Resident Evil: 96 Prozent bei Rotten Tomatoes zum Kinostart

Resident Evil: 96 Prozent bei Rotten Tomatoes zum Kinostart Columbia Pictures.
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Zach Creggers Resident Evil läuft seit Donnerstag in den deutschen Kinos – und die Kritiken fallen deutlich aus: 96 Prozent bei Rotten Tomatoes, 91 Prozent beim Publikum. Was die Kritiker loben, und wo sie Einwände haben.

Zach Creggers „Resident Evil” läuft seit Donnerstag, dem 17. September 2026, in den deutschen Kinos — und die Kritiken sind da. Bei Rotten Tomatoes steht der Reboot bei 96 Prozent auf der Kritikerseite und bei 91 Prozent beim Publikum. Für eine Videospielverfilmung ist das ein Ausreißer nach oben. Constantin Film hat den Neustart des Franchise nicht nur produziert, sondern bringt ihn hierzulande auch selbst in den Verleih; in den USA läuft er einen Tag später an.

Was die Kritiker schreiben

Frank Scheck hebt im Hollywood Reporter Austin Abrams hervor: Dessen Reiz als Jedermann-Held, der sich irgendwie durch jedes Hindernis schlägt, sei ein Schlüssel zum Gelingen des Films. „Resident Evil” sei voller barocker Splattereffekte und wild ausgedachter Set-Pieces in hohem Tempo und wachse damit über seine simple Prämisse hinaus.

Brandon Yu lobt in der New York Times vor allem den Ton: ein Thriller, der so komisch wie schreckhaft sei. Cregger setze Komik nicht als Reflex ein, sondern als Werkzeug — wenn Horror aus Anspannung und Entladung bestehe, sehe er das Lachen wie den Schrei. Funktionieren könne das nur wegen Abrams: Der Film sei im Kern eine Ein-Mann-Vorstellung.

Nicht alle sind restlos überzeugt. Jesse Hassenger schreibt im Guardian, „Weapons” habe seine Wirkung gerade aus der Weigerung bezogen, sich auf eine einfache Deutung festlegen zu lassen — hier sei das weniger der Fall. Cregger arbeite über 90 Minuten daran, dass man mit Bryan mitgehe, lasse die Figur dann aber ein Stück vor dem Ziel stehen. Tom Jorgensen empfiehlt bei IGN gerade den Skeptikern, ihre Erwartung an eine „richtige” Resident-Evil-Verfilmung beiseitezulegen: Cregger adaptiere den Geist der Spiele, nicht ihren Buchstaben, und verwandle klassische Gameplay-Momente in Horror-Beats, die weit über Fanservice hinausgingen.

Die ersten Stimmen aus Austin

Vorausgegangen war die Premiere: Der Film lief als Gala-Screening auf dem Fantastic Fest in Austin, keine zwei Tage vor dem deutschen Kinostart. Sony hatte den Gästen erlaubt, nach der Vorführung kurze Einschätzungen zu veröffentlichen; die ausführlichen Kritiken blieben laut dem Hollywood Reporter bis zum 16. September gesperrt. Was in der Nacht durchkam, war fast durchweg Zustimmung — und zwar in einer Deutlichkeit, die bei einer Videospielverfilmung selten ist.

Mehrere Kritiker nennen den Film die beste Videospielverfilmung, die sie bislang gesehen haben. Rotten-Tomatoes-Kritiker EJ Moreno spricht von einem Horror-Blockbuster, den man auf der größten verfügbaren Leinwand und mit großem Publikum sehen müsse. Sein Kollege Mark Cassidy schreibt in der Zusammenstellung von Variety, Cregger habe die bislang werktreueste Fassung abgeliefert: sehr blutig, sehr komisch. Kellvin Chavez von SplashReport nennt den Reboot den besten Film der Reihe und hebt die Kreaturenentwürfe hervor, die ihn an John Carpenters „Das Ding aus einer anderen Welt” erinnern.

Zwei Punkte tauchen in fast jeder Wortmeldung auf: das Tempo und der Humor. Der Film nehme vom ersten Bild an den Fuß nicht vom Gas, heißt es mehrfach, und Austin Abrams werde als hoffnungslos überforderter Kurierfahrer Bryan durchweg gelobt. Ganz einhellig ist das Echo nicht — einzelne Stimmen finden die zweite Hälfte zäher als die erste. Bei einer Laufzeit von rund 90 Minuten fällt das weniger ins Gewicht als bei den ausufernden Vorgängern.

Was ein wohlwollendes Genre-Festival nicht ausräumen konnte, ist der Streit, der den Film seit Monaten begleitet: Figuren aus den Spielen kommen nicht vor, weder Leon S. Kennedy noch Jill Valentine. Cregger hat das mehrfach verteidigt und angekündigt, dass dieser Reboot das erste und letzte Franchise bleibt, das er anfasst.

Ein Kurierfahrer, ein Paket, eine Nacht

Die Handlung hat mit den Alice-Filmen von Paul W. S. Anderson nichts mehr zu tun. Im Zentrum steht Bryan, ein Kurierfahrer, der einen scheinbar harmlosen Auftrag annimmt: die Lieferung eines biomedizinischen Pakets. Was wie ein gewöhnlicher Arbeitstag beginnt, kippt innerhalb einer einzigen Nacht – kein Ausweg, kein Rückweg, so beschreibt es Constantin Film in der offiziellen Ankündigung.

Austin Abrams spielt Bryan. An seiner Seite stehen Paul Walter Hauser, Zach Cherry, den du aus „Fallout” und „Severance” kennst, Kali Reis und Johnno Wilson. Regisseur Zach Cregger hat den Ansatz mehrfach als Horror statt Action beschrieben: keine choreografierten Zombie-Ballette, sondern eine Nacht, die sich um die Figuren zuzieht.

Resident Evil – offizieller Trailer von Constantin Film

Cregger nach „Barbarian” und „Weapons”

Zach Cregger ist der eigentliche Grund, warum dieser Reboot anders beobachtet wird als der letzte. 2022 landete er mit „Barbarian” einen Überraschungserfolg, der Horrorfans vor allem deshalb im Gedächtnis blieb, weil der Film seine Regeln mitten im Lauf umwarf. Mit „Weapons” legte er nach; TheWrap führt den Film als oscarprämierte Vorgängerarbeit, an die „Resident Evil” direkt anschließt.

Das Drehbuch hat Cregger gemeinsam mit Shay Hatten geschrieben, der zuvor an „John Wick: Kapitel 4” und an Zack Snyders „Army of the Dead” beteiligt war. Produziert wird der Film von Constantin Film zusammen mit Vertigo Pictures, PlayStation Productions, Columbia Pictures und Davis Films; unter den Produzenten stehen Robert Kulzer, Cregger selbst, Roy Lee und Miri Yoon, als Executive Producer unter anderem Oliver Berben und Victor Hadida.

Nach den Testvorführungen flogen die Witze heraus

Eine Woche vor dem deutschen Start hat Cregger dem Hollywood Reporter erzählt, was die Testvorführungen am Film verändert haben – und es ist die größte Eingriffsstelle, von der bislang bekannt ist. Das Publikum habe den Film gemocht, ihn aber für zu komisch gehalten. „Im Laufe meiner Tests habe ich so viele Witze herausgenommen, wie es nur ging”, sagt Cregger. Danach habe nicht nur das Publikum den Film mehr gemocht, sondern er selbst auch: Ein wenig Humor reiche in einem Horrorfilm weit, und es gebe keinen einzigen gestrichenen Gag, den er vermisse.

Für Cregger ist das eine bemerkenswerte Kurskorrektur. „Barbarian” und „Weapons” lebten gerade davon, dass Schrecken und Komik sich gegenseitig nicht im Weg standen; bei „Resident Evil” hat sich dieses Verhältnis in den Tests als schiefer erwiesen als gedacht. Wer den Regisseur für seine Gratwanderung schätzt, bekommt hier also den härteren Cregger – nach eigener Aussage ohne Verlust.

Keine Figuren aus den Spielen – und Creggers erstes und letztes Franchise

Im selben Gespräch bestätigt Cregger, was Teile der Fangemeinde seit Monaten kritisieren: In seinem Film kommt keine der bekannten Spielfiguren vor, auch Leon S. Kennedy nicht. Er unterscheidet zwei Sorten Fans – solche, die wie er das Spielgefühl lieben, und solche, die an Lore, Figuren und Details der Vorgeschichte hängen. Für die zweite Gruppe habe sein Film wenig zu bieten, und das wisse er. „Wenn ich versuchte, allen zu gefallen, würde ich am Ende niemandem gefallen”, sagt er.

Den Gegenwind nimmt er hin, überrascht ist er nicht: Er habe gewusst, worauf er sich einlässt, und wolle jetzt nicht so tun, als träfe ihn das Erwartbare unerwartet. Folgen hat der Streit trotzdem. Cregger hat bereits erklärt, „Resident Evil” werde das erste und letzte Franchise bleiben, das er anfasst; wie groß der Appetit auf Geschichten mit den Altbekannten ist, habe er unterschätzt. Sein nächster Film ist wieder ein eigener Stoff: das von Steven Spielberg produzierte Science-Fiction-Projekt „The Flood”.

Dritte Person wie im Spiel – und ein Ende unter Verschluss

Formal lehnt sich der Film an die Vorlagen an, ohne sich an sie zu fesseln. Die vorherrschende Bildsprache ist die Third-Person-Perspektive, die die Spiele seit „Resident Evil: Afterlife” prägt; Cregger wechselt aber von Moment zu Moment in die erste Person und in die klassische Auflösung. Regeln habe er sich dafür keine gesetzt, sagt er – entschieden habe er jede Einstellung danach, was der Szene gerecht wird. Ein durchgehendes Gameplay-Stilprinzip wie in „Hardcore” sei nie zur Debatte gestanden.

Über den Schluss schwieg das Studio auffällig lange, und Cregger hielt sich daran: Er beschreibt ihn mit einem Wort als „größer”, nennt ihn überraschend und sagt, man werde verstehen, warum Sony das Ende so lange zurückhielt. Gedreht wurde unter erschwerten Bedingungen – nachts, im Schnee Nordtschechiens, mit Schneespuren, die jede zweite Aufnahme verkomplizierten. Cregger selbst war die komplette Produktion über krank: in der ersten Hälfte mit einer Lungenentzündung, in der zweiten mit einer bakteriellen Darminfektion.

Der dritte Anlauf für die Kino-Reihe

Für die Marke ist es der dritte Anlauf im Kino. Nach den sechs Milla-Jovovich-Filmen zwischen 2002 und 2016 versuchte sich 2021 „Resident Evil: Welcome to Raccoon City” an einer werktreueren Lesart und blieb kommerziell blass; parallel lief bei Netflix eine Serienadaption, die es nur auf eine Staffel brachte. Welche Filme in welcher Reihenfolge zusammengehören, findest du in unserer Übersicht zur Resident-Evil-Filmreihe.

Dass Constantin Film diesmal selbst produziert und verleiht, ist dabei keine Randnotiz: Die Münchner halten die Filmrechte am Franchise seit dem ersten Teil und haben jede Kinoverwertung mitverantwortet. Der Reboot ist damit weniger ein Bruch mit der Vergangenheit als ein Neustart unter denselben Rechteinhabern – nur mit einem Regisseur, der aus dem Independent-Horror kommt statt aus dem Action-Fach.

Ein Genre-Herbst mit deutschem Bezug

Das Fantastic-Fest-Programm ist auch sonst für den deutschen Kinoherbst relevant. Zum Auftakt lief die Weltpremiere von „Beware Boiúna”, einem Riesenschlangen-Film von Mike P. Nelson – den Constantin Film am 8. Oktober 2026 in die deutschen Kinos bringt. Dazu kamen die US-Premiere der ersten beiden Folgen von Mike Flanagans „Carrie”-Serie für Prime Video und eine Ehrung für Walter Hill, den Co-Autor und Produzenten von „Alien”.

Für „Resident Evil” heißt das vor allem eines: Der Film startet in ein Umfeld, in dem Genre-Kino gerade außergewöhnlich gut läuft. Ob der Reboot davon profitiert, entscheiden jetzt die ersten Kinowochen.

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