Nur eine DCU-Serie in Entwicklung? HBO zählt die Hälfte nicht mit
Casey Bloys nennt Gorilla Grodd die einzige DCU-Serie in aktiver Entwicklung. Seine Aussage gilt aber nur für Realserien – im Gezeichneten liegen neun Projekte, und James Gunn hat im August eines davon persönlich bestätigt.
HBO-Chef Casey Bloys hat vergangene Woche eine Zahl genannt, die hart klingt: Von James Gunns DC-Serienplan sei derzeit genau ein Projekt in aktiver Entwicklung, „The People v. Gorilla Grodd”. Auf die Nachfrage, ob sonst noch etwas laufe, antwortete er knapp: nicht im Moment. Der Satz stimmt – und er blendet die Hälfte des Bildes aus.
Denn Bloys wurde nach Realserien gefragt, und er hat über Realserien geantwortet. Neben diesem einen Titel liegen bei DC Studios und Warner Bros. Animation neun weitere Serien in Arbeit – alle gezeichnet. Eine davon hat Gunn im August eigens für lebendig erklärt, nachdem zwei Jahre lang nichts zu ihr kam.
Was Bloys gezählt hat – und was nicht
Seine Unterscheidung war ausdrücklich: Man lese über Projekte in der Entwicklung und halte sie fälschlich für bestellte Serien. Entwicklung heiße, dass man Dinge ausprobiere – und dass eben nicht alles durchkomme. Wir haben seine Aussage und den Drehstart von Gorilla Grodd in einem eigenen Artikel aufgeschlüsselt.
Im Realfilm-Fernsehen ist die Lage damit täuschend dünn: Eine Amanda-Waller-Serie und ein auf Themyscira angesiedeltes Wonder-Woman-Prequel sind im August aus der Entwicklung gefallen. „Lanterns” hat den besten DC-Serienstart in der Geschichte von HBO Max hingelegt und ist bis heute nicht für eine zweite Staffel bestellt. Übrig bleibt eine achtteilige Mockumentary über einen angeklagten Gorilla.
Der Block, den die Zahl nicht erfasst
Am weitesten ist „Creature Commandos”. Die zweite Staffel soll im kommenden Jahr bei HBO Max laufen und das Finale der ersten aufgreifen, in dem die Bride die Führung des Teams übernimmt; King Shark, Khalis und Nosferata sollen dazustoßen. Die größte Veränderung liegt hinter der Kamera: Gunn schreibt die Serie nicht mehr selbst, ein größeres Autorenteam übernimmt.
Daneben steht „Mister Miracle” von Comicautor Tom King, ausdrücklich Teil des Kanons, mit Darkseid als Hauptgegner und einer Einschätzung Kings, es könne 2027 werden. Fester terminiert ist „My Adventures with Green Lantern”, der Nachfolger der dreistaffligen Serie „My Adventures with Superman”: Im Mittelpunkt steht Jessica Cruz, gesprochen von Auliʻi Cravalho, angepeilt ist Ende 2027 oder Anfang 2028.
Zwei weitere laufen im Elseworlds-Zweig, also neben der Hauptzeitlinie: „DC Super Powers” um Nachwuchshelden an einer Heldenschule, mit Guy Gardner, Jesse Quick und Aquagirl als Schülern und Superman und Wonder Woman als Lehrern – und „Starfire”, in dem die Prinzessin von Tamaran ihren Heimatplaneten verlässt. Bei Starfire lief die Produktion im Sommer bereits.
Gunn im August: Die Blue-Beetle-Serie lebt
Der Beleg dafür, dass dieser Block nicht nur auf dem Papier steht, kam am 6. August 2026. Ein Nutzer fragte Gunn bei Threads nach der animierten Blue-Beetle-Serie – seit der ersten Meldung 2024 war es still um sie geworden. Gunns Antwort bestand aus einem Halbsatz: Sie sei weiterhin sehr wohl in Entwicklung.
Hinter dem Projekt steht ein komplettes Team. Miguel Puga, der zuvor „Die Casagrandes” verantwortete, ist als Showrunner und Regisseur gesetzt, Cristian Martinez schreibt. Als ausführende Produzenten sind Angel Manuel Soto und Gareth Dunnet-Alcocer an Bord – Regisseur und Drehbuchautor des Kinofilms „Blue Beetle” von 2023. Xolo Maridueña übernimmt seine Rolle als Jaime Reyes wieder.
Zeitlich passt das: Maridueña kehrt ohnehin ins neue Universum zurück, er ist in „Man of Tomorrow” dabei, dem Nachfolger von „Superman”, der am 8. Juli 2027 in die deutschen Kinos kommt. Seine Rückkehr in den Film war im Juli bestätigt worden. Einen Sendeplatz, einen Termin oder Story-Details nannte Gunn allerdings nicht – und daran hat sich seither nichts geändert.
Drei ohne Termin, eine schon auf Sendung
Im Sommer kamen beim Animationsschaufenster von Warner Bros. in Annecy gleich drei Ankündigungen auf einmal dazu: „Absolute Batman” nach der gleichnamigen Comicreihe, „Joker: Laugh Riot” in einem an Anime angelehnten Stil, in dem der Joker den Mörder seines größten Gegenspielers jagt, und eine weitere Serie um Krypto. Termine gibt es für keine der drei.
Bereits auf Sendung ist dagegen „Krypto Saves the Day!” – Kurzfolgen um Supermans Hund, deren zweite Staffel derzeit bei HBO Max, auf YouTube und bei Cartoon Network im Monatsrhythmus erscheint. Sie zählt in Bloys’ Rechnung genauso wenig mit wie die neun Projekte davor.
Was sich daraus ablesen lässt, ist keine Absage an die Realserie, sondern eine Verschiebung des Schwerpunkts. Der bestätigte Kinoplan von DC Studios endet vorerst mit „Clayface” im Oktober, „Man of Tomorrow” im kommenden Sommer und Matt Reeves’ „The Batman: Part II” im Jahr 2028. Animation ist der schnellere und günstigere Weg, Figuren in den Lücken dazwischen im Gespräch zu halten – und offenbar der Weg, für den sich Gunn und Peter Safran im Fernsehen entschieden haben. Wie die Serien zum Rest des Universums stehen, zeigt unsere Übersicht der DCU-Serien.
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