Lanterns: Sheriff Kerry Kane und die Gotham-Spur zu Batmans Familie
Folge 5 macht Sheriff Kerry Kane zur Ausreißerin aus Gotham. Ihr Nachname gehört in den DC-Comics zu Batmans Familie – und Kelly Macdonald sagt, die Serie werde das nicht auflösen. Was belegt ist und was offen bleibt.
„Lanterns” ist mit Folge 5 über die Halbzeit hinaus — und die Episode räumt auf. In den USA lief sie am Sonntagabend, dem 13. September 2026, in Deutschland ist sie seit Montag, dem 14. September, bei HBO Max abrufbar. Am Ende der Stunde ist der Manhunter tot, Rushville liegt in Trümmern, und John Stewart hält den Ring in der Hand, den er die ganze Staffel über wollte. Er gibt ihn zurück. Der Auftakt der Folge führt dabei an einen Ort, den die Serie bislang nur erwähnt hat: nach Gotham City.
Ab hier stehen Spoiler zu Folge 5. Wir hatten vor der Ausstrahlung fünf Fragen sortiert, die Folge 4 offengelassen hatte. Drei davon beantwortet diese Episode, zwei bleiben stehen. Der Reihe nach.
Kerry Kane kommt aus Gotham — und trägt einen Namen aus Batmans Familie
Die Rückblende, mit der Folge 5 beginnt, verlegt den Ausgangspunkt der ganzen Serie nach Gotham City. Kerry Kane ist dort 2007 auf der Flucht: Ihr Vater hatte eine kriminelle Organisation an die Behörden verraten, um sich eine Haftstrafe zu ersparen, und wurde dafür getötet. Die Männer, die kurz darauf im Diner von Rushville auftauchen, sollen die letzte lose Spur beseitigen — sie selbst.
Für DC-Leser steckt die eigentliche Pointe im Nachnamen. Kane ist in den Comics der Mädchenname von Martha Wayne, der Mutter von Bruce Wayne; Kate Kane, seine Cousine, wird als Batwoman zur eigenständigen Figur. Eine Sheriffin mit diesem Namen, die aus Gotham stammt, ist in einer Serie, die ein neu gestartetes Filmuniversum mit aufbaut, keine beiläufige Wahl.
Nur: Auflösen will die Serie das offenbar nicht. Kelly Macdonald, die Kerry spielt, sagt dem Hollywood Reporter, sie wisse selbst nicht, wo ihre Figur im Stammbaum steht — und die verbleibenden drei Folgen gingen darauf nicht groß ein. Mehr als den Umstand, dass ihr Vater in Gotham im Gefängnis saß, habe sie nicht gewusst. Für die Einordnung heißt das: Der Name ist gesetzt, die Verwandtschaft ist es nicht. Ein Batman-Film steht im DCU mit „The Brave and the Bold” ohnehin noch aus.
Macdonald erklärt im selben Gespräch auch, woher ihre Figur tonal kommt. Regisseur James Hawes hatte die Serie schon beim Dreh der ersten beiden Folgen mit „No Country for Old Men” verglichen, in dem Macdonald Carla Jean Moss spielt; ihr eigener Bezugspunkt war ein anderer Film der Coen-Brüder. Es sei schwer, an eine Sheriffin in einer amerikanischen Kleinstadt zu denken, ohne an Frances McDormand in „Fargo” zu denken, sagt sie. Den Western-Vergleich lässt sie gelten: Fremde kommen in eine Kleinstadt, und die Einheimischen sind alles andere als freundlich.
Jason Ritter, der Kerrys Ehemann Billy Macon spielt, widerspricht der naheliegenden Lesart, Zoe Macon habe auch diese Ehe eingefädelt. Zwischen Zoe und William Macon habe es eine transaktionale Ebene gegeben, zwischen Billy und Kerry nicht — auch wenn zuletzt einiges auseinandergefallen sei. Seine eigene Figur beschreibt er als jemanden, der ständig beiseitegeschoben wird: zu weich für das, was auf Rushville zukommt, und sich dessen bewusst.
Zoe Macon ist tot — und sie hat Abin Sur getötet
Die Episode beginnt mit einer Rückblende, die erklärt, warum eine ganze Kleinstadt einen außerirdischen Kriegsverbrecher deckt. Sheriff Kerry Kane war Jahre zuvor auf der Flucht vor Gläubigern ihres Vaters. Als zwei von ihnen sie im Diner von Rushville aufspüren, bricht Zoe Macon einem von ihnen das Genick und schickt den anderen mit der Nachricht zurück, Kerry sei tot. Der Preis: Kerry schützt Zoe, wenn es so weit ist.
Poorna Jagannathan, die Zoe spielt, beschreibt das gegenüber Variety als Muster, nicht als Einzelfall. „Ihr Überleben hängt davon ab, dass du deinem eigenen Überleben zustimmst”, sagt sie über die Abmachungen, die ihre Figur mit praktisch jedem im Ort geschlossen hat. „Es ist ein faustisches Spiel, das sie treibt.” Dass Rushville aufblüht, ist die andere Seite derselben Rechnung: Zoe heilt Krankheiten und lässt die Ernten wachsen.
Hal Jordan hat John am Ende von Folge 4 im brennenden Wagen zurückgelassen. Zoe findet ihn, wartet aber ab, bis das Auto explodiert — und bietet dem schwer verbrannten John danach einen Handel an: Sie heilt ihn, er lässt Hal sterben und meldet den Guardians, es sei alles in Ordnung. John geht darauf ein. Geheilt zieht er den Schluss, der die Vorgeschichte der Serie umschreibt: Zoe hat Abin Sur getötet, den Green Lantern, dessen Ring an Hal ging. Abin Sur wollte sie auf der Erde laufen lassen, und genau das war ihr zu riskant.
Damit ist auch die dritte unserer fünf Fragen entschieden. Antaan stürmt die Ranch von William Macon, den Zoe als falsche Fährte aufgebaut hat, tötet ihn und schneidet ihm das Herz heraus. Es kristallisiert nicht. Macon war ein Mensch — die verbreitete Theorie, er sei in Wahrheit William Hand und damit Black Hand, ist damit vom Tisch. Zoe beschießt die Stadt aus dem Orbit, um Hals Ring leerzuzwingen; am Ende sitzt John mit einem Scharfschützengewehr auf sie an und trifft sie zwischen die Augen. Das gefrorene Herz nimmt er mit.
Jagannathan liest den letzten Blick ihrer Figur gegenüber Deadline nicht als Angst, sondern als Anerkennung: John sei der einzige Mensch gewesen, den sie nie habe vorhersagen können. „Niemand hat je den Vertrag gebrochen”, sagt sie. „Am Ende ist das das Einzige, was sie töten konnte.”
Die Darsteller wussten selbst nicht, was Zoe ist
Wie streng der Twist gehütet wurde, zeigt sich an der Hauptdarstellerin selbst. Poorna Jagannathan sagt dem Hollywood Reporter, sie habe erst beim Lesen des Drehbuchs zu Folge 4 erfahren, dass Zoe Macon der letzte Manhunter ist — bei der Zusage zur Rolle wusste sie nichts davon. „Es war eine der größten Überraschungen meiner Karriere”, sagt sie. Bis dahin habe sie ihre Figur selbst für eine Art Trophy Wife gehalten und deren Platz im Gefüge von Rushville nicht einordnen können. Der Trick sei danach gewesen, dagegen anzuspielen und keine Brotkrumen auszulegen.
Garret Dillahunt, der William Macon spielt, bestätigt, dass es zwischen den beiden keine Absprache über versteckte Hinweise gab: Er habe seine Figur schlicht so menschlich wie möglich angelegt. Die Beziehung liest er nicht als Zweckbündnis. Zoe habe Macons Krebs geheilt — die Narbe des Chemo-Ports ist in der Aktszene noch zu sehen —, und der Mann, der danach übrig blieb, habe sein Leben auf ihren Schutz ausgerichtet. „Sie hat seinen Verstand und sein Bewusstsein geöffnet, wie er es sich nie vorgestellt hätte”, sagt Dillahunt. Jagannathan hält die Zuneigung zwischen beiden ebenfalls für echt.
Das letzte Telefonat zwischen Zoe und Macon nennt Dillahunt seine liebste Szene der Folge — dort sei zum ersten Mal der Mann hinter der aufgesetzten Großspurigkeit zu sehen. Und Jagannathan bestätigt, was die Rückblende im Diner nur andeutet: Der Handel mit Sheriff Kerry Kane ist kein Sonderfall, sondern das Muster. „Zoe hat diesen Vertrag wahrscheinlich mit jedem Einzelnen in dieser Stadt”, sagt sie. Genau deshalb greife der ganze Ort zu den Waffen, als es so weit ist.
Hal gegen John — ein Faustkampf ohne Ringe
Zwischen den Explosionen steht die Szene, auf die die Staffel seit Folge 1 zuläuft. John taucht im Motel auf, und die beiden prügeln sich — nicht mit Ringen, sondern als zwei Männer. Regisseurin Geeta Vasant Patel nennt sie gegenüber TheWrap ihre liebste Szene der Episode, weil sie die beiden Figuren auf den Kern herunterbricht: „Es ist nicht mehr Hal gegen John. Es ist Hal gegen seinen Schmerz und John gegen seinen Schmerz.”
Bemerkenswert ist, wie sie zustande kam. Patel erzählt, der Kampf habe sich zunächst zu ausgeglichen angefühlt — Hal dürfe hier nicht mithalten. Sie habe Kyle Chandler angerufen, um es vorsichtig anzusprechen, und der habe sofort dasselbe gedacht: „Er sollte mich fertigmachen.” Der Punkt sei gewesen, dass es sich nicht nach Superhelden anfühlen dürfe. Hal steht immer wieder auf, weil Aufgeben nicht in seinem Repertoire ist, und provoziert John damit so lange, bis der die Beherrschung verliert.
John gewinnt, nimmt Ring und Laterne an sich und läuft durch das zerstörte Rushville. Patel hat diesen Gang bewusst lang angelegt: Hals letzte Frage — war es das wert? — arbeite dabei in ihm. „Er ist ein gebrochener Mann. Das ist alles, was von ihm übrig ist”, sagt sie über die Einstellung, in der nur die Hälfte von Johns Gesicht zu sehen ist. Bei Lianna angekommen, legt er den Ring hin und geht. Er will mit dem Corps nichts zu tun haben.
Drei der fünf Fragen sind beantwortet
Beantwortet: Zoe Macon lebt nicht mehr — der Orbitschlag auf ihren Truck war tatsächlich eine Finte, ihr Tod in Folge 5 ist es nicht. William Macon war ein Mensch, sein Herz belegt es. Und John spricht den Green-Lantern-Eid nicht: Liannas Zusage aus Folge 4 läuft ins Leere, weil er den Ring gar nicht erst behalten will.
Weiter offen: Der echte Hector Hammond ist nicht aufgetaucht — der Name bleibt bei einem Ingenieur namens Hector Gutierrez, der ihn als Tarnung benutzt hat. Und wer 2026 auf der Stadiontribüne liegt, klärt diese Episode nicht. Das Prüfmittel, das sich die Serie mit dem kristallisierenden Manhunter-Herzen selbst gebaut hat, funktioniert inzwischen zweimal belegt — angewandt auf die Leiche aus dem Auftakt wurde es bislang nicht. Dazu kommt seit dieser Folge die Frage nach Kerry Kanes Platz im Kane-Stammbaum.
Wie Atlas und der falsche Hector Hammond dorthin führten
Der Weg in diese Folge führte über eine Firma. Der Orbitschlag auf Zoe Macons Truck setzt in Folge 4 eine Ermittlung in Gang, die zu Atlas, Inc. führt — einem Betreiber hochtechnisierter Schlachthöfe mit eigenen Satelliten. Als Eigentümer tritt ein Mann auf, der sich Hector Hammond nennt und behauptet, der Manhunter zu sein.
Unter Hals Nachfragen bricht die Nummer zusammen: Er heißt Hector Gutierrez, gespielt von Jason Manuel Olazábal, ist Ingenieur und hat den Namen als Tarnung übernommen. Die Satellitentechnik stammt vom Manhunter. Genau diese Satelliten sind es, mit denen Zoe in Folge 5 die Hauptstraße von Rushville in Schutt legt. Dass der Name des Gegners aus „Green Lantern” von 2011 überhaupt fällt, bleibt der auffälligste Fingerzeig der Staffel — eingelöst ist er nicht.
Was nach Folge 5 kommt
Nach Folge 5 bleiben drei Episoden; die erste Staffel umfasst insgesamt acht. Sie laufen in den USA am 20. und 27. September sowie am 4. Oktober 2026, in Deutschland jeweils einen Tag später — Folge 6 also am 21. September, das Staffelfinale am 5. Oktober. Der Versatz kommt daher, dass HBO Max neue Titel zur US-Abendzeit freischaltet.
Eine zweite Staffel ist weiterhin nicht bestellt, obwohl Folge 3 einen Serienrekord aufgestellt hat. Mit dem abgeschlossenen Erzählstrang von 2016 und einem John Stewart, der den Ring abgelehnt hat, haben die verbleibenden drei Folgen erkennbar etwas anderes vor als die ersten fünf.
Das HBO-Max-Abo gibt es in Deutschland ab 5,99 € im Monat, wahlweise im Kombi-Paket mit RTL+. Über den folgenden Button kommst du direkt zu HBO Max:
Wer die Figuren einordnen will: Den Werdegang von Hal Jordan, den Überblick zu den Green Lanterns und das Profil von Guy Gardner gibt es auf eigenen Seiten, die Einordnung der Serie in das Universum in unserer Übersicht der DCU-Serien.
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