Sony beerdigt sein Spider-Man Universe: Kein SSU-Film mehr in Entwicklung
Ausgerechnet in der Rekordwoche von „Spider-Man: Brand New Day" erklärt Sony-Chef Tom Rothman das eigene Marvel-Universum für beendet: Kein einziges Projekt sei noch in aktiver Entwicklung.
Sonys Versuch, neben Spider-Man ein eigenes Marvel-Filmuniversum aufzubauen, ist vorerst am Ende. Studio-Chef Tom Rothman hat erklärt, dass derzeit kein einziger Film aus Sony's Spider-Man Universe in aktiver Entwicklung steckt – ein bemerkenswerter Satz ausgerechnet in der Woche, in der „Spider-Man: Brand New Day" sämtliche Startrekorde pulverisiert.
Das Interview führte Variety-Redakteurin Rebecca Rubin am 3. August 2026, wenige Stunden nach dem Rekordwochenende. Rothman ließ dabei keinen Zweifel daran, dass er die Spin-off-Reihe rund um Venom, Morbius, Madame Web und Kraven the Hunter nicht mehr als zusammenhängendes Franchise betrachtet – und in absehbarer Zeit auch nichts Neues daraus plant.
„Nichts in aktiver Entwicklung"
Auf die Frage, ob Sony sein Universum aus Marvel-Figuren weiter ausbauen wolle, antwortete Rothman ausweichend und zugleich unmissverständlich: Man wisse es im Moment nicht. Man habe das Ganze ohnehin nie als „Sony-Marvel-Universum" verstanden, sondern immer nur gefragt, ob sich mit einzelnen Figuren lohnende Filme machen ließen. Und aktuell befinde sich keiner davon in aktiver Entwicklung.
Das ist mehr als eine Floskel. „In aktiver Entwicklung" ist in Hollywood ein präziser Begriff: Gemeint sind Projekte mit Drehbuchauftrag, Budget und Zeitplan. Fällt ein Stoff aus dieser Kategorie heraus, existiert er faktisch nur noch als Rechteposition in einer Tabelle. Für Figuren wie Silk, Spider-Woman, Nightwatch oder die seit Jahren herumgereichte Sinister-Six-Idee heißt das: Sie liegen auf Eis.
Die Kehrtwende zum Februar-Versprechen
Bemerkenswert ist die Aussage vor allem deshalb, weil Rothman im Februar 2026 noch etwas anderes gesagt hatte. Damals war von einem Neustart die Rede – einem frischen Reboot der Sony-Marvel-Filme mit neuen Schauspielern in den bekannten Rollen. Manche Fans lasen darin sogar die Chance auf eine Rückkehr von Andrew Garfield als Amazing Spider-Man.
Ein halbes Jahr später ist von diesem Plan öffentlich nichts mehr übrig. Ob das Reboot still beerdigt wurde oder nur so früh in der Ideenphase steckt, dass Rothman es nicht als Entwicklung zählen mag, lässt er offen. Ein Widerruf der eigenen Ankündigung ist es in jedem Fall.
Warum das SSU gescheitert ist
Die Erklärung liefert Rothman gleich mit – und sie fällt für Studio-Verhältnisse ungewöhnlich schonungslos aus. Die Venom-Trilogie mit Tom Hardy sei ein großer Erfolg gewesen, die übrigen Ableger nicht. Das Publikum habe sich mit „Kraven the Hunter" und „Madame Web" schlicht nicht zufriedengegeben. Ob dieses Urteil fair sei, spiele keine Rolle: Das Publikum sei der Chef, und es habe nicht reagiert.
Die Zahlen geben ihm recht. Während die drei Venom-Filme zusammen über 1,8 Milliarden Dollar einspielten, blieben „Morbius", „Madame Web" und „Kraven the Hunter" jeweils deutlich hinter ihren Produktionskosten zurück. Kraven wurde erst als Streaming-Titel zum Publikumsthema – ein schwacher Trost für einen Film, der fürs Kino gebaut und dort mehrfach verschoben worden war.
Was Sony stattdessen macht
Sonys Marvel-Geschäft läuft damit auf zwei Gleisen weiter, die mit dem SSU nichts zu tun haben. Zum einen die Kooperation mit Marvel Studios, aus der „Spider-Man: Brand New Day" hervorging: Der Film legte mit 360 Millionen Dollar den größten Nordamerika-Start der Kinogeschichte hin und knackte anschließend als zweitschnellster Film überhaupt die weltweite Milliardenmarke. Zum anderen die Animationsschiene um das Spider-Verse, die bei Kritik und Publikum weiter als das Beste gilt, was Sony mit der Marke anstellt.
Für einen fünften Realfilm mit Tom Holland gibt es laut Rothman bislang nur unverbindliche Gespräche, nichts Konkretes. Und fürs SSU gilt bis auf Weiteres: Die Tür ist nicht verriegelt, aber es steht niemand davor. Wer auf Silver & Black, El Muerto oder eine Sinister-Six-Verfilmung gehofft hat, wartet nach dieser Ansage auf unbestimmte Zeit weiter.
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