Avengers: Doomsday: Die Russos drehten ohne fertiges Drehbuch

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Joe und Anthony Russo begannen die Dreharbeiten zum nächsten Avengers-Film, bevor das Drehbuch stand. Sie halten das für eine Stärke - James Gunn sieht darin den Grund für die Krise des Kinos.

Dreieinhalb Monate vor dem Kinostart bekommt „Avengers: Doomsday” eine Schlagzeile, die andere Studios lieber vermeiden würden: Der Film ging in Produktion, bevor das Drehbuch fertig war. Bestätigt haben das die Regisseure selbst. Joe und Anthony Russo sprachen gegenüber der Nachrichtenagentur AP über die Arbeitsweise hinter dem größten Marvel-Projekt seit „Avengers: Endgame” – und verteidigen sie ausdrücklich.

Das Drehbuch als lebender Organismus

Joe Russo beschreibt das Skript als etwas, das sich während der Dreharbeiten weiterentwickelt – als lebenden Organismus, wie er es nennt. Er und sein Bruder arbeiteten improvisations- und probenbasiert, sagt er: Man wolle sehen, was die Schauspieler in ihre Figuren einbringen. Häufig stehe die Besetzung ohnehin erst wenige Tage oder Wochen vor dem jeweiligen Drehtag fest – und genau dann entstehe das Beste.

Das ist keine Ausrede, sondern eine Methode, die die beiden schon bei „Avengers: Infinity War” und „Avengers: Endgame” angewandt haben. Anthony Russo setzt einen zweiten Punkt dagegen, der fast wie eine Entlastung klingt: Es sei nicht ihre Aufgabe, für das gesamte MCU geradezustehen. Sie kreuzten es an einer sehr bestimmten Stelle, und aus dieser Kreuzung heraus ließe sich der Rest ordnen. Wer von „Doomsday” erwartet, dass er die vergangenen Jahre der Marvel-Filme geradezieht, bekommt hier eine vorsichtige Einordnung.

Warum das Drehbuch überhaupt nicht fertig war

Der Grund liegt in einem harten Kurswechsel. Der fünfte Avengers-Film sollte ursprünglich „The Kang Dynasty” heißen, mit Jonathan Majors als Kang dem Eroberer im Zentrum der gesamten Saga. Nach dessen Verurteilung wegen häuslicher Gewalt trennte sich Marvel von ihm, das geplante Projekt wurde eingestampft und der ganze Handlungsbogen umgebaut.

An dieser Stelle kamen die Russos zurück – gemeinsam mit Robert Downey Jr., der nach dem Ende seiner Iron-Man-Zeit als Doctor Doom ins MCU zurückkehrt. Ursprünglich hatten die beiden Regisseure gar nicht vorgehabt, noch einmal einen Avengers-Film zu drehen. Dass ein Projekt dieser Größe nach einem solchen Umbau ohne fertiges Skript vor die Kamera geht, ist unter diesen Umständen weniger überraschend, als es zunächst klingt. Die Hauptdreharbeiten sind seit dem 19. September 2025 abgeschlossen.

James Gunn sieht darin den Grund für die Krise des Kinos

Der Punkt ist deshalb interessant, weil die Konkurrenz genau das Gegenteil zu ihrem Prinzip erklärt hat. James Gunn, seit der Neuaufstellung Chef der DC Studios, hat gegenüber dem Rolling Stone gesagt, das Kino sterbe nicht an fehlendem Publikum und nicht an guten Heimkino-Bildschirmen. Der Hauptgrund seien Filme, die ohne fertiges Drehbuch gedreht werden.

Gunn ließ es nicht bei der Feststellung: Er berichtete im selben Gespräch, DC habe ein bereits grünes Projekt gestoppt, weil das Skript nicht gut genug wurde. Für das DCU gilt seither die Regel, dass ein Film erst dann in Produktion geht, wenn das Drehbuch steht. Damit stehen sich zwei gegensätzliche Philosophien gegenüber – und beide werden ab Dezember am selben Publikum gemessen.

Wann Avengers: Doomsday startet

„Avengers: Doomsday” kommt am 16. Dezember 2026 in die deutschen Kinos, zwei Tage vor dem US-Start. Der Film führt Heldengruppen aus mehreren Universen zusammen: die Avengers, die Wakandaner aus „Black Panther”, die Thunderbolts als New Avengers, die Fantastic Four und die ursprüngliche X-Men-Riege um Patrick Stewart und Ian McKellen.

Ein Jahr später folgt „Avengers: Secret Wars”, dessen Produktion noch in diesem Jahr anläuft. Ob sich das offene Skript als Stärke oder als Schwachstelle erweist, lässt sich vorher nicht sagen – bei „Infinity War” und „Endgame” hat dieselbe Methode funktioniert. Der Unterschied ist diesmal, dass ein deutlich größerer Umbau vorausging.

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