Blade-Aus: Mahershala Ali zieht den Schlussstrich und bedankt sich bei Marvel

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Sechs Wochen nach seiner Abrechnung mit Marvel klingt Mahershala Ali beim Filmfestival in Toronto anders: Er sei mit Blade fertig — und dankbar. Denn das Studio hat am Ende einen ganz anderen Film von ihm mitfinanziert.

Das Blade-Kapitel im Marvel Cinematic Universe ist für Mahershala Ali abgeschlossen — und diesmal klingt der Schlussstrich anders als im Sommer. Beim Toronto International Film Festival hat der zweifache Oscar-Preisträger das Thema für beendet erklärt und sich anschließend ausgerechnet bei dem Studio bedankt, mit dem er sechs Wochen zuvor noch öffentlich abgerechnet hatte.

„Ich bin damit fertig”: Ali beendet das Thema in Toronto

Am 13. September stand Ali im Deadline Studio auf dem Toronto International Film Festival Rede und Antwort, einen Tag nach der Weltpremiere seines neuen Films Your Mother Your Mother Your Mother. Auf die Frage nach einer möglichen Rückkehr als Daywalker — zuletzt kursierten Gerüchte über Auftritte in einem Midnight-Sons-Film oder in „Avengers: Secret Wars” — antwortete er ohne Umschweife: Er sei fertig damit, er mache jetzt dies hier und alles, was danach komme, das Thema sei durch.

Damit endet eine Geschichte, die im Juli 2019 auf der San Diego Comic-Con begann, als Marvel ihn als neuen Blade vorstellte. In den Jahren danach durchlief das Projekt mehrere Autoren und Regisseure, der Kinostart verschob sich viermal, bis das Studio den Film ganz aus dem Kalender nahm. Auf der Leinwand blieb von Alis Blade am Ende eine Stimme aus dem Off in der Abspannszene von „Eternals”.

Warum Ali Marvel trotzdem dankbar ist

Überraschend fiel der zweite Teil seiner Antwort aus. Statt der Vorwürfe vom Sommer stand da ein Dank: Er habe ein Jahr lang trainieren dürfen, und an diesem Punkt sei er sehr dankbar dafür, dass Marvel einen schönen Beitrag zu ihrem Film geleistet habe. Gemeint ist Your Mother Your Mother Your Mother — das Studio hat die Produktion des Thrillers mitfinanziert.

Der Film führt Ali mit Bassam Tariq zusammen, jenem Regisseur, den Marvel 2021 für Blade verpflichtet hatte und der das Projekt 2022 wegen der Verzögerungen wieder verließ. Ali spielt darin einen streng gläubigen Auftragskiller, der nach dem plötzlichen Tod seiner Frau mit drei Kindern auf der Flucht ist — und der seine Gegner mit einer langen Klinge erledigt. Das monatelange Schwertkampftraining für den Daywalker landete also doch noch auf der Leinwand, nur in einem anderen Film. In den USA startet er am 25. September, ein deutscher Kinotermin steht bislang nicht fest.

Wie das Blade-Projekt zerfiel

Das geplante Solo-Debüt von Blade im Marvel Cinematic Universe ist vorerst vom Tisch. Stattdessen soll Mahershala Alis Daywalker nun über einen Team-up-Film eingeführt werden, was die strategische Ausrichtung des Projekts grundlegend verändert.

Die Nachricht wurde vom Branchen-Insider Jeff Sneider im Podcast The Hot Mic verbreitet und bestätigt damit frühere Berichte, dass Marvel Studios die Entwicklung gestoppt hat. Sneider bezeichnete den Film als „tot”, eine Konsequenz aus den endlosen Verzögerungen, Regiewechseln und Drehbuchproblemen, die die Produktion seit ihrer Ankündigung begleiteten. Offiziell hat Disney den Film inzwischen aus seinem Veröffentlichungskalender entfernt.

Die Entwicklung des Blade-Reboots war von Beginn an turbulent. Seit der ersten Ankündigung mit Hauptdarsteller Mahershala Ali auf der Comic-Con im Jahr 2019 durchlief das Projekt mehrere komplette Drehbuch-Neufassungen und verlor verschiedene Regisseure. Auch wenn die Absage für Fans enttäuschend sein mag, bietet der Schritt für Marvel die Möglichkeit, die grundlegenden Probleme des Films zu beheben und eine überstürzte Veröffentlichung zu vermeiden.

Statt eines Einzelfilms plant Marvel nun, Blade als zentrale Figur in einem potenziellen „Midnight Sons”-Projekt zu etablieren. Dieser Film würde ein Team übernatürlicher Heldinnen und Helden wie Ghost Rider, Moon Knight, Wong, Werewolf by Night und Elsa Bloodstone zusammenführen. Berichten zufolge wurde bereits ein neuer Autor engagiert, nachdem Michael Green das Projekt Mitte 2025 verlassen hatte, was auf eine aktive Weiterentwicklung des Konzepts hindeutet. Blade könnte hier eine Rolle einnehmen, die an Nick Fury erinnert: als Anführer, der die Gruppe gegen Bedrohungen wie Mephisto versammelt.

Dieser strategische Wechsel bietet den Vorteil, Blade von Anfang an tief im MCU zu verankern. Während ein Solofilm ihn möglicherweise in einer Vampir-Nische isoliert hätte, verbindet ihn das „Midnight Sons”-Konzept direkt mit bereits etablierten Figuren und Handlungssträngen, etwa der Mystik aus „Midnight Sons” oder den Horror-Elementen aus „Werewolf by Night”. Die Einführung ähnelt damit der von Black Panther in „Captain America: Civil War”, der ebenfalls in einem Ensemble-Film glänzte, bevor sein Solo-Abenteuer folgte.

Zugleich erlaubt der Ansatz, Mahershala Alis Interpretation des Charakters von der ikonischen Darstellung durch Wesley Snipes in der Trilogie von 1998 bis 2004 abzugrenzen. Ali, mittlerweile 51 Jahre alt, könnte eine erfahrenere Mentorenfigur verkörpern. Ein erfolgreicher „Midnight Sons”-Film würde zudem die Grundlage für zukünftige Blade-Projekte schaffen und bereits im Vorfeld für entsprechendes Publikumsinteresse sorgen.

Eine weitere Konsequenz der Absage betrifft die Schauspielerin Mia Goth, die für die Rolle der Vampirgöttin Lilith vorgesehen war. Goth, die bereits an Kostüm- und Perückenanproben teilgenommen hatte, äußerte sich in einem Interview mit Josh Horowitz im Podcast Happy Sad Confused zur ursprünglichen Vision. Sie beschrieb diese als „sehr cool”, räumte jedoch ein, dass sich das Projekt schließlich „aufgelöst” habe. Mit der Streichung des Films ist Goth von ihrer vertraglichen Bindung an die Rolle befreit.

Dies eröffnet ihr die Möglichkeit, eine prominentere Rolle im MCU zu übernehmen. Goth hat sich durch ihre Darbietungen in Horrorfilmen wie X und Pearl einen Namen gemacht, in denen sie oft Verletzlichkeit mit Bedrohung kombiniert. Sie könnte die Gestaltwandlerin Mystique neu definieren, der nach den Darstellungen von Rebecca Romijn und Jennifer Lawrence eine größere psychologische Tiefe verliehen werden könnte. Auch die Rolle der Rogue, deren absorbierende Kräfte sie zur Isolation verdammen, würde zu Goths intensiver Spielweise passen und Marvel erlauben, von ihrem wachsenden Starpotenzial in einem stabileren Projekt zu profitieren.

Feige übernimmt die Verantwortung – „wie ein gigantischer Versager”

Im Juli 2026 meldete sich schließlich Marvel-Chef Kevin Feige persönlich zu Wort und übernahm ungewohnt offen die Verantwortung für das gescheiterte Reboot. Im Podcast Happy Sad Confused erklärte er während der Promotour zu Spider-Man: Brand New Day, er komme sich „wie ein gigantischer Versager” vor, dass man den Film mit Mahershala Ali nie auf die Beine gestellt habe. Es ist das bislang deutlichste Eingeständnis des Studiochefs zu einem der größten ungelösten Projekte des MCU.

Zugleich betonte Feige, den Charakter und Alis Version davon nicht aufgegeben zu haben: Man liebe die Figur und werde die Öffentlichkeit informieren, sobald sich eine neue Richtung abzeichne. Für Fans ist das Statement damit vor allem eine offizielle Bestätigung dessen, was sich seit der Streichung aus dem Kinokalender abgezeichnet hatte – der Solofilm ist Geschichte, während Blade selbst dem MCU über das geplante Midnight Sons-Ensemble erhalten bleiben soll.

Ali kontert: „Sie wollten es nicht machen”

Zehn Tage nach Feiges Eingeständnis hat sich Mahershala Ali selbst zu Wort gemeldet – und deutlich schärfer formuliert als der Marvel-Chef. Auf die Frage in einem GQ-Interview, ob der Blade-Reboot einer Umsetzung inzwischen näher gekommen sei, antwortete Ali knapp: „Nicht mit mir.” Deadline, Variety und der Hollywood Reporter griffen die Aussagen am 31. Juli 2026 auf.

Ali erklärte, er stehe seit fast 30 Jahren professionell vor der Kamera und habe gelernt, dass manche Projekte für einen bestimmt seien und manche eben nicht. Deutlich wurde er bei der Schuldfrage: Man habe ihn unter Vertrag gehabt, das Studio verfüge über Milliarden – hätte Marvel den Film machen wollen, hätte man ihn gemacht. Also werde er nicht gemacht. Zugleich stellte Ali klar, dass er nicht für Neuverfilmungen bekannt sein wolle, sondern für originäre Arbeiten, die beim Publikum etwas auslösen.

Immerhin zieht der zweifache Oscar-Preisträger eine versöhnliche Bilanz: Sein nächster Film, Bassam Tariqs Your Mother Your Mother Your Mother, existiere überhaupt nur, weil Blade auseinanderfiel. Das über ein Jahr angesammelte Training für den Daywalker habe er dort einsetzen können und fühle sich dadurch „kreativ rehabilitiert”. Künftige Fragen zum Reboot, so Ali zum Abschluss, seien nicht mehr an ihn zu richten – die müsse Marvel selbst beantworten.

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