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Marvel / VisionQuest

Ultron hatte ein Backup: Terry Matalas erklärt den „Age of Ultron“-Retcon in „VisionQuest“

Vision hat Ultron nie ganz gelöscht: Showrunner Terry Matalas erklärt, wie aus einem Schnitt in „Age of Ultron“ die Rückkehr des Schurken wurde – und warum die Avengers wohl nichts davon wussten.

Oliver Trebes Von Oliver Trebes · ·Aktualisiert ·5 Min. Lesezeit
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Ultron hatte ein Backup: Terry Matalas erklärt den „Age of Ultron“-Retcon in „VisionQuest“
Disney

Am Ende von „Avengers: Age of Ultron” schien die Sache klar: Vision stellt den letzten Ultron-Roboter im Wald, ein Strahl aus dem Gedankenstein, Schnitt. Elf Jahre lang galt Ultron damit als erledigt. „VisionQuest” hat das umgeschrieben: Vision hat Ultrons Körper zerstört, seinen Code aber vorher gesichert. Wie es zu dieser Wendung kam, erklärt Showrunner Terry Matalas im Gespräch mit dem YouTube-Kanal New Rockstars.

Ausgangspunkt war für ihn eine Szene, die viele Fans längst abgehakt hatten. „Vision wollte Ultron eigentlich nicht töten. Ultron hatte Schmerzen”, sagt Matalas. „Ich dachte mir: Was, wenn er ein Backup gemacht hat?” Der Film zeige den Tod nicht, sondern schneide weg – und wo im Film oder Fernsehen weggeschnitten wird, könne eine Figur überleben.

Ultron sitzt wie Hannibal Lecter auf dem Dachboden

Aus dieser Idee entstand die Innenwelt, in der „VisionQuest” spielt: ein seltsames Haus, in dem Visions künstliche Intelligenzen als Menschen auftreten. Matalas hatte nach eigenen Worten die Serie „Dexter” im Kopf, in der die Titelfigur Zwiegespräche mit ihrem toten Vater führt. „Ich hatte dieses Bild von einem Haus im Kopf, dieses merkwürdige KI-Ding”, sagt er. Szenenbildner Will Hughes-Jones habe es am Ende fast genau so umgesetzt.

Ultron bekam darin den Platz unter dem Dach – eingesperrt „wie Lecter auf dem Dachboden”, als Ratgeber, den Vision jederzeit aufsuchen kann. Genau diese Rolle spielt James Spader in der Serie: Ultron ist Gefangener und Berater zugleich, und spätestens seit dem Ende von Folge 4 ist klar, dass er sich mit dieser Rolle nicht zufriedengibt.

Wussten die Avengers von dem Backup?

Hat Vision seinen Teamkollegen je davon erzählt? Matalas glaubt nicht: Das wäre „kein kluger Schachzug” gewesen. Im Autorenraum sei aber ausführlich diskutiert worden, wie es um die Sicherung stand. „Nur weil er seinen Code gesichert hat, heißt das nicht, dass er immer eingeschaltet war. Er lag im Kühlfach. Oder vielleicht doch nicht?”

Eine Antwort darauf gibt Matalas bewusst nicht. Ein Fan habe im Netz gefragt, ob Ultron demnach dabei war, als Thanos Vision in „Avengers: Infinity War” tötete – „das würde ich ehrlich gesagt gern sehen”, sagt der Showrunner. Fest steht für ihn nur der Stand der Serie: Vision verlässt sich inzwischen „definitiv” auf den Rat seines alten Widersachers, ob aus Respekt oder weil Ultron einen schärferen Blick auf die Menschen hat.

Bart und Zylinder: Spader bestimmte Ultrons Look selbst

Wie Ultron in dieser Innenwelt aussieht, hat dagegen nicht Matalas entschieden. Mit langem Bart, Brille, Anzug und Zylinder wirkt er wie ein exzentrischer Gelehrter, nicht wie der metallische Killerroboter von 2015. „Der Bart ist komplett Spader. Er ist einfach so am Set aufgetaucht”, erzählt Matalas im selben Gespräch.

Beim Schreiben hatte er eine ganz andere Figur vor Augen: Ultron als glatte Variante von Raymond Reddington, Spaders Rolle aus „The Blacklist”. Dann rief der Schauspieler an und kündigte an, er lasse sich einen Bart wachsen. „Ich dachte an Hans Gruber”, sagt Matalas, also an Alan Rickmans gepflegten Schurken aus „Stirb langsam” mit kurzem Kinnbart.

Es folgten weitere Telefonate über das Drehbuch, und jedes Mal berichtete Spader, der Bart sei weiter gewachsen. Matalas nahm sich vor, ihn vor Drehbeginn in London stutzen zu lassen. Als Spader dann am Set stand, nannte er seinen Bart selbst „eine Mähne”. Auf Matalas’ Frage, ob man darüber reden müsse, antwortete er nur: „Ich bin ein Gefangener.”

Ein Anruf bei Kevin Feige – und dann kam der Zylinder

Spader begründete den Look nicht nur mit der Gefangenschaft. Ultron sei kein neun Fuß großer Roboter mehr und müsse trotzdem gottgleich wirken, „wie Poseidon”. Matalas überzeugte das so sehr, dass er Marvel-Chef Kevin Feige anrief: „Ich glaube, wir bekommen hier eine wirklich interessante Version von Ultron.”

Kaum war der Bart abgesegnet, legte Spader nach: „Und ich werde einen Zylinder tragen.” Matalas lachte, stimmte zu und ließ die Figur entsprechend gestalten. Heraus kam nach seinen Worten „dieses ikonische Ding, auf das ich nie gekommen wäre”. Genau das schätze er am Fernsehen: dass Autoren und Schauspieler gemeinsam auf Ideen kommen, die keiner allein gehabt hätte.

Spader: Ultron will aussehen wie Zeus

Spader selbst hat seine Überlegungen bereits zum Serienstart im Interview mit The Direct erklärt. Ultron sei seit rund zwölf Jahren in Visions Kopf gefangen, und das solle man ihm ansehen: lange Haare, ein großer Bart, ein Aussehen, das sich radikal vom „schlanken, metallischen Roboter” unterscheidet. Seine Kleidung sei absichtlich schäbig, und wer genau hinsieht, entdeckt überall Farbflecken.

Der Gedanke dahinter: Ultron hat in seiner Gefangenschaft Unmengen über Götter gelesen und eifert ihnen nach. „Ich liebe es, dass er wie Poseidon oder Zeus aussieht”, sagt Spader. Ultron sei dramatisch und theatralisch, also wolle er auch so aussehen. Im Gegensatz zu Vision hält die Figur allerdings wenig von der Menschengestalt und zeigt sich in der Serie immer wieder auch als Roboter.

So geht es mit „VisionQuest” weiter

„VisionQuest” läuft seit dem 14. Oktober bei Disney+, zwei der acht Folgen stehen noch aus. Was Ultron bisher angestellt hat, steht in unseren Zusammenfassungen zu Folge 3 und 4 und zu Folge 5 und 6; was Matalas, Paul Bettany und Spader über das Thema KI in der Serie sagen, steht in diesem Artikel.

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Folge 7 erscheint am 4. November, das Finale am 11. November. Damit ist „VisionQuest” die letzte Marvel-Veröffentlichung vor „Avengers: Doomsday”, der am 16. Dezember in die deutschen Kinos kommt. Ob Spaders Ultron danach im MCU weiterlebt, hat Marvel bislang nicht verraten.

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