flynn, weil er solche Menschen gut kenne: Auf der einen Seite seien es diejenigen gewesen, die ihn selbst gemobbt hätten, die Täter also; an irgendeinem Punkt seien sie aber die Gequälten gewesen. Niemand auf der Welt sei ganz gut oder ganz böse.
Das ist ein anderer Zugriff als der von Jason Isaacs, dessen Lucius in den Filmen vor allem aus Arroganz, langem blondem Haar und Verachtung bestand – eine Figur ohne erkennbaren Innenraum, was in einem Dreistundenfilm auch schwer anders geht. Wie Flynns Lucius aussehen wird, ist offen: HBO hat bislang weder ein Bild von ihm gezeigt noch verraten, ob das Kostüm sich an Isaacs orientiert. Auch für Narcissa Malfoy, im Kino von Helen McCrory gespielt, ist bisher niemand besetzt.
Malfoy Manor kommt sechs Bände zu früh
Dass Lucius schon im Auftakt vorkommt, ist keine Marginalie, sondern die erste greifbare Strukturänderung gegenüber der Vorlage. Lox Pratt, der Draco Malfoy von Tom Felton übernimmt, hatte bereits früher im Jahr angekündigt, dass die erste Staffel einen Blick auf Malfoy Manor und Dracos Erziehung wirft. Im Buchbestand wird das Anwesen erst im siebten Band gezeigt.
Der Effekt ist absehbar: Draco ist in Band eins eine reine Reibungsfigur, ein arrogantes Kind, dessen Motive niemand kennt. Wer das Elternhaus mitliefert, macht aus dem Störenfried von Anfang an eine Figur mit Herkunft – und legt den Bogen an, der über sieben Staffeln zu Dracos Zerrissenheit führen soll. Genau diese Art von Vorarbeit war in den Filmen nicht möglich, weil sie in der Laufzeit als Erstes wegfällt.
Gary Oldman rechnet mit einer Adaption Wort für Wort
Der Zweite, der sich in dieser Woche geäußert hat, hat mit der Serie nichts zu tun – aber acht Jahre lang mit dem Stoff. Gary Oldman, der Sirius Black in vier Filmen spielte, sagte gegenüber Entertainment Weekly, er halte die Serie für die befriedigendere Fassung. Man habe für die Filme viel streichen müssen und sie trotzdem nur auf rund drei Stunden gebracht; dabei sei eine Menge Figurendetail geopfert worden. Die Serie werde die Bücher „so ziemlich Wort für Wort” umsetzen, und das wäre aus Zuschauersicht befriedigender.
Oldman hat sich schon früher darüber beklagt, dass Sirius im Kino zu wenig Raum bekam – er tauche auf und gehe dann durch den Torbogen. Nach seinem Auftritt in „Harry Potter und der Gefangene von Askaban” blieben ihm überwiegend Kurzauftritte. Wer ihn in der Serie beerbt, ist übrigens noch offen: HBO hat die Rolle des Sirius Black bis heute nicht besetzt, was zum Zeitplan passt, denn die Figur wird erst für die dritte Staffel gebraucht.
Wo die Serie gerade steht
Die erste Staffel ist abgedreht und verfilmt „Der Stein der Weisen”. Neben Dominic McLaughlin als Harry, Arabella Stanton als Hermine Granger und Alastair Stout als Ron Weasley stehen John Lithgow als Albus Dumbledore, Janet McTeer als Minerva McGonagall, Paapa Essiedu als Severus Snape, Nick Frost als Rubeus Hagrid und Rory Wilmot als Neville Longbottom vor der Kamera. Die zweite Staffel, die den zweiten Band adaptiert, ist in der Vorproduktion in den Leavesden Studios bei London.
Der Start ist der 25. Dezember 2026 bei HBO und HBO Max. Für Zuschauer in Deutschland heißt das: Die Serie kommt zu Weihnachten, und wenn sie hält, was Flynn und Pratt andeuten, dann nicht als Nacherzählung der Filme, sondern als die ausführliche Fassung, für die im Kino nie Platz war. Ob das über sieben Staffeln trägt, ist die eigentliche Frage – Werktreue ist ein Versprechen, das sich leichter geben als einlösen lässt.
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