Die größten MCU Skandale und Kontroversen: Von Terrence Howard bis Jonathan Majors

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Gagenstreit, Rauswürfe, Klagen und ein Schuldspruch: Die größten Skandale rund um Marvel Studios und die MCU-Stars, chronologisch sortiert, von Terrence Howard bis Jonathan Majors.

Das Marvel Cinematic Universe (MCU) gilt als perfekt geölte Maschine, doch hinter den Kulissen ging es seit 2008 immer wieder hoch her: geplatzte Verträge, ausgetauschte Hauptdarsteller, gefeuerte Regisseure und Manager, eine Klage gegen Disney und eine Verurteilung, die die komplette Planung der Multiverse Saga umwarf. Hier findest du die größten Skandale und Kontroversen rund um Marvel Studios und seine Stars, chronologisch sortiert und auf dem Stand von September 2026.

Viele dieser Fälle erklären bis heute Dinge, die dich als Zuschauer vielleicht gewundert haben: warum Rhodey ab „Iron Man 2” ein anderes Gesicht hat, warum der Hulk plötzlich von Mark Ruffalo gespielt wird und warum in „Avengers: Doomsday” nicht Kang, sondern Doctor Doom der große Gegenspieler ist.

Die MCU-Skandale auf einen Blick

2008/09 – Terrence Howard: Gagenstreit, Rhodey wird mit Don Cheadle neu besetzt.

2010 – Edward Norton: Marvel verzichtet öffentlich auf ihn als Hulk, Mark Ruffalo übernimmt.

2015 – Jeremy Renner und Chris Evans: abfälliger Witz über Black Widow, öffentliche Entschuldigung.

2018/19 – James Gunn: wegen alter Tweets gefeuert, acht Monate später wieder eingestellt.

2019 – Sony gegen Disney: Spider-Man droht das MCU zu verlassen, Einigung nach wenigen Wochen.

2020 – Letitia Wright: teilt ein impfskeptisches Video und löscht ihre Accounts.

2020/22 – Evangeline Lilly: verweigert die Selbstisolation und demonstriert gegen Impfpflichten.

2021 – Scarlett Johansson: verklagt Disney wegen des Streaming-Starts von „Black Widow”.

2023 – Jonathan Majors: Festnahme und Schuldspruch, Marvel trennt sich von seinem Kang.

2023 – Ike Perlmutter und Victoria Alonso: zwei Spitzenmanager verlieren binnen weniger Wochen ihre Posten.

2023 – VFX-Teams: Marvels Effekt-Mitarbeiter gründen nach Klagen über Überstunden eine Gewerkschaft.

Terrence Howard als Rhodey „Iron Man” Disney
Terrence Howard als Rhodey „Iron Man”

Der Wechsel von Terrence Howard zu Don Cheadle (2008/09)

Terrence Howard spielte 2008 in „Iron Man” die Rolle des James „Rhodey” Rhodes, trat dann aber ab „Iron Man 2” nicht mehr im MCU auf. Hintergrund war ein Vertragsstreit nach dem Erfolg des ersten Films. Howard war für „Iron Man” als erster großer Name im Cast engagiert worden und erhielt entsprechend die höchste Gage, Berichten zufolge rund 3,5 Millionen US-Dollar und damit deutlich mehr als Robert Downey Jr. (etwa 500.000 US-Dollar). Der Grund für die hohe Gage waren seine Erfolge mit L.A. Crash, Hustle und Flow und Vier Brüder. Für die Fortsetzung wollten die Marvel Studios seine Gage jedoch drastisch kürzen: Laut Entertainment Weekly sollte sein Anteil um 50 bis 80 Prozent sinken. Marvel verwies seinerseits auf das angeblich schwierige Verhalten Howards am Set. Die Verhandlungen scheiterten, und Howard stieg aus.

Marvel besetzte Rhodey mit Don Cheadle neu, der ab 2010 in „Iron Man 2” als War Machine zu sehen war. Howard schilderte den Streit später aus seiner Sicht: Ihm seien in einem Vertrag über drei Filme acht Millionen Dollar für die Fortsetzung zugesagt gewesen, angeboten habe man ihm dann nur eine Million. Und er warf Downey vor, das Geld genommen zu haben, das für ihn bestimmt gewesen sei, und ihn aus der Reihe gedrängt zu haben. Der öffentliche Austausch von Vorwürfen, selten in dieser Deutlichkeit in der Marvel-Welt, machte klar, dass hinter den Kulissen knallhart über Verträge verhandelt wird. Marvel zog aus dem frühen Konflikt offenbar Lehren, denn ähnlich offen ausgetragene Gagenstreitigkeiten mit Schauspielern blieben in den Folgejahren aus.

Edward Norton als Bruce Banner „Der unglaubliche Hulk” Disney
Edward Norton als Bruce Banner „Der unglaubliche Hulk”

Edward Nortons Abschied als Hulk (2010)

Edward Norton verkörperte 2008 in „Der unglaubliche Hulk” den grünen Avenger Bruce Banner, wurde jedoch zwei Jahre später vor „The Avengers” (2012) durch Mark Ruffalo ersetzt. Der Wechsel ging auf kreative Differenzen und Konflikte zwischen Norton und Marvel zurück. Norton, bekannt dafür, an Drehbüchern und Schnitt seiner Filme mitwirken zu wollen, hatte bereits bei „Der unglaubliche Hulk” versucht, das Skript umzuschreiben und mehr Kontrolle zu erlangen. Marvel zeigte sich davon wenig begeistert.

Im Juli 2010 gab Marvel-Studios-Chef Kevin Feige dann überraschend in einem öffentlichen Statement bekannt, man werde Norton in „Marvel's The Avengers” nicht erneut besetzen. Die offizielle Begründung war für Marvels Verhältnisse ungewöhnlich scharf: Die Entscheidung sei „definitiv nicht monetär begründet”, man brauche einen Schauspieler, „der die Kreativität und Kooperationsbereitschaft unserer übrigen Cast-Mitglieder verkörpert”. Diese Formulierung wurde allseits als Seitenhieb auf Nortons als schwierig geltendes Verhalten verstanden. Nortons Agent reagierte verärgert und nannte Feiges Statement „beleidigend” und einen „bewusst irreführenden, unangebrachten” Versuch, seinen Klienten in ein schlechtes Licht zu rücken. Das gesamte Drama spielte sich öffentlich in den Medien ab.

Schließlich gingen beide Seiten getrennte Wege. Mark Ruffalo wurde dauerhaft der neue Hulk-Darsteller, während Norton später versöhnlichere Töne anschlug. Dennoch bleibt dieser Vorfall einer der seltenen Fälle, in denen interne Konflikte bei Marvel offen sichtbar wurden. Viele Fans zeigten sich zunächst skeptisch gegenüber dem Darstellerwechsel, doch Ruffalo gewann schnell breite Akzeptanz, sodass Marvels MCU-Pläne letztlich nicht beschädigt wurden.

Jeremy Renner, Chris Evens und Scarlett Johansson in „Marvel's The Avengers” Disney
Jeremy Renner, Chris Evens und Scarlett Johansson in „Marvel's The Avengers”

Jeremy Renner und Chris Evans’ Black-Widow-Witz (2015)

Während der Pressetour zu „Avengers: Age of Ultron” erlaubten sich Jeremy Renner (Hawkeye) und Chris Evans (Captain America) einen derben Scherz, der schlecht ankam. In einem Interview wurden sie auf Gerüchte angesprochen, Black Widow (Scarlett Johansson) wolle eine Beziehung mit Hawkeye und Captain America. Renner antwortete, die Figur sei „eine Schlampe” („She’s a slut”). Evans brach in Gelächter aus und legte nach: Black Widow sei „eine komplette Hure” („Complete whore”). Dieser abfällige „Witz” über eine Marvel-Superheldin sorgte umgehend für Empörung in sozialen Medien und unter Fans.

Renner und Evans entschuldigten sich im April 2015 öffentlich. Evans erklärte, sie hätten „auf eine sehr kindische und anstößige Art” geantwortet, er bedauere das aufrichtig. Renner nannte die Bemerkung einen „geschmacklosen Witz über eine fiktive Figur”, der nicht ernst gemeint gewesen sei. Der Vorfall zeigte, dass selbst humorig gemeinte Aussagen der Stars während Promo-Interviews große Wellen schlagen und das Studio zur Schadensbegrenzung zwingen können.

James Gunn Marvel
James Gunn

James Gunns Entlassung und Rückkehr (2018/2019)

Im Juli 2018 entließ Disney Regisseur James Gunn, Schöpfer der beliebten Guardians of the Galaxy-Filme, wegen rund zehn Jahre alter Tweets, in denen er extrem geschmacklose Witze über Themen wie Vergewaltigung und Pädophilie gemacht hatte. Die alten Tweets waren von Kommentatoren aus dem rechten Lager ausgegraben worden und lösten Empörung aus. Disney reagierte mit Nulltoleranz und trennte sich öffentlich von Gunn, obwohl dieser sich umgehend entschuldigte.

Die Entscheidung stieß jedoch auch auf Kritik: Viele Fans und die Hauptdarsteller der Guardians stellten sich hinter Gunn. Sie argumentierten, Gunn habe sich längst geändert und die Entlassung sei voreilig gewesen. Tatsächlich führte der massive Zuspruch der Guardians-Fangemeinde und der Crew dazu, dass Disney seinen Entschluss überdachte. In einer für Hollywood seltenen Kehrtwende wurde James Gunn im März 2019 wieder als Regisseur für „Guardians of the Galaxy Vol. 3” eingestellt. Der Fall wurde breit diskutiert: einerseits als Beispiel dafür, dass auch hinter der Kamera strenge Maßstäbe gelten und alte Social-Media-Beiträge Karrieren gefährden können, andererseits als Beleg, dass Disney auf öffentlichen Druck reagiert.

Gunns zwischenzeitliche Entlassung löste eine Debatte darüber aus, inwiefern Cancel Culture und alte Aussagen die Gegenwart bestimmen dürfen. In der Pause drehte Gunn für Warner Bros. „The Suicide Squad”, danach brachte er die Guardians-Trilogie 2023 bei Marvel zu Ende. Seit Ende 2022 leitet er gemeinsam mit Peter Safran die DC Studios und ist damit heute der kreative Kopf der Konkurrenz.

Tom Holland als Spider-Man in „Spider-Man: No Way Home” Marvel
Tom Holland als Spider-Man in „Spider-Man: No Way Home”

Filmrechte-Streit zwischen Sony und Marvel (2019)

Im August 2019 kam es zum öffentlich ausgetragenen Streit zwischen Disney (Marvel) und Sony um die Filmrechte von Spider-Man. Hintergrund: Spider-Man gehört filmisch Sony, war aber durch einen Deal seit 2016 ins MCU integriert. Nach „Spider-Man: Far From Home” konnten sich die Studios nicht über die Finanzierung künftiger Filme einigen. Disney wollte fortan eine 50/50-Kofinanzierung und Gewinnteilung, Sony lehnte ab. Am 20. August 2019 berichteten Medien, Spider-Man werde aus dem MCU herausfallen, da Marvel Studios nicht mehr an Sonys Spider-Man-Filmen mitwirken werde.

Diese Nachricht schlug bei Fans ein wie eine Bombe: Spider-Mans Zukunft im MCU schien vorbei, obwohl die Figur gerade erst in „Avengers: Infinity War” und „Avengers: Endgame” eine tragende Rolle gespielt hatte. Es folgte ein enormer Aufschrei. Fans starteten Petitionen und Kampagnen wie #SaveSpiderMan, um Druck auf die Studios auszuüben, und auch Spider-Man-Darsteller Tom Holland zeigte offen seine Enttäuschung. Am 27. September 2019 verkündeten Sony und Disney dann überraschend eine neue Einigung: Spider-Man durfte im MCU bleiben, und ein dritter MCU-Solofilm („Spider-Man: No Way Home”, 2021) wurde gemeinsam produziert.

Beide Seiten machten Zugeständnisse. Berichten zufolge übernahm Disney 25 Prozent der Finanzierung und erhielt dafür 25 Prozent der Gewinne, also deutlich weniger als die ursprünglich geforderte Hälfte. Das Hin und Her, in der Presse teilweise als „Sorgerechtsstreit” um Spider-Man bezeichnet, erhielt enorme mediale Aufmerksamkeit und zeigte, dass selbst die populärsten MCU-Figuren Spielball von Lizenzdeals sind. Die Partnerschaft hält bis heute: Auch der vierte Solofilm „Spider-Man: Brand New Day” (2026) entstand wieder gemeinsam.

Letitia Wright bei der Premiere von „Black Panther: Wakanda Forever“ Disney
Letitia Wright bei der Premiere von „Black Panther: Wakanda Forever“

Letitia Wrights Impf-Posts (2020)

Black Panther-Schauspielerin Letitia Wright geriet im Dezember 2020 in die Kritik, als sie auf Twitter ein fast 70-minütiges Video teilte, in dem die Sicherheit der COVID-19-Impfstoffe angezweifelt wurde. Viele Fans und Kollegen reagierten empört. Wright antwortete zunächst, wer sich nicht der vorherrschenden Meinung anschließe und Fragen stelle, werde „gecancelt”.

Kurz darauf löschte sie ihre Accounts bei Twitter und Instagram. Zuvor hatte sie erklärt, sie habe niemanden verletzen wollen, das Video habe nur ihre eigenen Bedenken zu den Inhaltsstoffen widergespiegelt. Eine Entschuldigung im eigentlichen Sinn gab es nicht. Marvel Studios hielt dennoch an ihr fest: Wright spielte die Hauptrolle in „Black Panther: Wakanda Forever” (2022) und steht auch auf der Besetzungsliste von „Avengers: Doomsday”. Der Vorfall zeigte trotzdem, welche Risiken unbedachte Social-Media-Aktivitäten von Stars für die Studios bergen.

Evangeline Lilly bei der Premiere von „Ant-Man and the Wasp: Quantumania” Disney
Evangeline Lilly bei der Premiere von „Ant-Man and the Wasp: Quantumania”

Evangeline Lillys Pandemie-Kontroversen (2020/2022)

Ant-Man-Star Evangeline Lilly zog während der COVID-19-Pandemie gleich mehrfach Kritik auf sich. Im März 2020 erklärte sie öffentlich, sie werde sich nicht selbst isolieren, da sie ihre „Freiheit” über die Maßnahmen stelle. Diese Äußerung, getroffen in den ersten Pandemie-Schockwochen, löste Empörung aus, auch ihre Lost-Kollegin Maggie Grace forderte sie auf, das zu überdenken. Ende März 2020 entschuldigte sich Lilly: Ihr Schweigen habe eine „abweisende, arrogante” Botschaft gesendet, und sie wolle niemandes Leid geringschätzen.

Doch im Januar 2022 geriet Lilly erneut in die Schlagzeilen, als sie an einem Protest gegen Impfpflichten in Washington D.C. teilnahm. Sie postete Fotos von dieser Anti-Impfpflicht-Kundgebung unter dem Motto „körperliche Selbstbestimmung” auf Instagram. In der Bildunterschrift schrieb sie, niemand dürfe gezwungen werden, sich gegen den eigenen Willen etwas spritzen zu lassen. Die Kundgebung, auf der unter anderem Impfgegner Robert F. Kennedy Jr. Impfauflagen mit der NS-Zeit verglich, brachte Lilly abermals viel Gegenwind ein. In Interviews erklärte sie später, sie habe die Gegenreaktionen bewusst in Kauf genommen. Viele Fans und Medien zeigten jedoch Unverständnis, und Lillys Aktionen entfachten Diskussionen darüber, inwieweit Marvel-Stars mit solchen Statements das Image der Marke gefährden.

Scarlett Johansson bei der Comic-Con 2019 Disney
Scarlett Johansson bei der Comic-Con 2019

Scarlett Johansson gegen Disney (2021)

Die Black-Widow-Darstellerin Scarlett Johansson verklagte Disney Ende Juli 2021 wegen Vertragsbruchs, nachdem „Black Widow” parallel zum Kinostart auf Disney+ veröffentlicht worden war. Johansson argumentierte, die gleichzeitige Streaming-Veröffentlichung habe ihre an die Kinoeinnahmen gekoppelte Vergütung geschmälert. Disney wies die Vorwürfe zurück, warf Johansson eine „gefühllose Missachtung” der Pandemie-Umstände vor und machte öffentlich, dass sie für den Film bereits 20 Millionen Dollar erhalten habe.

Der vielbeachtete Rechtsstreit wurde am 30. September 2021 außergerichtlich beigelegt, die Bedingungen blieben vertraulich. Johansson erklärte, sie sei froh, die Differenzen mit Disney ausgeräumt zu haben. Branchenbeobachter diskutierten breit über mögliche Folgen für Hollywoods Geschäftsmodell, da der Fall als Präzedenz für Verträge im Zeitalter der Streaming-Veröffentlichungen gesehen wurde. Johanssons Klage fand in der Öffentlichkeit viel Unterstützung und löste eine Debatte über die faire Bezahlung von Schauspielern im Streaming-Zeitalter aus.

Jonathan Majors bei der Premiere von „Ant-Man and the Wasp: Quantumania” Disney
Jonathan Majors bei der Premiere von „Ant-Man and the Wasp: Quantumania”

Festnahme und Verurteilung von Jonathan Majors (2023/24)

Jonathan Majors sollte nach Thanos den nächsten großen Bösewicht des MCU spielen: Kang den Eroberer. Doch am 25. März 2023 wurde er in New York nach einem Streit mit seiner damaligen Partnerin festgenommen. Die Vorwürfe lauteten auf Körperverletzung, Strangulation und Belästigung, die Frau erlitt leichte Verletzungen an Kopf und Nacken. Majors bestritt über seine Anwälte jede Schuld. In den Wochen danach trennte sich sein Management von ihm, Werbekampagnen mit Majors wurden gestoppt, und es gab Spekulationen über seine Zukunft im MCU.

Am 18. Dezember 2023 sprach ihn eine Jury in New York in zwei Punkten schuldig, fahrlässiger Körperverletzung und Belästigung, in zwei weiteren Punkten wurde er freigesprochen. Marvel Studios trennte sich noch am selben Tag von Majors. Im April 2024 wurde er zu einem einjährigen Programm gegen häusliche Gewalt verurteilt, eine Haftstrafe blieb ihm erspart. Für das MCU hatte der Fall weitreichende Folgen: Der geplante Avengers-Film „The Kang Dynasty” wurde zu „Avengers: Doomsday” umgebaut, und im Juli 2024 präsentierte Marvel Robert Downey Jr. als neuen Gegenspieler Doctor Doom. Der Film startet am 16. Dezember 2026 in den deutschen Kinos.

Isaac Ike Perlmutter, Ex-CEO von Marvel KI
Isaac Ike Perlmutter, Ex-CEO von Marvel

Der Fall Ike Perlmutter (2015 bis 2023)

Ike Perlmutter, langjähriger Marvel-Manager und CEO von Marvel Entertainment, gilt als einer der umstrittensten internen Akteure. Perlmutter, der Marvel in den 90ern mit aus der Insolvenz führte, war für extreme Sparsamkeit bekannt. Unter Disneys Dach geriet er zunehmend mit Marvel-Studios-Chef Kevin Feige in Konflikt. Laut den Memoiren von Disney-Chef Bob Iger stellte sich Perlmutter gegen Filme wie „Black Panther” und „Captain Marvel”, weil er nicht glaubte, dass ein Superheldenfilm mit schwarzem Helden oder mit einer Heldin in der Hauptrolle genug Publikum finde.

Iger schreibt, er habe Perlmutter anweisen müssen, seinen Widerstand aufzugeben, und grünes Licht für beide Filme gegeben, die später jeweils mehr als eine Milliarde Dollar einspielten. Im September 2015 zog Disney die Reißleine: Marvel Studios wurde aus Perlmutters Verantwortungsbereich herausgelöst, Feige berichtete fortan an Disneys Filmchef Alan Horn. Perlmutter behielt nur noch das TV- und Comic-Geschäft und blieb weiter ein Unruheherd.

Im März 2023 wurde der damals 80-jährige Perlmutter im Zuge einer Umstrukturierung bei Disney ganz entlassen. Offiziell handelte es sich um einen Stellenabbau. Perlmutter widersprach öffentlich: In einem seltenen Interview mit dem Wall Street Journal betonte er, Disney habe ihn gefeuert, er sei nicht bloß im Rahmen eines Stellenabbaus gegangen. Danach unterstützte er mit seinen Disney-Aktien den Investor Nelson Peltz in dessen Kampf um einen Sitz im Disney-Aufsichtsrat, der bei der Hauptversammlung im April 2024 scheiterte. Anschließend trennte sich Perlmutter von seinen Disney-Anteilen. Der „Fall Perlmutter” machte deutlich, wie sehr interne Firmenpolitik das MCU beeinflussen kann und dass Filme mit mehr Vielfalt bei Marvel gegen internen Widerstand durchgesetzt werden mussten.

Victoria Alonso KI
Victoria Alonso

Die Entlassung von Victoria Alonso (2023)

Im März 2023 wurde bekannt, dass Marvel eine seiner hochrangigsten Führungskräfte, Victoria Alonso, überraschend gefeuert hatte. Alonso war als Präsidentin für Postproduktion, VFX und Animation eine Schlüsselfigur hinter den Kulissen und seit Beginn des MCU dabei. Als offen queere Managerin und Verfechterin von Diversität hatte sie auch Disney öffentlich kritisiert. Ihr sofortiger Rauswurf löste deshalb Spekulationen aus. Zunächst hieß es, die schwache Performance einiger Phase-4-Projekte oder der Druck auf die VFX-Teams könnten eine Rolle gespielt haben.

Laut einer Recherche von The Hollywood Reporter lag der formale Kündigungsgrund jedoch woanders: Alonso hatte ohne Disneys Genehmigung den Oscar-nominierten Film Argentina, 1985 mitproduziert und beworben, ein Vertragsbruch, da Disney-Manager Nebentätigkeiten nur mit Zustimmung ausüben dürfen. Alonsos Anwältin wies diese Begründung entschieden zurück. Sie erklärte, es sei „lächerlich”, dass Alonso, die sich mit Disneys Umgang mit Floridas „Don’t Say Gay”-Gesetz angelegt habe, wegen ein paar Interviews zu einem Herzensprojekt gefeuert worden sein soll. Damit stellte sie Alonso als kritische Stimme innerhalb Disneys dar, die unbequem geworden war.

Beigelegt wurde der Streit schnell: Im April 2023 einigten sich Disney und Alonso laut Deadline auf eine vertrauliche Abfindung in Millionenhöhe. Ob Alonsos Entlassung vor allem vertragliche Gründe hatte oder ein Machtspiel war, bleibt offen. Sicher ist, dass Marvel eine langjährige Fürsprecherin für Vielfalt verlor, was einige Fans und Kollegen bedauerten.

Marvels VFX-Teams gründen eine Gewerkschaft (2023)

Über Jahre hatten Effekt-Künstler über die Arbeitsbedingungen bei Marvel-Produktionen geklagt: ständige Änderungswünsche kurz vor dem Kinostart, unbezahlte Überstunden, ausgelassene Pausen und enormer Termindruck. Die Kritik richtete sich nicht gegen einen einzelnen Film, sondern gegen ein System, in dem das MCU zeitweise mehrere Filme und Serien pro Jahr herausbrachte, deren Effekte oft erst in den letzten Wochen fertig wurden.

Im September 2023 stimmten die festangestellten VFX-Mitarbeiter von Marvel Studios dann einstimmig dafür, sich der Gewerkschaft IATSE anzuschließen. Es war das erste Mal, dass sich VFX-Beschäftigte eines großen Studios bei IATSE organisierten. Für Marvel war das kein Skandal im klassischen Sinn, aber ein öffentliches Eingeständnis, dass der Erfolg des MCU auch auf Kosten derer ging, die ihn auf die Leinwand bringen.

Was die Skandale über Marvel verraten

Legt man die Fälle nebeneinander, zeigt sich ein Muster: Wo es um Geld und Kontrolle ging, blieb Marvel hart. Terrence Howard und Edward Norton wurden ersetzt, ohne dass das Studio einen Schritt zurückwich, und bei Jonathan Majors zog Marvel noch am Tag des Schuldspruchs die Konsequenzen, obwohl die gesamte Multiverse Saga auf ihn zugeschnitten war. Wo dagegen der öffentliche Druck groß genug war, lenkte das Studio ein, am deutlichsten bei James Gunn und im Spider-Man-Streit mit Sony.

Bei umstrittenen Äußerungen seiner Stars hielt sich Marvel meist zurück: Letitia Wright und Evangeline Lilly blieben im MCU, Renner und Evans kamen mit einer Entschuldigung davon. Und die folgenreichsten Umbrüche passierten gar nicht vor der Kamera, sondern in der Chefetage: Ohne den Machtkampf mit Ike Perlmutter hätte es „Black Panther” und „Captain Marvel” womöglich nie gegeben.

Terrence Howard, der Rhodey in „Iron Man“ (2008) spielte, verließ das MCU nach einem Gagenstreit. Laut Entertainment Weekly sollte seine Gage für „Iron Man 2“ um 50 bis 80 Prozent sinken, Howard selbst sprach von einer Million statt der zugesagten acht Millionen Dollar. Marvel besetzte die Rolle mit Don Cheadle neu.

Marvel verzichtete 2010 auf Edward Norton für „The Avengers“, offiziell weil man einen Schauspieler suche, der die Kooperationsbereitschaft des übrigen Ensembles verkörpere. Hintergrund waren Konflikte um Drehbuch und Schnitt von „Der unglaubliche Hulk“. Seit 2012 spielt Mark Ruffalo den Hulk.

Jonathan Majors wurde im Dezember 2023 in New York wegen fahrlässiger Körperverletzung und Belästigung seiner damaligen Partnerin schuldig gesprochen. Marvel Studios trennte sich noch am selben Tag von ihm. Damit endete auch seine Rolle als Kang der Eroberer.

Nach der Trennung von Jonathan Majors baute Marvel „Avengers: The Kang Dynasty“ zu „Avengers: Doomsday“ um. Neuer Hauptgegenspieler ist Doctor Doom, gespielt von Robert Downey Jr. Der Film startet am 16. Dezember 2026 in den deutschen Kinos.

Disney entließ James Gunn im Juli 2018 wegen rund zehn Jahre alter Tweets mit geschmacklosen Witzen über Vergewaltigung und Pädophilie. Nach Protesten von Fans und Darstellern holte Disney ihn im März 2019 zurück, und Gunn drehte „Guardians of the Galaxy Vol. 3“.

Scarlett Johansson verklagte Disney im Juli 2021, weil „Black Widow“ gleichzeitig im Kino und auf Disney+ startete und ihre an die Kinoeinnahmen gekoppelte Vergütung dadurch geschmälert worden sei. Im September 2021 einigten sich beide Seiten außergerichtlich.

Offizieller Grund war ein Vertragsbruch: Victoria Alonso hatte ohne Genehmigung von Disney den Film Argentina, 1985 mitproduziert und beworben. Ihre Anwältin sah den eigentlichen Grund in Alonsos Kritik an Disney. Im April 2023 einigten sich beide Seiten auf eine Abfindung.

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