VisionQuest: Vision hat Ultron nie getötet – der Showrunner erklärt den Retcon
Marvel hat die Presse auf das VisionQuest-Set gelassen. Showrunner Terry Matalas erklärt dort eine Prämisse, die das Ende von Avengers: Age of Ultron umschreibt – und verrät, wo Vision seit WandaVision untergekommen ist.
Vier Wochen vor dem Start von „VisionQuest” hat Marvel die Presse auf das Set in den Pinewood Studios gelassen – und Showrunner Terry Matalas dort eine Prämisse erklärt, die rückwirkend eine der bekanntesten Szenen des MCU umschreibt. Der Kern: Vision hat Ultron am Ende von „Avengers: Age of Ultron” nicht getötet.
Das ist mehr als ein Detail. Es macht aus dem Schlussbild von 2015 – Vision und Ultron allein im Wald, ein letztes Gespräch, dann Stille – eine offene Rechnung, die elf Jahre später eingelöst wird.
„Er hat ihn gesichert”
Matalas beschreibt es so: Oben in Visions innerem Haus sitze, in einem Gefängnis, das aussehe wie ein New Yorker Loft, Ultron – „den er am Ende von ‚Avengers: Age of Ultron‘ nicht ohne Gnade getötet hat; er hat ihn gesichert. Er hatte immer das Gefühl, dass er Ultron nicht töten wollte, er hat Gnade gezeigt, und er ist immer noch da.”
Der Ultron, der daraus hervorgeht, ist nicht mehr derselbe. „Ultron ist nicht mehr ganz der Kerl, der er einmal war”, sagt Matalas. „Er ist der Menschheit gegenüber ein Stück weit umgeschwenkt, er versucht, uns zu verstehen. Er hat unsere Kultur und Kunst verschlungen und hat eine bessere Perspektive auf die Menschheit als selbst Vision.” James Spader spielt ihn wieder.
Vision arbeitet in einer Kneipe
Auch der Ausgangspunkt der Serie ist konkreter, als die bisherigen Trailer vermuten ließen. „Wir folgen Vision, nachdem er ein paar Jahre draußen in der Welt war, aber weniger in Kontakt mit seiner Menschlichkeit und seiner Vergangenheit, als ihm lieb wäre”, so Matalas. Vision lebe im Verborgenen, sehe menschlich aus – und arbeite in einem Pub. Nachts gehe er nicht nach Hause, wie alle glauben: Er schließe die Türen der Kühltruhen, um seine Systeme herunterzukühlen, und ziehe sich in seinen eigenen Kopf zurück.
Dort hat er sich ein Haus gebaut, den sogenannten Mindspace. Und dort hat er die künstlichen Intelligenzen untergebracht, die er aus dem Stark-Compound gerettet hat: F.R.I.D.A.Y., E.D.I.T.H., D.U.M.-E, U und eine ältere Fassung von J.A.R.V.I.S. – jener Code, auf dem Vision selbst beruht und der ihm damit fast ein Bruder ist. In der Serie treten sie in menschlicher Gestalt auf und bilden, wie Matalas es nennt, Visions eigene „KI-Avengers”. Nach draußen führt die Handlung ein Kopfgeldjäger, der auf Vision angesetzt wird – ohne dass zunächst klar ist, warum. Über diese Spur wird die Existenz seines Sohnes Tommy entdeckt.
Madripoor kehrt ins MCU zurück
Beim Rundgang über die Außenkulisse mit Szenenbildner Will Hughes-Jones zeigte sich außerdem, dass Madripoor in der Serie eine tragende Rolle spielt: Straßenzüge, Karren, Läden und Stände tragen die Handschrift der Inselstadt, dazu gehört auch die aus den Comics bekannte Princess Bar. Zuletzt war der Schauplatz in „The Falcon and the Winter Soldier” und in „Deadpool & Wolverine” zu sehen.
Das passt zur Terminlage: Matalas hat früher gesagt, dass „VisionQuest” zeitlich kurz nach „Spider-Man: Brand New Day” spielt – dem Film, der Sadie Sinks Jean Grey ins MCU gebracht hat. Der X-Men-Neustart läuft am 5. Mai 2028 an. Bis dahin ist die Serie eines der wenigen Projekte, das die Mutanten überhaupt im Programm hält.
Und ausgerechnet: keine generative KI
Eine Pointe hat die Produktion für sich behalten. Eine Serie, die im Kern von künstlichen Intelligenzen handelt, ist nach Angaben von Matalas und Hughes-Jones ohne generative KI im fertigen Produkt entstanden. Entwürfe seien teilweise mit solchen Werkzeugen inspiriert worden – weil der Mindspace ja ein Haus ist, das eine Maschine gebaut hat. Gebaut wurde am Ende von Hand.
Die Absicht dahinter ist im Set sichtbar: Geländer, die nicht ganz bis oben reichen, Möbel, die halb in einer Wand stecken, eine Windows-XP-Landschaft ums Haus, die ihre Farbe nach Visions Stimmung wechselt. Es sind die Fehler, die eine KI von 2025 beim Bauen gemacht hätte – nachgestellt von Menschen.
Ultron feiert sein Comeback
Wie bereits früh in der Entwicklung bestätigt wurde, feiert Ultron seine große Rückkehr in „VisionQuest”. Das Format knüpft direkt an „WandaVision” an und folgt White Vision, nachdem dieser seine Erinnerungen zurückerlangt hat. Ultron, der einst in „Avengers: Age of Ultron” als fehlgeschlagenes Schutzprogramm von Tony Stark begann und das Programm JARVIS fast zerstörte, trifft nun erneut auf das Wesen, das seinen perfekten Körper an sich nahm.
Warum Ultron diesmal ein Mensch ist
Seit dem ersten Trailer wissen wir, wie diese Rückkehr aussieht – und sie sieht anders aus als erwartet. James Spader spielt Ultron in „VisionQuest” überwiegend in menschlicher Gestalt: als bärtige, exzentrische Vaterfigur statt als stahlblanker Roboter. Terry Matalas hat gegenüber dem US-Magazin Polygon erklärt, warum. Es sei unerschwinglich teuer, rund um die Uhr einen am Rechner erzeugten Roboter zu zeigen – aber er wolle auch schlicht keinen sehen. Ein solcher Roboter könne nicht das leisten, was Spader allein mit dem Zucken einer Augenbraue schaffe.
Wichtig für alle, die jetzt eine reine Kammerspiel-Serie befürchten: Matalas verspricht ausdrücklich reichlich Roboter-Action. Der Trailer zeigt Ultron kurz in seiner ursprünglichen Gestalt, bevor er nach einer Zurechtweisung durch Vision in seine menschliche Erscheinung zurückwechselt. Die Grundidee, Spader und Paul Bettany aufeinander loszulassen, stand laut Matalas von Anfang an fest – die Serie sei stark von jener letzten Szene zwischen Vision und Ultron in „Avengers: Age of Ultron” inspiriert.
Was Ultron in seinem Gefängnis getrieben hat
Spader selbst hat im August beschrieben, womit sein Ultron die Jahre seit der Niederlage gefüllt hat. In seinem „Gefängnis” habe er Zugang zu Internet, Fernsehen und Geschichte gehabt und pausenlos konsumiert – und er male. Zu Vision pflege er eine ausgewachsene Hassliebe; die übrigen künstlichen Intelligenzen der Serie interessieren ihn dagegen nicht. Der Trailer lässt wenig Zweifel daran, dass man ihm trotz des freundlichen Äußeren nicht trauen sollte.
Offen bleibt, ob Ultron in diesem virtuellen Raum eingesperrt bleibt oder es in einen neuen Körper und damit in die reale Welt schafft. Neben ihm treten weitere bekannte KI-Figuren auf: James D’Arcy als J.A.R.V.I.S., Orla Brady als F.R.I.D.A.Y., Emily Hampshire als E.D.I.T.H. sowie Henry Lewis und Jonathan Sayer als die Werkstatt-Roboter D.U.M.-E und U. Dazu kommen Ruaridh Mollica als der herangewachsene Tommy Maximoff, Todd Stashwick als Paladin, T’Nia Miller als Jocasta und Mary McDonnell in einer bislang unbekannten Rolle. „VisionQuest” startet am 14. Oktober 2026 auf Disney+.
Die Zukunft der Multiverse-Saga
Die Rückkehr wirft extrem spannende Fragen auf: Werden sich Ultron und Vision in „VisionQuest” gegenseitig vernichten? Oder schmieden sie eine unerwartete Allianz? Fest steht: Ein gestärkter Ultron bietet gigantisches Potenzial für kommende Crossover wie „Avengers: Doomsday” oder „Avengers: Secret Wars”. Die Serie ist das letzte MCU-Projekt vor „Avengers: Doomsday”, der am 16. Dezember in die deutschen Kinos kommt, und schließt zugleich die Reihe aus „WandaVision” und „Agatha All Along” ab.
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