Lanterns: James Gunn verteidigt Hal Jordans Tod gegen die Kritik
Nach Folge 6 wächst die Kritik an Hal Jordans frühem Tod. James Gunn antwortet den Kritikern persönlich: Kyle Chandlers Hal habe in der Serie mehr Live-Action-Zeit als in seiner gesamten bisherigen Geschichte zusammen.
Die Kritik an Hal Jordans Tod in „Lanterns” ist nach Folge 6 lauter geworden — und James Gunn hat darauf persönlich geantwortet. Der Co-Chef von DC Studios weist den Vorwurf zurück, die Serie habe ihre Hauptfigur verheizt: Kyle Chandlers Hal sei der Star der Serie und in jeder bisherigen Folge zu sehen.
Die Folge trägt den Originaltitel Bad Optics, lief in den USA am Sonntagabend, dem 20. September 2026, und ist in Deutschland seit Montag, dem 21. September, bei HBO Max abrufbar. Ab hier stehen Spoiler zu Folge 6.
Gunn antwortet einem Kritiker direkt
Auslöser war ein Nutzerkommentar, der Gunn vorwarf, die Figuren nicht zu respektieren, die die Comics groß gemacht haben: Hal nach fünfzehn Jahren Wartezeit sofort zu töten, sei das Schlechteste gewesen, was man habe tun können. Die Antwort kam umgehend. Hal sei der Star der Serie und bislang in allen Folgen zu sehen — das sei mehr Live-Action-Zeit, als die Figur in ihrer gesamten bisherigen Geschichte zusammengenommen bekommen habe. Kyle Chandler sei großartig in der Rolle.
Den Kern seiner Entgegnung formuliert Gunn als Unterscheidung: Den Zeitpunkt von Hals Tod zu kennen — wenn es denn genau das sei — sei nicht dasselbe, wie die Figur sofort abzuservieren. Man respektiere Hal nicht nur, man liebe ihn mitsamt seiner Fehler; er sei ein wesentlicher Grund dafür, dass die Serie bei Fans wie Nichtfans so gut ankomme. Der Einschub „wenn es denn genau das ist” ist dabei der bemerkenswerte Teil: Gunn lässt offen, ob das, was die Serie als Hals Tod zeigt, am Ende auch einer bleibt.
Chandler selbst hat über den Tod gejubelt
Der Darsteller sieht es anders als die Kritiker. Nach Folge 1 sagte Kyle Chandler gegenüber Deadline, er habe bei der Enthüllung gejubelt — nicht nur wegen des Handlungsstrangs, sondern weil es ein großartiger Weg sei, eine erste Episode zu beenden. Hals Tod öffne das Rätsel der ganzen Serie; die komplette Suche bestehe darin, herauszufinden, was passiert ist.
Das nicht-lineare Erzählen beschreibt er als dreidimensionales Schach: Habe man erst alle Seiten an der Wand hängen und wisse, wo welche Szene sitzt, könne man mit dem Material spielen, Dinge anders enthüllen und als Schauspieler Ostereier auslegen. Praktisch heißt das, dass Chandler auch als Toter nicht aus dem Rennen ist — über das Hologramm aus Folge 6 und mögliche Rückblenden bleibt die Figur verfügbar. Eine zweite Staffel ist weiterhin nicht bestellt.
Was Folge 6 für „Man of Tomorrow” aufbaut
Folge 6 ist die erste Episode, die vollständig in der Gegenwartsebene 2026 spielt – und damit der erste Inhalt des DC Universe überhaupt, der zeigt, wie die Welt nach „Superman” aussieht. Zu sehen ist das in einem Verkaufsgespräch: Bei seinem Pitch vor Investoren spricht John Stewart über die Zerstörung in Metropolis und darüber, was Lex Luthors Taschenuniversum dort angerichtet hat. Daraus folgt die Zahl, die die Episode beiläufig fallen lässt – das US-Militär habe Milliarden an Städte ausgeschüttet, damit sie ihre Verteidigung aufrüsten. Genau dieses Geld will John mit den unterirdischen Schutzräumen abschöpfen, die er inzwischen verkauft.
Für „Man of Tomorrow” ist der zweite Teil der Szene der interessantere. Lex Luthor ist nach dieser Darstellung in der Öffentlichkeit ein verhasster Mann – und James Gunns Superman-Fortsetzung setzt darauf auf, dass ausgerechnet er und Superman sich gegen Brainiac zusammentun müssen. Wie Lex aus dem Gefängnis und zurück in die Gesellschaft kommt, ist damit kein Nebenstrang, sondern eine Voraussetzung der Handlung. Die Serie liefert dafür den Stimmungsbericht, den der Film sonst selbst nachholen müsste.
Bemerkenswert ist, dass diese Arbeit ausgerechnet eine Serie übernimmt. „Supergirl” spielt zwar nach „Superman”, gibt über den Zustand der Welt aber nichts preis: Kara Zor-El ist den Großteil des Films außerhalb der Erde unterwegs, und ihre Rückkehr dient einem Gespräch mit Clark Kent, nicht einer Bestandsaufnahme. Folge 6 ist also die erste Stelle, an der das DCU die Folgen seines Startfilms überhaupt aufgreift – gut neun Monate vor dem US-Start von „Man of Tomorrow” am 9. Juli 2027. Ein deutscher Kinotermin steht bislang nicht fest.
Hal Jordan kehrt zurück, aber nicht als Lebender
Hal Jordan ist tot, und Folge 6 lässt daran keinen Zweifel mehr. Die Episode spielt vollständig in der Gegenwartsebene von 2026 und räumt die Rätsel des Auftakts ab: Die blutige Nase, mit der Hal erfroren auf der Tribüne von Rushville saß, stammt von John Stewart selbst – aus einem Treffen im Diner, das John für eine Entschuldigung gehalten hatte. Und der Ring fehlte an Hals Finger, weil die Guardians ihn eingezogen und daraus einen neuen für Guy Gardner geschmiedet haben.
John braucht den Ring trotzdem, um Hals Tod aufzuklären. Was als militärisches Begräbnis gedacht war – Hal im Anzug und mit Ring bestatten –, entpuppt sich als Plan: John hebt das Grab wieder aus, nimmt den Ring an sich und wendet jenen Trick an, den Hal ihm Jahre zuvor beigebracht hat, um mehr Energie aus dem Ring zu holen. Was dabei entsteht, ist ein Abbild von Hal Jordan, das an der Ermittlung teilnehmen kann. Die Serie hat damit ihre Hauptfigur zurück, ohne den Tod zurückzunehmen.
Carol Ferris gibt ihr Debüt im DC Universe
Neben Guy Gardner führt die Episode eine zweite Figur aus den Comics ein, die für Green-Lantern-Leser zum engsten Kreis gehört: Carol Ferris, gespielt von Amie Mackenzie. Sie ist eine von drei Personen, die zu Hals Beerdigung erscheinen – und die Folge deutet eine gemeinsame Vorgeschichte an, die vor der Serienhandlung liegt. In den Comics ist Carol Hal Jordans wichtigste Liebe und wird später selbst zur Heldin: Als Star Sapphire trägt sie einen violetten Ring aus dem Spektrum der Liebe.
Bemerkenswert ist, was die Serie mit der Figur nicht macht. Carol trifft auf Sheriff Kerry, Hals Lebensgefährtin der letzten Jahre, und die Episode baut daraus keinen Konflikt um den Toten. Zuletzt verkörperte Blake Lively die Rolle in Ryan Reynolds' Kinofilm von 2011, der mit dem DCU nichts zu tun hat. Ob Mackenzies Carol über Lanterns hinaus eine Rolle spielt, ist offen – als Star Sapphire wäre sie die naheliegende Gegenspielerin einer möglichen zweiten Staffel.
Sinestro ist aus dem Gefängnis entkommen
Die folgenreichste Information der Episode fällt beiläufig. Guy Gardner erwähnt gegenüber John zwei Dinge, die weit über die Rushville-Handlung hinausweisen: Sinestro ist aus dem Weltraumgefängnis ausgebrochen, in dem er saß – die Serie nennt es scherzhaft nach dem Zauberergefängnis aus „Harry Potter” –, und er spricht die Phantomzone an, jene Dimension, die im DCU seit „Superman” als Gefängnis der Erde eingeführt ist.
Für die letzten beiden Folgen ist das die eigentliche Ansage. Ulrich Thomsen spielt Sinestro, in den Comics das Vorzeigemitglied des Corps, das zum Anführer eines eigenen, gelben Korps wird – der Midseason-Trailer hatte diese Richtung mit gelbem Licht angedeutet, ohne sie auszusprechen. Die Erwähnung der Phantomzone knüpft die Serie zugleich enger an die Kinofilme, als es die ersten fünf Episoden vermuten ließen.
Der Ring wandert weiter – an die dritte Wahl
Am Ende von Folge 5 hatte John Stewart Hal Jordans Ring an sich genommen und ihn dann liegen lassen. Folge 6 zeigt die Konsequenz zehn Jahre später: Die Guardians of the Universe haben den Platz neu besetzt, und zwar mit Guy Gardner. Damit ist er, wie Nathan Fillion selbst vorrechnet, die dritte Wahl auf der Erde – nach Hal Jordan und nach John Stewart.
Fillion sieht darin den Kern der Figur. Den Ring zu tragen und das Amt des Green Lantern zu haben sei für Guys Ego weit wichtiger als für Hal und John, sagt er Variety: Für sein Selbstbild stehe schlicht mehr auf dem Spiel. Einen Chip auf der Schulter habe Guy durchaus, der werde aber davon besänftigt, dass er der Einzige im Raum mit einem Ring sei – ein Status, der ihm ausgezeichnet passe.
Ein Green Lantern mit Energydrink-Vertrag
Der erste Blick auf Guy Gardner in dieser Folge ist kein Auftritt, sondern ein Pappaufsteller: Er steht im Supermarkt von Rushville und bewirbt einen Energydrink. Dazu hat Guy im Ort ein grünes Gegenstück zum Bat-Signal aufgestellt – gegen den Widerstand der Einwohner, die nach der Zerstörung durch Hal und John von Green Lanterns genug haben.
Fillion erklärt das als Mischung aus Eitelkeit und Geschäftssinn. Guy wolle eine eigene Bar eröffnen, sagt er dem Hollywood Reporter, dafür brauche man Geld und dafür einen Sponsor. Guy habe den Finger am Puls von beidem – davon, was es heißt, ein Superheld zu sein, und davon, was es heißt, Geschäftsmann zu sein. Hinter dem Leuchtfeuer stehe zudem ein PR-Team: Über die Konzernverbindung zu Maxwell Lord habe Guy Zugriff auf Krisenberater, und das Signal sei deren Werk.
Es ist die Rolle, die weder Hal noch John je ausfüllen konnten. Hal war als öffentliche Figur zu unberechenbar, John nimmt das Amt zu ernst, um es zu vermarkten. Guy dagegen sieht im Green Lantern eine Marke – und die Zerstörung von Rushville trifft ihn nach Fillions Lesart vor allem als Schaden an dieser Marke. Das nehme er persönlich.
Warum Guy Gardner ausgerechnet John Stewart etwas schuldet
Die entscheidende Szene der Folge spielt im Gefängnis. John Stewart braucht Hal Jordans stillgelegten Ring, und Guy ist der Einzige, der ihn von den Guardians holen kann – als Vorwand soll das Begräbnis dienen. Guy sträubt sich zunächst, bis John den Satz sagt, der die Beziehung der beiden zusammenfasst: Alles, was Guy habe, habe er nur, weil John es nicht genommen habe.
Fillion nennt das einen unangenehmen Gedanken, den Guy aber nicht wegwischen könne – zum ersten Mal in seinem Leben sei er jemandem verpflichtet. Gegenüber TheWrap beschreibt er, wie Guy darauf reagiert: Er springe auf die Gelegenheit an, die Schuld loszuwerden, nach dem Motto „Jetzt sind wir quitt, ich schulde dir nichts mehr”. Ob sich die beiden davor schon persönlich begegnet sind, lässt die Folge offen – Fillion geht davon aus, dass es nicht ihr erstes Treffen ist, Kollegen seien sie aber nie gewesen.
Wo die Figuren 2026 stehen
Weil die Episode vollständig in der Gegenwart spielt, sortiert sie zugleich den Stand aller Beteiligten nach den Ereignissen von Rushville. John Stewart hat den Green Lantern endgültig hinter sich gelassen und arbeitet als Architekt mit seinem Bruder; verkauft werden unterirdische Schutzräume von der Größe eines Footballstadions. Hal Jordan saß nach Folge 5 zehn Jahre im Bundesgefängnis und kam als anderer Mensch heraus.
Danach zog er nach Rushville, um wiedergutzumachen, was seine Zerstörung angerichtet hatte, freundete sich mit Johns Mutter an und begann eine Beziehung mit Sheriff Kerry, die sich von ihrem Mann Billy Macon getrennt hatte. Wer ihn am Ende umgebracht hat, ist weiterhin offen – und ist jetzt der Fall, den Hal in Hologrammform selbst mitermittelt.
Rückblick: Was in Folge 5 geschah
Achtung, Spoiler zu Folge 5. Lights Out löst den Rushville-Strang vollständig auf. Zoe Macon ist der letzte Manhunter, und die Rückblende im Diner zeigt, womit sie eine ganze Kleinstadt an sich gebunden hat: Sie heilt, sie schützt, und im Gegenzug schweigen alle. John erfährt außerdem, dass sie Abin Sur getötet hat – den Green Lantern, dessen Ring an Hal Jordan ging. Am Ende sitzt John mit einem Scharfschützengewehr auf sie an und trifft.
Davor steht die Szene, auf die die Staffel seit Folge 1 zuläuft: Hal und John prügeln sich im Motel, ohne Ringe, als zwei Männer. John gewinnt, nimmt Ring und Laterne an sich – und legt beides bei Lianna hin, bevor er geht. Er will mit dem Corps nichts zu tun haben. Wir haben die Folge in einem eigenen Artikel zur Gotham-Spur um Sheriff Kerry Kane aufgeschlüsselt.
Zwei Folgen bleiben – dann geht es ins Kino
Die erste Staffel umfasst acht Folgen. Nach Bad Optics stehen noch zwei aus: Folge 7 läuft in den USA am 27. September, das Staffelfinale am 4. Oktober, in Deutschland jeweils einen Tag später. Eine zweite Staffel ist weiterhin nicht bestellt – „Lanterns” hat für HBO Max einen der stärksten Serienstarts des Jahres hingelegt, entschieden wird realistisch erst nach dem Finale.
Was der Midseason-Trailer angekündigt hat, ist damit weitgehend eingelöst: Guy Gardners Auftritt steht, Hals Rückkehr in die Gegenwartsebene ist erklärt. Offen bleibt die direkte Begegnung zwischen John und Hal Jordan im Bild sowie Sinestro selbst – nach dem Ausbruch, von dem Guy erzählt, wäre sein Auftritt in den letzten beiden Folgen die logische Zuspitzung.
Der vollständige Midseason-Trailer:
Lanterns – Midseason-Trailer
Guy Gardner im übrigen DC Universe
Fest steht der nächste gemeinsame Termin von Fillion und Aaron Pierre: Beide stehen zusammen in „Man of Tomorrow” vor der Kamera, James Gunns Superman-Fortsetzung für 2027. Fillion deutet gegenüber dem Hollywood Reporter an, worauf der Film hinausläuft – im ersten Film habe man viel darüber gelernt, wer Superman ist, im zweiten werde man mehr darüber erfahren, wer Lex Luthor ist, und das sei genauso wichtig. Über die Green-Lantern-Ebene sagt er, innerhalb des Geheimbunds der Superheldengemeinde gebe es noch einen zweiten, engeren Kreis. Die Serie ist damit kein Nebengleis, sondern die Brücke zum nächsten Kinofilm des Universums.
Dazu kommt ein Auftritt, der bislang wenig Aufmerksamkeit bekommen hat: Fillion hat Guy Gardner bereits für die Animationsserie Mister Miracle eingesprochen, die Lanterns-Mitschöpfer Tom King entwickelt. Fillion, der für sich reklamiert, die meisten Figuren im MCU gespielt zu haben, hält damit nach eigener Rechnung auch den Rekord für die meisten Projekte als eine einzelne DCU-Figur.
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Wer die Figuren einordnen will: Das Profil von Guy Gardner, den Werdegang von Hal Jordan und den Überblick zu den Green Lanterns gibt es auf eigenen Seiten, die Einordnung der Serie in das Universum in unserer Übersicht der DCU-Serien.
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