Paramount nennt den Termin: Warner-Übernahme soll in zwei Wochen stehen
David Ellison hat der Belegschaft mitgeteilt, dass die Übernahme von Warner Bros. Discovery in rund zwei Wochen abgeschlossen sein soll. Der Vergleich mit zwölf Bundesstaaten liegt vor – samt Strafklausel: Miramax.
Zwei Wochen, dann ist der größte Zusammenschluss der Hollywood-Geschichte vollzogen: David Ellison hat der Belegschaft von Paramount in einem internen Memo mitgeteilt, dass der Abschluss der Übernahme von Warner Bros. Discovery „vorläufig in ungefähr zwei Wochen” geplant sei. Zuvor hatte sich der Konzern mit zwölf US-Bundesstaaten verglichen und damit das letzte juristische Hindernis beseitigt.
Für Genre-Fans ist das keine Randnotiz aus dem Wirtschaftsteil. Unter einem Dach landen damit das DC-Universum, die Wizarding World rund um Harry Potter, Game of Thrones, Dune, der komplette HBO-Katalog – und auf der anderen Seite Star Trek, Transformers und Mission: Impossible. Wer entscheidet, welche dieser Marken in den nächsten Jahren Geld bekommt, ist ab dann dieselbe Person.
Ellison: „Der Abschluss ist erst die Startlinie”
Ellison dämpfte in seinem Memo zugleich die Erwartung, dass mit dem Stichtag alles geklärt sei. „Der Abschluss ist wirklich erst die Startlinie”, schrieb er. „Zwei Unternehmen dieser Größe zusammenzuführen braucht Zeit.” Öffentlich wurde er deutlicher: Man habe „vollständige Freigabe für diese Fusion”.
Eine der offenen Fragen hat er in derselben Woche beantwortet – und zwar die, mit der er zuvor Druck auf Kalifornien gemacht hatte. Der Hauptsitz des fusionierten Konzerns bleibe in Los Angeles: „Wir gehen nirgendwohin. Unsere Geschichte ist hier, und hier wird unsere Zukunft gebaut.” Ellison hatte zuvor damit gedroht, den Studiobetrieb nach Texas oder Tennessee zu verlegen, sollte bis zum 1. Oktober kein Vergleich stehen.
Kaliforniens Generalstaatsanwalt Rob Bonta, der die Koalition der zwölf Staaten angeführt hatte, stellte vor der Presse klar, wie er den Vergleich verstanden wissen will: „Diese Einigung ist kein Vertrauensbeweis für diese Fusion. Sie ist kein Segen für den Zusammenschluss.” Sein Maßstab war ein anderer Deal: Die Vereinbarung sei „das Gegenteil von Disney-Fox”, wo nach der Fusion die Zahl der produzierten Filme massiv eingebrochen sei.
Was im Vergleich tatsächlich steht
Der Entwurf des Consent Decree liegt inzwischen vor, und die Kernpunkte sind schnell erzählt. Paramount verpflichtet sich, seine Studiogelände nicht zu verkaufen und zusätzlich 300 Millionen Dollar in US-Filmproduktion zu investieren. Für CNN und CBS News entsteht ein Gremium für redaktionelle Unabhängigkeit. Der kostenlose Streamingdienst Pluto TV wird eigens geschützt und darf nicht abgewickelt werden.
Die schärfste Klausel betrifft die Zahl der Kinofilme. Ellison hatte 30 Starts im Jahr zugesagt – hält der Konzern das nicht ein, muss er Miramax abgeben. Das ist keine Geldstrafe, sondern ein struktureller Eingriff, und der Unterschied ist erheblich: Eine Summe lässt sich einpreisen, ein Studioverkauf nicht. Nach einem Bericht von Deadline dürfte Paramount die Vorgabe ohnehin übertreffen, weil für 2027 bereits ein Programm mit 36 Filmen in Arbeit ist.
Parallel hat auch die Drehbuchautoren-Gewerkschaft WGA ihre Kartellklage beigelegt. Der Preis dafür: fünf Jahre lang keine Entlassungen von Autorinnen und Autoren bei CBS News sowie 17,5 Millionen Dollar für den Gesundheitsfonds der Gewerkschaft. Kabelsender muss Paramount entgegen langer Spekulationen nicht verkaufen.
Sieben Millionen Dollar am Tag
Der Zeitdruck kam aus dem Vertrag selbst. Ab dem 1. Oktober hätte Paramount eine sogenannte Ticking Fee an Warner zahlen müssen: 25 Cent je Aktie und Quartal, umgerechnet rund 7 Millionen Dollar pro Tag oder 650 Millionen im Quartal, so lange der Deal nicht abgeschlossen ist. Bis zum eigentlich angesetzten Prozesstermin im März 2027 hätte das laut Deadline an die zwei Milliarden Dollar gekostet.
Das Los Angeles Economic Development Corporation hatte den möglichen Schaden eines Wegzugs auf bis zu 21,2 Milliarden Dollar Wirtschaftsleistung und knapp 58.000 Vollzeitstellen im Jahr beziffert. Bonta hatte bis zuletzt auf strukturelle Zugeständnisse bestanden – und sie am Ende auch bekommen, wenn auch kleinere, als die Gegner der Fusion gefordert hatten.
International war Paramount schon vorher geliefert
Außerhalb der USA standen die Bedingungen bereits fest. Der Konzern muss seinen Anteil am Vertriebs-Joint-Venture United International Pictures binnen 13 Monaten abgeben und darf zehn Jahre lang keine gemeinsamen Kinostarts mit Universal im Europäischen Wirtschaftsraum vereinbaren.
In Großbritannien sicherte Paramount der Regierung zu, lineare Sender nicht mit den Streamingdiensten zu verschmelzen, die redaktionelle Unabhängigkeit der Nachrichten- und Kindersender zu wahren und Channel 5 zusätzlich zu finanzieren. Zuvor hatte der Deal bereits Regulierer in 68 Rechtsräumen passiert, zuletzt am 17. September die US-Medienaufsicht FCC.
Was das für DC, HBO und Star Trek heißt
Paramount hatte im Februar 31 Dollar je Aktie geboten, was Warner Bros. Discovery mit 81 Milliarden Dollar Eigenkapital und rund 110 Milliarden Dollar Unternehmenswert bewertete. Finanziert wurde das mit 47 Milliarden Dollar Eigenkapital und 54 Milliarden Dollar Fremdkapital – ein Schuldenberg, der den zusammengeführten Konzern auf geschätzte 80 Milliarden Dollar Verbindlichkeiten bringt. Sparzwang ist damit eingebaut, und die Frage, welche Franchises ihn spüren, ist offen.
Bei DC hatte James Gunn den Verdacht, die Fusion lege Projekte auf Eis, im August ausdrücklich dementiert. Kurz zuvor waren allerdings die Serien Waller und Paradise Lost gestrichen worden, und die DC Studios verschoben ihre Kraft zurück ins Kino. Welche neun Marken das neue Imperium tragen sollen, haben wir bereits im Frühjahr in einer Übersicht eingeordnet.
Der Widerstand bleibt laut
Die Gegner der Fusion reagierten wütend. „Wag es ja nicht, einzuknicken”, hatte Mark Ruffalo den Generalstaatsanwalt noch am Wochenende öffentlich aufgefordert; nach der Einigung warf er Gouverneur Gavin Newsom vor, einen „riesigen Sieg” verschenkt zu haben. Senator Cory Booker hatte von den Staaten verlangt, hart zu bleiben. Mehr als 5.000 Schauspielerinnen und Schauspieler, darunter Jane Fonda, hatten einen offenen Brief gegen den Deal unterzeichnet; SAG-AFTRA und die Teamsters stellten sich ebenfalls dagegen.
Die Koalition Block the Merger nannte sich „enttäuscht” und „wütend” und kündigte an, das sei „nicht das Letzte”, was man von ihr höre. Alvaro Bedoya von der American Economic Liberties Project nannte die Einigung einen Sieg der Milliardäre. Paramount hält dagegen, die Fusion sei wettbewerbsfördernd und verschaffe dem Konzern überhaupt erst eine Chance gegen Netflix und Amazon.
Wie es weitergeht
Mit dem Abschluss beginnt die eigentliche Arbeit: Zwei Konzerne mit doppelt besetzten Abteilungen, zwei Filmstudios mit teils konkurrierenden Startplänen und die Frage, wer künftig Warner Bros. Pictures führt. Über all das ist bislang nichts entschieden.
Was der Zusammenschluss konkret für die Startpläne von DC, für die HBO-Serie zu Harry Potter oder für die Zukunft von Star Trek bedeutet, wird sich erst zeigen, wenn der neue Konzern seine Prioritäten benennt. Bis dahin gilt: Das juristische Hindernis ist weg, der Termin steht – die inhaltlichen Fragen sind es nicht.
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