Wonder Man abgesetzt: Marvel kassiert die bereits bestellte Staffel 2

Wonder Man abgesetzt: Marvel kassiert die bereits bestellte Staffel 2 Disney
scifiscene.de bei Google bevorzugen

Ungewöhnlicher Vorgang bei Disney+: Wonder Man ist nach nur einer Staffel gestrichen – obwohl Marvel im März eine zweite Staffel bestellt hatte. Ein Writers Room wurde nie eröffnet.

Marvel Studios nimmt eine bereits verkündete Entscheidung zurück: Die Disney+-Serie Wonder Man wird nach nur einer Staffel eingestellt – obwohl der Streamingdienst im März 2026 offiziell eine zweite Staffel bestellt hatte. Variety berichtete zuerst über die Absetzung, Deadline bestätigte sie kurz darauf. Eine bereits verlängerte Serie nachträglich wieder zu streichen, ist selbst in der aufgeräumten Marvel-Fernsehsparte ein ungewöhnlicher Vorgang.

Verlängerung kassiert – das Autorenzimmer öffnete nie

Nach Informationen von Variety wurde für die zweite Staffel nie ein Writers Room eröffnet. Die Autorinnen und Autoren seien aus ihren Verpflichtungen entlassen worden, um andere Projekte anzunehmen. Die Verlängerung hatte Disney im März 2026 verkündet, rund zwei Monate nach dem Serienstart – damals mit der Ansage, dass Yahya Abdul-Mateen II als Simon Williams und Ben Kingsley als Trevor Slattery zurückkehren.

Eine offizielle Begründung für die Kehrtwende gibt es bislang nicht. Klar ist nur: Die Serie ist beendet, die Figuren sind es nicht. Simon Williams und Trevor Slattery bleiben Teil des MCU und können jederzeit in anderen Marvel-Produktionen auftauchen – Slattery ist ohnehin seit Iron Man 3 ein wiederkehrender Gast im Franchise.

Starke Kritiken, Emmy-Nominierung – und trotzdem das Aus

Die Entscheidung überrascht auch deshalb, weil Wonder Man zu den am besten besprochenen Marvel-Serien der vergangenen Jahre gehört. Die erste Staffel hält 91 Prozent Kritikerzustimmung auf Rotten Tomatoes. Veröffentlicht wurde sie am 27. Januar 2026 auf einen Schlag: Alle acht Episoden landeten gleichzeitig auf Disney+, statt wie sonst üblich im Wochenrhythmus.

Die Nielsen-Zahlen erzählen eine gemischtere Geschichte. In der Startwoche kam die Staffel auf 618 Millionen gestreamte Minuten und damit auf Platz acht der Streaming-Originals für die Woche vom 26. Januar bis 1. Februar. Danach verschwand der Titel aus den Top 10. Auffällig war das Publikumsprofil: 41 Prozent der Sehdauer entfielen auf die 35- bis 49-Jährigen – mehr als bei jedem anderen Titel der damaligen Top 10. Offizielle Abrufzahlen hat Disney nie veröffentlicht.

Hinzu kommt eine Auszeichnung, die für Live-Action-Marvel eine echte Rarität ist: Abdul-Mateen erhielt eine Emmy-Nominierung als bester Hauptdarsteller in einer Comedyserie. Nach seinem Emmy-Gewinn für die HBO-Serie Watchmen ist er damit der einzige Live-Action-Darsteller, der sowohl für ein Marvel- als auch für ein DC-Projekt eine Emmy-Nominierung vorweisen kann.

Abdul-Mateen reagiert gelassen

Der Hauptdarsteller meldete sich noch am selben Abend auf Instagram zu Wort und nahm die Nachricht bemerkenswert sportlich. Statt Ärger über die Kehrtwende dominiert bei ihm der Dank an das Publikum – verbunden mit einem Seitenhieb auf die anstehende Emmy-Verleihung.

Es hat sich gerade herumgesprochen, dass Wonder Man nicht für eine zweite Staffel zurückkommt. So ist das Leben, oder? Am Ende renkt sich alles ein. Ich wollte allen danken, die die Serie geschaut, genossen und weitererzählt haben. Die Show hat funktioniert. Und das ist mein Lieblingsgedanke daran. Ich bin froh, dass wir Teil von etwas Coolem sein durften. Danke fürs Zuschauen. Und ähh: Wir sehen uns bei den Emmys.

Showrunner Andrew Guest hatte bereits früher eingeräumt, dass das Projekt schon einmal auf der Kippe stand: Die ersten beiden Episoden fielen bei Testvorführungen durch. Entwickelt wurde die Serie von Guest gemeinsam mit Destin Daniel Cretton, der auch die ersten beiden Folgen inszenierte. Zum Ensemble gehörten neben Abdul-Mateen und Kingsley unter anderem X Mayo, Demetrius Grosse, Zlatko Burić, Arian Moayed und Olivia Thirlby.

Was das für Marvels Disney+-Pläne bedeutet

Wonder Man lief unter dem Label Marvel Spotlight, das bewusst kleinere, charaktergetriebene Geschichten ohne Multiversums-Ballast erzählt – nach Echo war es das zweite Projekt dieser Reihe. Dass ausgerechnet der kritisch erfolgreichste Vertreter dieses Konzepts gestrichen wird, wirft Fragen auf, wie viel Raum solche Nischenformate bei Disney+ künftig noch bekommen.

Marvel hatte seine Serienproduktion zuletzt ohnehin deutlich zurückgefahren. Fortsetzungen sind die Ausnahme, gestoppte Projekte die Regel – der zuletzt vom Streaming ins Kino verschobene Nova-Stoff ist dafür ein gutes Beispiel. Für das Serienjahr 2027 bleibt damit vor allem Daredevil: Born Again als verlässlicher Live-Action-Anker übrig. Ob Simon Williams stattdessen irgendwann in einem Kinofilm auftaucht, ist offen: Spekuliert wird seit Längerem über die West Coast Avengers, weil gleich mehrere MCU-Figuren in Kalifornien angesiedelt sind.

Bei Google bevorzugen scifiscene.de bei Google bevorzugen Lege uns als bevorzugte Quelle fest – und sieh unsere Sci-Fi-News bei Google-Suchen ganz oben. Jetzt bevorzugen