Zack Snyder plant ein Remake von Die Klapperschlange
Beim Filmfestival in Toronto wird Zack Snyders erster Independent-Film verrissen. Im Gespräch verrät der Regisseur zugleich, wie er John Carpenters Klassiker Die Klapperschlange neu verfilmen will – und das Jahr bleibt dasselbe.
Zack Snyder hat am Sonntag seinen ersten Film ohne Studio im Rücken beim Toronto International Film Festival gezeigt – und die ersten Reaktionen auf „The Last Photograph” fallen vernichtend aus. Spannender als der Verriss ist aber, was Snyder für danach plant: eine Neuverfilmung von John Carpenters Science-Fiction-Klassiker „Die Klapperschlange”.
Das hat der Regisseur in einem ausführlichen Gespräch mit dem Hollywood Reporter erläutert, das kurz vor der Premiere erschien. Es ist die erste konkrete Auskunft dazu, wie Snyder den Stoff anfassen will – und sie hat einen überraschenden Dreh.
Snyders Klapperschlange soll ebenfalls 1997 spielen
Carpenters Original von 1981 entwirft ein dystopisches New York des Jahres 1997, in dem Manhattan zu einem einzigen Hochsicherheitsgefängnis umgebaut wurde. Kurt Russell spielt darin den Söldner Snake Plissken, der den abgestürzten US-Präsidenten aus der Stadt holen soll. Der Film war ein Kind seiner Zeit: ein billig produzierter Blick aus den frühen Achtzigern auf eine Zukunft, die inzwischen dreißig Jahre in der Vergangenheit liegt.
Genau dort will Snyder ihn lassen. Seine Fassung soll nach eigener Auskunft ebenfalls 1997 angesiedelt sein – also eine Art futuristischer Historienfilm, der die Zukunftsvision des Originals nicht in die Gegenwart holt, sondern sie als Epoche ernst nimmt. Snyder nennt Carpenters Film genredefinierend und genreverweigernd zugleich und sagt, niemand habe dessen Kühnheit je nachbauen können. Er habe ihn mit dreizehn gesehen und seither nicht mehr losgelassen.
Das Projekt selbst läuft bereits seit dem Frühsommer. Deadline meldete im Juni 2026, dass Snyder das Remake nicht nur inszeniert, sondern auch das Drehbuch schreibt. Produziert wird über seine eigene Firma Stone Quarry gemeinsam mit Deborah Snyder und Wesley Coller, Carpenter ist als ausführender Produzent an Bord, und die Auswertung ist fürs Kino geplant. Angekündigt war der Film schon damals als bewusst schmutzigere Angelegenheit mit praktischen Effekten und großen Kulissen statt digitaler Welten.
Hinter dem Paket steht StudioCanal – und das ist kein Zufall. Die Franzosen halten die Rechte am Original von 1981 und werten es in Deutschland bis heute selbst aus. Das Studio verfilmt hier also einen eigenen Bibliothekstitel neu, statt einen Stoff einzukaufen, und das erklärt auch, warum Carpenter überhaupt mit an Bord ist. Offen sind damit nur noch Drehbeginn und Starttermin – einen deutschen Kinotermin gibt es folglich ebenfalls nicht.
„The Last Photograph” fällt in Toronto durch
Der Anlass des Gesprächs war ein anderer Film. „The Last Photograph” ist Snyders dreizehnter Spielfilm und sein erster als unabhängiger Filmemacher: Kein Studio und kein Streamer war beteiligt, produziert haben Snyder und seine Frau Deborah über die eigene Firma zusammen mit Gianni Nunnari. Gedreht wurde in 32 Tagen in Kolumbien, Snyder stand dabei selbst hinter der Kamera. Die Musik stammt von Hans Zimmer, die Hauptrollen spielen Stuart Martin und Fra Fee, die beide schon in Snyders Rebel Moon-Filmen zu sehen waren.
Der Stoff begleitet ihn seit zwei Jahrzehnten. Ursprünglich lag das Projekt bei Warner Bros., zeitweise waren Sean Penn und Christian Bale als Hauptdarsteller im Gespräch. Nach dem Suizid seiner Tochter im Jahr 2017 und seinem Abschied vom Studio schrieb Snyder den Kriegsthriller zu einer Auseinandersetzung mit Tod und Vergebung um und kaufte die Rechte zurück. Auffällig ist, was in dem Film fehlt: keine Zeitlupe, kein Green Screen, keine aufgelöste Großproduktion – ausgerechnet die Markenzeichen, für die Snyder bekannt ist.
Die Kritik in Toronto hat das nicht überzeugt. Der Hollywood Reporter trug die ersten Reaktionen zusammen, und die Mehrheit reicht von „bemüht” bis zu offener Ablehnung: Von einem aufgeblasenen, überlangen Film ist die Rede, von einer Regiearbeit, die sich am Kunstkino versuche und dabei wie eine Parodie ihrer selbst wirke. Vereinzelt gibt es Lob für die Bildgestaltung und für Snyders Mut, den Film überhaupt so zu machen. Die Kritik in der Deadline fiel milder aus und beschrieb ihn als gewalttätiges, aber überraschend menschliches Actiondrama.
Sein DC-Kapitel lässt Snyder ruhen
Für viele Leser dürfte Snyder weiterhin vor allem der Regisseur des alten DC-Universums sein – „Man of Steel”, „Batman v Superman: Dawn of Justice” und die Neumontage „Zack Snyder’s Justice League”, über deren Zustandekommen jahrelang gestritten wurde. Zu diesem Kapitel hält er inzwischen Abstand: James Gunns „Superman” hat er nach eigener Aussage bis heute nicht gesehen, er sei aber schlicht noch nicht dazu gekommen und wünsche Gunn und der DC-Sparte ausdrücklich Erfolg.
Zum Vergleich mit Marvel äußert er sich nüchterner als früher. Er beschreibt die Marvel-Filme als Fahrgeschäft mit Höhen, Fällen und einem Ausklang, nach dem man begeistert aussteigt – und räumt ein, dass ihn diese Bauweise nie interessiert habe. Ihm sei es um die Mythologie der Figuren gegangen. Ob das ein Fehler war, lässt er offen.
Mit „Die Klapperschlange” kehrt Snyder nun zu fremdem, aber vertrautem Material zurück, nachdem er mit Army of the Dead und den Rebel Moon-Filmen zuletzt eigene Stoffe bei Netflix gebaut hatte. Wann gedreht wird, ist die nächste offene Frage – beantwortet ist sie bislang nicht.
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