Drei Monate Casting: Wie James Watkins seinen „Clayface“ fand
Regisseur James Watkins hat Tom Rhys Harries für „Clayface“ drei Monate lang vorsprechen lassen. Peter Safran nennt den rund 30 Millionen Dollar teuren Film einen Horrorfilm im DC-Gewand. Kinostart ist der 22. Oktober.
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Für die Titelrolle in „Clayface” hat Regisseur James Watkins so lange gesucht wie noch nie. „Ich habe ihn bis zum Gehtnichtmehr vorsprechen lassen”, sagte Watkins bei der Weltpremiere in Los Angeles gegenüber The Hollywood Reporter über Tom Rhys Harries. „Ich glaube, ich habe noch nie jemanden so oft vorsprechen lassen.” Der Waliser habe sofort „etwas gehabt”, das Watkins aber erst ergründen wollte.
Fünf Tage vor dem deutschen Kinostart am 22. Oktober 2026 geben Regisseur, Hauptdarsteller und DC-Studios-Chef Peter Safran damit einen ungewöhnlich offenen Einblick in die Entstehung des Films – vom langen Casting bis zum vergleichsweise kleinen Budget.
Drei Monate, zwei Screentests: So kam Tom Rhys Harries zur Titelrolle
Harries selbst beschreibt das Verfahren als Marathon. „Es zog sich über drei Monate, und ich habe zwei ziemlich lange Screentests mit James gemacht”, erzählte er The Hollywood Reporter. Gestört hat ihn das nicht: Weil er in diesem Genre noch unerprobt sei, habe er die gemeinsame Probenzeit als Vorteil gesehen. So habe man die Figur schon ausarbeiten können, bevor der Dreh begann.
Die Rolle verlangt viel. Harries spielt den Schauspieler Matt Hagen, der nach einem Angriff entstellt wird und sich einer experimentellen Behandlung unterzieht – und danach als formbares Wesen weiterlebt. Co-Star Naomi Ackie, die die Wissenschaftlerin hinter dieser Behandlung spielt, lobt ihn dafür: Harries müsse durch unzählige Verwandlungen gehen und dabei die Gefühle der Figur über den ganzen Film halten, damit das Publikum ihm trotzdem die Daumen drückt. „Wenn die Leute den Film sehen, werden sie verstehen, warum”, sagte Ackie.
Die schwierigste Szene lag für Harries ganz am Ende des Drehs: Er habe in einer Menge Schleim und Matsch gelegen und sei „auf den letzten Beinen” gewesen. Produzentin Lynn Harris, die Partnerin von Matt Reeves, betonte, dass der Film die Geschichte aus Hagens Perspektive erzählen soll – mit Empathie für einen ganz normalen Mann, der eine fatale Entscheidung trifft.
Safran: Ein Horrorfilm im DC-Gewand
Peter Safran ordnet „Clayface” bewusst als Genrefilm ein. Ein DC-Programm solle eine „enorme Bandbreite an Tonlagen, Größenordnungen und Budgets” haben, sagte er bei der Premiere. Dass man einen reinen Body-Horror-Film mit DC-Logo machen dürfe, sei „ein wahr gewordener Traum”. Wer die Figur oder die Comics nicht kenne, verpasse nichts: „Du wirst ihn einfach als großartigen Horrorfilm lieben.”
Wie klein dieser Rahmen ist, zeigt das Budget: Laut The Hollywood Reporter soll der Film rund 30 Millionen Dollar gekostet haben – ein Bruchteil dessen, was Superheldenfilme sonst verschlingen. Watkins selbst gibt sich gelassen: Er möge Horror, „der den Leuten unter die Haut geht”, nicht nur Jumpscares. „Was ist nachvollziehbarer als unsere Angst davor, was mit unserem Körper passieren kann?”
Das Gotham aus „Clayface” ist nur der Startpunkt
Das Gotham aus „Clayface” gibt den Ton vor – ein Bauplan für alle kommenden Batman-Filme im DCU ist es aber nicht. Das hat DC-Studios-Co-Chef Peter Safran in einem Interview mit IGN klargestellt, über das ScreenRant berichtet. Künftige Filmemacher sollen die Stadt als Ausgangspunkt nehmen und ihr trotzdem einen eigenen Look geben dürfen. Eines werde sich dabei nicht ändern: Gotham bleibt dreckig.
Damit beantwortet Safran wenige Tage vor dem Kinostart eine Frage, die seit den ersten Bildern im Raum steht: Ist das Gotham von Regisseur James Watkins schon die Stadt, in der der DCU-Batman in „The Brave and the Bold” unterwegs sein wird? Die Antwort lautet: zum Teil.
Safran: Gotham wird nicht plötzlich Paris
Laut ScreenRant sagte Safran gegenüber IGN: „Wir haben immer gesagt, dass es eine Konsistenz im Look gibt. Aber der nächste Filmemacher, der sich Gotham vornimmt, kann es als Ausgangspunkt nehmen – die Filme können sich alle unterschiedlich anfühlen.” Jeder Film solle die Vision seines Regisseurs widerspiegeln, so wie Comicautoren dieselben Figuren in derselben Welt ganz unterschiedlich erzählen.
Die Grenze zieht Safran beim Grundcharakter der Stadt: „Gotham ist ein raueres, dreckigeres Pflaster als zum Beispiel Coast City, und ich glaube nicht, dass Gotham plötzlich zu Paris wird.” Das werde immer gleich bleiben. Watkins habe das Düstere und Raue gut herausgearbeitet und zugleich einen Blick auf die andere Seite erlaubt – etwa in Matt Hagens Wohnung, bevor er dort hinausgeworfen wird. Dort zeige sich, was Geld in Gotham kaufen kann, mit einer Eleganz im Stil der Beaux-Arts-Architektur.
Für „The Brave and the Bold” unter Regie von Andy Muschietti heißt das: Das Stadtbild aus „Clayface” ist gesetzt, die Handschrift des Films aber nicht. Wer Batman im DCU spielen wird, ist weiterhin offen, und auch Safran nennt keinen Namen und keinen Termin.
Was James Watkins über das Gotham des DCU verrät
Batman taucht in „Clayface” nicht auf – und soll trotzdem in jeder Szene zu spüren sein. Regisseur James Watkins hat im Interview mit dem Magazin SFX beschrieben, wie er das Gotham des neuen DC-Universums angelegt hat: korrupt, verdreckt, erdrückend. „Du bist in einer Stadt namens Gotham. Also spürst du den Schatten der Fledermaus wohl automatisch”, sagt Watkins.
Als Vorbild nennt Watkins die Straßenfotografie der 1980er und 1990er Jahre, vor allem die Arbeiten aus der Dokumentation „Everybody Street”. Sie fange „den derben Glamour von New York” ein, „ein bisschen kantig, ein bisschen exzentrisch, ein bisschen bedrohlich, mit satten Farben”. Genau diese Mischung soll Gotham tragen – keine gotische Fantasiestadt, sondern eine Großstadt, die erkennbar an New York erinnert und dabei aus dem Leim geht.
Wie dieses Gotham aussehen soll, beschreibt Watkins ohne Umschweife: „Wir wollen, dass die Welt korrupt ist. Wir wollen eine Stadt, in der der Müll nicht abgeholt wird, in der man den Verfall spürt, in der es Dreck gibt und die Häuserschluchten einen erdrücken.” Das passt zum Ton des Films, der als Body-Horror mit R-Rating angelegt ist und sich damit klar vom hellen Grundton von Gunns Superman-Film absetzt.
Freie Hand hatte Watkins dabei nach eigener Aussage auch. Er sei „überhaupt nicht im Kleinen gesteuert” worden und habe „echte Unterstützung” von James Gunn und DC Studios bekommen – bemerkenswert für einen Film, der das Stadtbild für alles Weitere rund um Batman im DCU festlegt.
Batman fehlt – und ist trotzdem da
Einen Auftritt des Dunklen Ritters stellt Watkins nicht in Aussicht. Für die Rolle ist im DCU bislang auch niemand besetzt; zu sehen war Batman bisher nur als flüchtige Silhouette in „Creature Commandos”. Die Figur existiert in dieser Welt aber bereits – „Clayface” spielt chronologisch vor den Ereignissen der Animationsserie.
Watkins löst das über die Stadt selbst: Wer in Gotham unterwegs sei, spüre die Fledermaus „wegen der Natur des Ortes”, an dem man sich befindet. Für die Fan-Frage nach einem Cameo heißt das: eher nicht. Für den geplanten Batman-Film „The Brave and the Bold” heißt es, dass dessen Gotham in „Clayface” zum ersten Mal Gestalt annimmt.
Das Poster mit der Skyline
Mitte September hatte DC Studios ein drittes Poster zu „Clayface” veröffentlicht – das erste, auf dem Gotham City zu sehen ist. Aus der zerlaufenden Haut von Matt Hagen formt sich die Silhouette der Stadt, dazu die Zeile „Look fear in the face”. James Gunn hat das Motiv selbst auf X geteilt.
Gotham ist im DCU bislang eine Randnotiz. Ein erster Blick auf die neu entworfene Stadt tauchte in „Creature Commandos” auf, als Hintergrund für die Vorgeschichte von Doctor Phosphorus. „Clayface” ist der erste Realfilm, der dort spielt – und liefert damit das Stadtbild, an dem sich alles Weitere messen lassen muss.
Auffällig ist, was auf dem Motiv fehlt: kein Fledermaus-Symbol, kein hervorgehobenes DC-Logo, kein Hinweis auf ein größeres Universum. Das Marketing zielt erkennbar auf ein Horrorpublikum statt auf Superheldenfans – und Watkins’ Aussagen bestätigen, dass der Film diese Linie auch inhaltlich hält.
Body-Horror statt Helden-Humor
„Clayface” rückt den Gestaltwandler Matt Hagen in den Fokus, gespielt von Tom Rhys Harries. Nach einem entstellenden Unfall durchleidet der gescheiterte Schauspieler ein Identitätsdrama voller Body-Horror. Der Film trägt ein R-Rating und markiert damit einen deutlichen Tonwechsel für das DCU.
James Gunn macht damit klar: Sein Universum besitzt abseits von Superman und Supergirl dunkle Abgründe. Chronologisch ist „Clayface” zudem der früheste Film des neuen DCU – wer am 22. Oktober ins Kino geht, sieht also den Anfang der Zeitlinie.
Der erste komplette Trailer
Am 22. Juli 2026 hat DC Studios den ersten vollständigen Trailer zu „Clayface” veröffentlicht – und er löst das Body-Horror-Versprechen sichtbar ein. Der Clip zeigt Matt Hagen, der nach einem Messerangriff schwer entstellt im Krankenhausbett landet und dort eine experimentelle Behandlung mit mysteriösen Chemikalien erhält. Was zunächst wie Rettung wirkt, kippt in einen Albtraum: Hagens Gesicht verformt sich in rasender Folge, bis sein Körper zu formbarem Lehm zerfließt.
Regie führt James Watkins, das Drehbuch stammt von Mike Flanagan und Hossein Amini. Neben Tom Rhys Harries in der Titelrolle stehen unter anderem Naomi Ackie, Max Minghella, Eddie Marsan und David Dencik vor der Kamera. In den deutschen Kinos läuft „Clayface” am 22. Oktober 2026 an.
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