„Das Wunder von Narnia“: Daniel Craig ist Onkel Andrew, Emma Mackey wird Jadis
Empire löst die letzten großen Rollenfragen in Greta Gerwigs Narnia-Film auf: Daniel Craig spielt den Magier Onkel Andrew, Emma Mackey die spätere Weiße Hexe Jadis. Beide sprechen erstmals über ihre Figuren – und über den Glamrock-Look des Films.
Greta Gerwigs Narnia-Film bekommt Kontur: Nach dem ersten Blick auf Aslan löst Empire in seiner Coverstory auch die beiden letzten großen Rollenfragen auf. Daniel Craig spielt Onkel Andrew, den Magier, der die ganze Geschichte in Gang setzt. Emma Mackey ist Jadis – jene Figur, die später als Weiße Hexe über Narnia herrschen wird.
Empire war während der Dreharbeiten am Set und hat mit Gerwig und ihrem Ensemble gesprochen, darunter Craig, Mackey und die beiden Kinderdarsteller David McKenna und Beatrice Campbell. Zwei Tage nach Netflix’ erstem offiziellen Blick auf den Film hatte das Magazin bereits Aslan gezeigt; jetzt folgen die beiden Erwachsenenrollen. Das Heft erscheint am 24. September und enthält nach Angaben des Magazins die ersten Bilder aus dem Film überhaupt.
Daniel Craig spielt den Magier Onkel Andrew
Craig hat in seiner Laufbahn den Superspion gegeben und mit Benoit Blanc den Meisterdetektiv. Jetzt kommt der Magier dazu, und zwar der titelgebende: Lewis’ Roman heißt im Original „Das Wunder von Narnia” und meint damit Onkel Andrew – einen Mann, der sein Leben mit magischen Gegenständen zugebracht hat. Seine Experimente schicken seinen Neffen Digory und die Nachbarstochter Polly zwischen die Welten.
Craig beschreibt die Figur gegenüber Empire ohne Beschönigung: „Ich würde gern sagen, dass seine Absichten gut sind, aber ich bin mir nicht sicher, ob sie es sind.” Grausam sei Andrew deshalb nicht: „Er gerät in Überschwang darüber, was sein könnte, und übersieht darüber die Menschen um ihn herum und die Folgen dessen, was er tut.” Gerwig fasst ihn kürzer zusammen – er sei der dümmste Magier der Welt, dem tatsächlich Magie gelungen ist.
Persönlich ist der Stoff für Craig ohnehin. Als Kind habe er „Der König von Narnia” in einer einzigen Nacht durchgelesen: „Ich bin die ganze Nacht aufgeblieben und habe es gelesen. Es war das erste Mal, dass ich ein Buch angefangen und im Morgengrauen beendet habe.” Zuvor habe er nie einen Roman am Stück zu Ende gebracht.
Emma Mackey als Jadis – Chaos und schlechte Pläne
Wer Narnia über „Der König von Narnia” kennt, kennt Jadis als Weiße Hexe, die das Land in einen ewigen Winter gestürzt hat. Der neue Film spielt chronologisch davor: Jadis sitzt noch in der sterbenden Welt Charn fest, ist aber erkennbar auf dem Weg zu der Herrscherin, die sie werden wird. Gespielt wird sie von Emma Mackey, zuletzt eine der Barbies in Gerwigs „Barbie”.
Angesprungen sei sie sofort auf eine Zeile im Drehbuch, sagt Mackey: Dort werde Jadis beschrieben als „all chaos and bad plans” – nur Chaos und schlechte Pläne. „Sie ist dieses überlebensgroße Wesen, das in Digorys und Pollys Welt auftaucht und sie völlig überrumpelt.”
Das Kostüm folgt derselben Logik und passt zu Gerwigs Glamrock-Bezügen: Für zwei Kinder aus dem Nachkriegs-London der Fünfzigerjahre muss Jadis vor allem fremd wirken. „Wir brauchten diese Doppelung: den Spaß, also das, was die Kinder sehen – eine glänzende, aufregende Person –, aber auch: Wow, du bist ein bisschen beunruhigend, und ich weiß nicht so recht, wie ich mit dir umgehen soll”, sagt Mackey. Glänzend und aufregend, aber zugleich bequem und bereit für den Krieg.
Aslan ist an David Bowie angelehnt
Der Löwe auf dem Kiosk-Cover hat zwei verschiedenfarbige Augen und ein kräftig rot gezeichnetes Gesicht. Beides ist kein Zufall: Gerwig hat Aslan ausdrücklich an David Bowie angelehnt – die Heterochromie und die Gesichtszeichnung zitieren dessen Ikonografie. Ein zweites Motiv, das Abonnenten bekommen, stammt vom Concept Artist Jaime Jones, der am Film mitgearbeitet hat, und zeigt Aslan dabei, wie er Narnia erschafft.
Gesprochen wird die Figur von Meryl Streep, die damit nach „Little Women” erneut mit Gerwig arbeitet. Die Regisseurin erklärt ihre Wahl im Gespräch mit Empire ungewöhnlich konkret: Sie habe jemanden gesucht, „der tiefgründig ist, ohne prätentiös zu sein, der Gewicht hat, aber keine verdrießliche Selbstbezogenheit”. Jemanden über 70, für die Weisheit der Erfahrung – und zugleich fähig zu kindlichem Staunen. „Diese Liste ist nicht lang.”
Narnia als Rock-Oper gedacht
Interessanter als das Casting ist, wie Gerwig den Stoff überhaupt angeht. Ihre Ausgangsidee sei dieselbe gewesen wie bei „Barbie”, sagt sie: „Ich wollte eine Rockoper. Ich wollte, dass es groß ist und einen fortträgt.” Ein Musical wird der Film nicht – aber die britische Rockmusik der Sechziger und Siebziger, Glam und Progressive, ist der gedankliche Unterbau.
Gerwig zählt die Namen auf, die sie meint: Bowie, Paul McCartney, David Gilmour, Pete Townshend, Jimmy Page, Robert Plant. „Als ich ihre Musik hörte, hatte ich dieses tiefe Gefühl: Du wirst okay sein.” Die Verbindung zum Stoff zieht sie über C. S. Lewis selbst: „Narnia ist buchstäblich eine Welt aus Musik. Es ist eine Welt, die von Aslan ins Leben gesungen wird – und Rock ’n’ Roll war für mich eine Welt aus Musik.”
Von der Jahrhundertwende in die Nachkriegszeit
Damit hängt die zweite große Abweichung von der Vorlage zusammen. Lewis’ Roman spielt um 1900; Gerwig verlegt die Handlung in das Großbritannien der Fünfzigerjahre. Digory und Polly sind damit Kinder jener Generation, aus der die Rockhelden der Siebziger hervorgingen – und das ist genau der Punkt.
„Sie hatten dieses Verhältnis zu Schmerz und Verlust, und aus etwas so Unwirtlichem wie einem Bombenkrater haben sie ein Schloss gemacht”, sagt Gerwig über diese Jahrgänge. „Sie haben ein Universum gemacht. Etwas, in dem man leben kann.” Ihr Schlusssatz dazu klingt fast programmatisch: „Ich weiß nicht, wie man von David Jones zu David Bowie kommt, außer man war in Narnia und hat dort etwas gesehen.”
Erst 49 Tage Kino, dann Netflix
Der Film läuft am 12. Februar 2027 weltweit in den Kinos an, in IMAX und in der regulären Auswertung. IMAX-Vorpremieren gibt es bereits ab dem 10. Februar. Auf Netflix steht „Das Wunder von Narnia” dann ab dem 2. April 2027 – also rund sieben Wochen später.
Dieses Fenster ist für Netflix ungewöhnlich: Der Dienst bringt eigene Produktionen sonst nur symbolisch und für wenige Tage ins Kino, wenn überhaupt. Hier liegen knapp sieben Wochen zwischen Kinostart und Abruf. Für Deutschland kommt eine zweite Besonderheit dazu – den Kinovertrieb außerhalb Nordamerikas übernimmt Sony Pictures, Netflix selbst verantwortet nur den nordamerikanischen Start.
Was Netflix zu Wochenbeginn gezeigt hatte
Die offizielle Ankündigung des Streamers gab noch kaum Handlung preis. Zu sehen waren ein kurzer animierter Logo-Clip mit der Zeile „A universe begins” und eine Aufnahme von Gerwig am Set, fotografiert von Peter Mountain: im schweren Tweedmantel neben einer ARRI-Kamera, dahinter Oldtimer, Komparsen in Kostümen und eine praktisch gebaute Londoner Straße. Szenenbilder oder ein Teaser fehlen weiterhin – die Empire-Cover sind bis auf Weiteres der einzige Blick auf Narnia selbst. Parallel hat Netflix die offiziellen Kanäle des Films gestartet und narniafilm.com neu aufgesetzt.
Gerwig ordnete das Projekt in der Ankündigung persönlich ein. Sie habe das Buch als Kind gelesen und sich in „das wunderschön unwahrscheinliche, aber vollkommen brillante Bild eines kosmischen Löwen” verliebt, der die Welt Narnias ins Leben singt. Ein Universum, das aus Musik gebaut sei, habe immer in ihrem Herzen gewohnt. Dass sie es nun bauen dürfe, sei „die Ehre eines Lebens”.
Der Cast: zwei Neulinge, zwei Oscar-Gewinner
Im Zentrum stehen zwei unbekannte Gesichter: David McKenna und Beatrice Campbell spielen Digory Kirke und Polly Plummer, die beiden Kinder, die über die Ringe von Digorys Onkel zwischen den Welten landen. Um sie herum hat Netflix ein auffällig großes Ensemble versammelt – Emma Mackey, Carey Mulligan, Ciarán Hinds, Kobna Holdbrook-Smith, Denise Gough und Susan Wokoma, dazu Daniel Craig und Meryl Streep.
Welche Rollen Carey Mulligan und Ciarán Hinds übernehmen, ist weiterhin offen. Bei Meryl Streep, Daniel Craig und Emma Mackey hat Empire die Frage inzwischen beantwortet. Hinter der Kamera arbeitet Gerwig mit Leuten, die sie kennt: Den Score schreiben Mark Ronson und Andrew Wyatt, die schon Barbie vertont haben, die Kostüme kommen von Jacqueline Durran. Die Kamera führt Seamus McGarvey, das Szenenbild verantwortet James Chinlund, die Kreatureneffekte übernimmt Neal Scanlan – der Mann, der seit Episode VII die praktischen Star-Wars-Wesen baut.
Warum ausgerechnet dieses Buch zuerst
Netflix hält die Rechte an allen sieben Narnia-Büchern und hat Gerwig für zwei Filme verpflichtet. Dass der Auftakt nicht „Der König von Narnia” ist, sondern das nie verfilmte Prequel, löst ein praktisches Problem: Die Disney-Trilogie aus den 2000ern ist vielen noch präsent, ein direkter Vergleich wäre unvermeidlich gewesen. Das Prequel hat dagegen kein Vorbild auf der Leinwand.
Inhaltlich ist es die Ursprungsgeschichte: Wie Narnia entsteht, woher die Weiße Hexe kommt, warum ausgerechnet ein Laternenpfahl mitten im Wald steht und wie der Kleiderschrank aus dem ersten Band überhaupt in Digorys Haus gelangt. Lewis’ Reihe hat sich weltweit über 120 Millionen Mal verkauft und liegt in mehr als 60 Sprachen vor. Wie die bisherigen Verfilmungen zusammenhängen, steht in unserer Übersicht zur Reihenfolge der Narnia-Filme.
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