Mahershala Ali über das Blade-Debakel: „Ihr hattet mich unter Vertrag"
Der Blade-Solofilm ist Geschichte, Kevin Feige hat sich dafür entschuldigt. Jetzt antwortet der Hauptdarsteller – und die Antwort fällt deutlich kühler aus.
Das geplante Solo-Debüt von Blade im Marvel Cinematic Universe ist vorerst vom Tisch. Stattdessen soll Mahershala Alis Daywalker nun über einen Team-up-Film eingeführt werden, was die strategische Ausrichtung des Projekts grundlegend verändert.
Die Nachricht wurde vom Branchen-Insider Jeff Sneider im Podcast The Hot Mic verbreitet und bestätigt damit frühere Berichte, dass Marvel Studios die Entwicklung gestoppt hat. Sneider bezeichnete den Film als „tot”, eine Konsequenz aus den endlosen Verzögerungen, Regiewechseln und Drehbuchproblemen, die die Produktion seit ihrer Ankündigung begleiteten. Offiziell hat Disney den Film inzwischen aus seinem Veröffentlichungskalender entfernt.
Die Entwicklung des Blade-Reboots war von Beginn an turbulent. Seit der ersten Ankündigung mit Hauptdarsteller Mahershala Ali auf der Comic-Con im Jahr 2019 durchlief das Projekt mehrere komplette Drehbuch-Neufassungen und verlor verschiedene Regisseure. Auch wenn die Absage für Fans enttäuschend sein mag, bietet der Schritt für Marvel die Möglichkeit, die grundlegenden Probleme des Films zu beheben und eine überstürzte Veröffentlichung zu vermeiden.
Statt eines Einzelfilms plant Marvel nun, Blade als zentrale Figur in einem potenziellen „Midnight Sons”-Projekt zu etablieren. Dieser Film würde ein Team übernatürlicher Heldinnen und Helden wie Ghost Rider, Moon Knight, Wong, Werewolf by Night und Elsa Bloodstone zusammenführen. Berichten zufolge wurde bereits ein neuer Autor engagiert, nachdem Michael Green das Projekt Mitte 2025 verlassen hatte, was auf eine aktive Weiterentwicklung des Konzepts hindeutet. Blade könnte hier eine Rolle einnehmen, die an Nick Fury erinnert: als Anführer, der die Gruppe gegen Bedrohungen wie Mephisto versammelt.
Dieser strategische Wechsel bietet den Vorteil, Blade von Anfang an tief im MCU zu verankern. Während ein Solofilm ihn möglicherweise in einer Vampir-Nische isoliert hätte, verbindet ihn das „Midnight Sons”-Konzept direkt mit bereits etablierten Figuren und Handlungssträngen, etwa der Mystik aus „Midnight Sons” oder den Horror-Elementen aus „Werewolf by Night”. Die Einführung ähnelt damit der von Black Panther in „Captain America: Civil War”, der ebenfalls in einem Ensemble-Film glänzte, bevor sein Solo-Abenteuer folgte.
Zugleich erlaubt der Ansatz, Mahershala Alis Interpretation des Charakters von der ikonischen Darstellung durch Wesley Snipes in der Trilogie von 1998 bis 2004 abzugrenzen. Ali, mittlerweile 51 Jahre alt, könnte eine erfahrenere Mentorenfigur verkörpern. Ein erfolgreicher „Midnight Sons”-Film würde zudem die Grundlage für zukünftige Blade-Projekte schaffen und bereits im Vorfeld für entsprechendes Publikumsinteresse sorgen.
Eine weitere Konsequenz der Absage betrifft die Schauspielerin Mia Goth, die für die Rolle der Vampirgöttin Lilith vorgesehen war. Goth, die bereits an Kostüm- und Perückenanproben teilgenommen hatte, äußerte sich in einem Interview mit Josh Horowitz im Podcast Happy Sad Confused zur ursprünglichen Vision. Sie beschrieb diese als „sehr cool”, räumte jedoch ein, dass sich das Projekt schließlich „aufgelöst” habe. Mit der Streichung des Films ist Goth von ihrer vertraglichen Bindung an die Rolle befreit.
Dies eröffnet ihr die Möglichkeit, eine prominentere Rolle im MCU zu übernehmen. Goth hat sich durch ihre Darbietungen in Horrorfilmen wie X und Pearl einen Namen gemacht, in denen sie oft Verletzlichkeit mit Bedrohung kombiniert. Sie könnte die Gestaltwandlerin Mystique neu definieren, der nach den Darstellungen von Rebecca Romijn und Jennifer Lawrence eine größere psychologische Tiefe verliehen werden könnte. Auch die Rolle der Rogue, deren absorbierende Kräfte sie zur Isolation verdammen, würde zu Goths intensiver Spielweise passen und Marvel erlauben, von ihrem wachsenden Starpotenzial in einem stabileren Projekt zu profitieren.
Feige übernimmt die Verantwortung – „wie ein gigantischer Versager”
Im Juli 2026 meldete sich schließlich Marvel-Chef Kevin Feige persönlich zu Wort und übernahm ungewohnt offen die Verantwortung für das gescheiterte Reboot. Im Podcast Happy Sad Confused erklärte er während der Promotour zu Spider-Man: Brand New Day, er komme sich „wie ein gigantischer Versager” vor, dass man den Film mit Mahershala Ali nie auf die Beine gestellt habe. Es ist das bislang deutlichste Eingeständnis des Studiochefs zu einem der größten ungelösten Projekte des MCU.
Zugleich betonte Feige, den Charakter und Alis Version davon nicht aufgegeben zu haben: Man liebe die Figur und werde die Öffentlichkeit informieren, sobald sich eine neue Richtung abzeichne. Für Fans ist das Statement damit vor allem eine offizielle Bestätigung dessen, was sich seit der Streichung aus dem Kinokalender abgezeichnet hatte – der Solofilm ist Geschichte, während Blade selbst dem MCU über das geplante Midnight Sons-Ensemble erhalten bleiben soll.
Ali kontert: „Sie wollten es nicht machen”
Zehn Tage nach Feiges Eingeständnis hat sich Mahershala Ali selbst zu Wort gemeldet – und deutlich schärfer formuliert als der Marvel-Chef. Auf die Frage in einem GQ-Interview, ob der Blade-Reboot einer Umsetzung inzwischen näher gekommen sei, antwortete Ali knapp: „Nicht mit mir.” Deadline, Variety und der Hollywood Reporter griffen die Aussagen am 31. Juli 2026 auf.
Ali erklärte, er stehe seit fast 30 Jahren professionell vor der Kamera und habe gelernt, dass manche Projekte für einen bestimmt seien und manche eben nicht. Deutlich wurde er bei der Schuldfrage: Man habe ihn unter Vertrag gehabt, das Studio verfüge über Milliarden – hätte Marvel den Film machen wollen, hätte man ihn gemacht. Also werde er nicht gemacht. Zugleich stellte Ali klar, dass er nicht für Neuverfilmungen bekannt sein wolle, sondern für originäre Arbeiten, die beim Publikum etwas auslösen.
Immerhin zieht der zweifache Oscar-Preisträger eine versöhnliche Bilanz: Sein nächster Film, Bassam Tariqs Your Mother Your Mother Your Mother, existiere überhaupt nur, weil Blade auseinanderfiel. Das über ein Jahr angesammelte Training für den Daywalker habe er dort einsetzen können und fühle sich dadurch „kreativ rehabilitiert”. Künftige Fragen zum Reboot, so Ali zum Abschluss, seien nicht mehr an ihn zu richten – die müsse Marvel selbst beantworten.
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- Blade
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- Drehbuch
- Michael GreenNic PizzolattoMichael StarrburyEric Pearson
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