Supergirl: Warner nimmt Featurette nach KI-Vorwurf offline

Supergirl: Warner nimmt Featurette nach KI-Vorwurf offline Warner Bros.
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Ein Behind-the-Scenes-Video zu „Supergirl“ ist nicht mehr öffentlich abrufbar. Zuschauer hielten die darin gezeigten Lobo-Entwürfe für KI-generiert – bei einem Studio, das KI-Kunst öffentlich ausgeschlossen hat. Warner schweigt.

Warner Bros. hat ein Behind-the-Scenes-Video zu „Supergirl” auf privat gestellt, nachdem Zuschauer darin KI-generierte Konzeptkunst erkannt haben wollten. Das Featurette „Jason Momoa as Lobo / DC Dream Behind The Scenes” lag seit dem 11. August auf dem YouTube-Kanal von Warner Bros. Entertainment. Es verschwand, kurz nachdem große Film-Accounts Ausschnitte daraus verbreitet hatten.

Bestätigt ist der Vorwurf nicht. Weder Warner Bros. noch die DC Studios noch Regisseur Craig Gillespie haben sich geäußert. Belegt sind bislang zwei Dinge: Das Video existierte, und es ist nach der Kritik nicht mehr öffentlich abrufbar. Alles Weitere ist eine Zuschreibung von Zuschauern – und genau darin liegt der Reiz und das Problem dieser Geschichte.

Was in dem Featurette zu sehen ist

Die betreffende Sequenz dauert nur wenige Sekunden. Craig Gillespie und Jason Momoa stehen am Set vor einem Laptop, auf dessen Bildschirm Entwürfe für Lobos Erscheinungsbild liegen. Das Material stammt aus dem Bonusprogramm, mit dem Warner die digitale Auswertung des Films begleitet hat.

Zuschauer stützen ihren Verdacht auf drei Beobachtungen. Erstens den Look der Bilder selbst: weiche, verwaschene Übergänge und unsaubere Details an Rändern und Beschriftungen. Zweitens die Geschwindigkeit, mit der die Figur im Video verändert wird. Und drittens ein Fenster im Hintergrund, in dem rund ein Dutzend weiterer Varianten desselben Motivs zu sehen sein soll – ein Muster, das eher nach Bildgenerator aussieht als nach einer Mappe gezeichneter Entwürfe.

Ein forensischer Nachweis ist das nicht. Einschätzungen, die aus einem abgefilmten Laptop-Bildschirm heraus getroffen werden, bleiben naturgemäß unsicher, und auch der Comics Beat hält ausdrücklich fest, dass die Bilder womöglich gar nicht KI-generiert sind. Zu einem Einsatz im fertigen Film gibt es ohnehin keinerlei Hinweise – es geht ausschließlich um die Vorbereitungsphase.

Warum der Vorwurf ausgerechnet DC hart trifft

Der Vorgang wäre bei jedem Studio eine Meldung wert. Bei DC ist er mehr als das, weil sich das Haus in dieser Frage öffentlich sehr weit aus dem Fenster gelehnt hat. DC-Comics-Präsident Jim Lee sagte auf der New York Comic-Con im Oktober 2025, DC werde KI-generiertes Erzählen und KI-generierte Kunst nicht unterstützen – „nicht jetzt und nicht jemals”.

James Gunn hat sich ähnlich festgelegt. Vor dem Start von „Superman” erklärte er dem Rolling Stone, er verstehe die Angst, ersetzt zu werden und mit den eigenen Gaben übersehen zu werden – er könne sie bei Lex Luthor nachvollziehen. Zuvor hatte er KI für die DCU-Animation ausgeschlossen und sich über KI-generierte Superhelden-Entwürfe lustig gemacht. Wer so argumentiert, wird daran gemessen, sobald im eigenen Bonusmaterial etwas auftaucht, das anders aussieht.

Hinzu kommt die Figur selbst. Lobo existiert seit 1983 und hat vier Jahrzehnte Comic-Historie mit hunderten gezeichneten Interpretationen im Rücken. Dass ausgerechnet hier eine Maschine Entwürfe beigesteuert haben soll, ist der Punkt, an dem sich die Kritik festmacht – weniger die Technik als die Frage, warum man sie bei dieser Figur gebraucht haben will. Der Schutz vor genau solchen Eingriffen war 2023 einer der Streitpunkte im Doppelstreik von Autoren und Schauspielern.

Warner schweigt – und verstärkt die Sache damit

Mehrere Redaktionen haben nachgefragt. GamesRadar bat Warner Bros. um eine Stellungnahme dazu, ob die Bilder KI-generiert seien und warum das Video verschwand; eine Antwort blieb aus. Auch eine Anfrage an den beteiligten Effektbetrieb lief ins Leere. Bis heute gibt es keine Erklärung, nicht einmal ein Dementi.

Damit hat sich das Studio den klassischen Streisand-Effekt eingehandelt: Das stille Zurückziehen hat der Sache erst die Reichweite verschafft, die sie vorher nicht hatte. Solange Warner nichts sagt, bleibt offen, ob generative Werkzeuge im Spiel waren, ob es sich um eine interne Vorlage ohne Freigabe handelte oder ob am Material schlicht ein Rechteproblem hing. Erst eine Stellungnahme macht aus dem Vorwurf einen Fakt – oder erledigt ihn.

Eine Gelegenheit zur Aufklärung steht ohnehin an: Am 27. Oktober erscheint mit „From Comic to Screen: The Art of Supergirl” ein Begleitband zur Entstehung des Films. Bildbände dieser Art dokumentieren üblicherweise den Weg vom ersten Entwurf zum fertigen Bild – und würden damit zeigen, wie die Lobo-Designs entstanden sind.

Der Zeitpunkt könnte kaum schlechter sein

Für das DCU kommt die Debatte in einer ohnehin unruhigen Phase. „Supergirl” beendete seinen Kinolauf bei rund 126 Millionen Dollar weltweit, bei einem Produktionsbudget von 170 Millionen – die Gründe dafür haben wir an anderer Stelle aufgeschlüsselt. Parallel hat DC zwei Serienprojekte gestrichen, während „Lanterns” als nächster großer Auftritt des Universums startet.

Gunn und Peter Safran setzen darauf, dass „Man of Tomorrow” das Franchise 2027 wieder in die Spur bringt; Milly Alcock kehrt darin als Kara Zor-El zurück. Eine Diskussion darüber, wie sauber im eigenen Haus gearbeitet wird, ist in dieser Lage das Letzte, was die DC Studios gebrauchen können – zumal die kreative Glaubwürdigkeit derzeit das stärkste Argument des Projekts ist. Wie es um die restliche Serienplanung steht, haben wir hier zusammengefasst.

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