Paramount-Warner-Fusion: Zwölf Bundesstaaten geben den Widerstand auf
Paramount hat sich mit zwölf Bundesstaaten verglichen – das letzte Hindernis für die Übernahme von Warner Bros. Discovery ist weg. DC, HBO und Star Trek landen damit unter einem Dach.
Der größte Zusammenschluss der Hollywood-Geschichte hat sein letztes Hindernis genommen: Paramount hat sich mit zwölf US-Bundesstaaten auf einen Vergleich geeinigt und darf damit Warner Bros. Discovery übernehmen. Zuerst berichtete Bloomberg über die Einigung.
Für Genre-Fans ist das keine Randnotiz aus dem Wirtschaftsteil. Unter einem Dach landen damit das DC-Universum, die Wizarding World rund um Harry Potter, Game of Thrones, Dune, der komplette HBO-Katalog – und auf der anderen Seite Star Trek, Transformers und Mission: Impossible. Wer entscheidet, welche dieser Marken in den nächsten Jahren Geld bekommt, ist ab jetzt dieselbe Person.
Sieben Millionen Dollar am Tag
Der Zeitdruck kam aus dem Vertrag selbst. Ab dem 1. Oktober hätte Paramount eine sogenannte Ticking Fee an Warner zahlen müssen: 25 Cent je Aktie und Quartal, umgerechnet rund 7 Millionen Dollar pro Tag oder 650 Millionen im Quartal, so lange der Deal nicht abgeschlossen ist. Bis zum eigentlich angesetzten Prozesstermin im März 2027 hätte das laut Deadline an die zwei Milliarden Dollar gekostet.
Parallel drehte Paramount an der politischen Schraube. Konzernchef David Ellison drohte damit, den Studiobetrieb aus Kalifornien abzuziehen und nach Texas oder Tennessee zu verlegen, falls bis zum 1. Oktober kein Vergleich stünde. Das Los Angeles Economic Development Corporation bezifferte den möglichen Schaden auf bis zu 21,2 Milliarden Dollar Wirtschaftsleistung und knapp 58.000 Vollzeitstellen im Jahr. Kaliforniens Generalstaatsanwalt Rob Bonta, der die Koalition der zwölf Staaten anführte, hatte bis zuletzt auf strukturelle Zugeständnisse bestanden.
Was Paramount zugesagt hat
Die vollständigen Bedingungen sind noch nicht veröffentlicht. Laut Deadline hat Paramount Leitplanken für die redaktionelle Unabhängigkeit von CNN akzeptiert, finanzielle Strafen für den Fall, dass Ellisons Zusage von 30 Kinofilmen im Jahr nicht eingehalten wird, und eine zeitlich befristete Trennung der beiden Studios. Ein Verkauf von Kabelsendern, über den lange spekuliert worden war, bleibt dem Konzern nach einem Bericht des Wall Street Journal erspart. Die parallel laufende Klage der Drehbuchautoren-Gewerkschaft WGA ist in den Vergleich eingeschlossen.
International hatte Paramount bereits vorher geliefert. Der Konzern muss seinen Anteil am Vertriebs-Joint-Venture United International Pictures binnen 13 Monaten abgeben und darf zehn Jahre lang keine gemeinsamen Kinostarts mit Universal im Europäischen Wirtschaftsraum vereinbaren. In Großbritannien sicherte Paramount der Regierung zu, lineare Sender nicht mit den Streamingdiensten zu verschmelzen, die redaktionelle Unabhängigkeit der Nachrichten- und Kindersender zu wahren und Channel 5 zusätzlich zu finanzieren.
Was das für DC, HBO und Star Trek heißt
Paramount hatte im Februar 31 Dollar je Aktie geboten, was Warner Bros. Discovery mit 81 Milliarden Dollar Eigenkapital und rund 110 Milliarden Dollar Unternehmenswert bewertete. Finanziert wurde das mit 47 Milliarden Dollar Eigenkapital und 54 Milliarden Dollar Fremdkapital – ein Schuldenberg, der den zusammengeführten Konzern auf geschätzte 80 Milliarden Dollar Verbindlichkeiten bringt. Sparzwang ist damit eingebaut, und die Frage, welche Franchises ihn spüren, ist offen.
Bei DC hatte James Gunn den Verdacht, die Fusion lege Projekte auf Eis, im August ausdrücklich dementiert. Kurz zuvor waren allerdings die Serien Waller und Paradise Lost gestrichen worden, und die DC Studios verschoben ihre Kraft zurück ins Kino. Welche neun Marken das neue Imperium tragen sollen, haben wir bereits im Frühjahr in einer Übersicht eingeordnet.
Der Widerstand bleibt laut
Die Gegner der Fusion reagierten wütend. „Wag es ja nicht, einzuknicken”, hatte Mark Ruffalo den Generalstaatsanwalt noch am Wochenende öffentlich aufgefordert und zu einer Protestaktion vor dessen Büro in Oakland aufgerufen. Senator Cory Booker verlangte von den Staaten, hart zu bleiben und die Fusion zu blockieren. Mehr als 5.000 Schauspielerinnen und Schauspieler, darunter Jane Fonda, hatten einen offenen Brief gegen den Deal unterzeichnet; SAG-AFTRA und die Teamsters stellten sich ebenfalls dagegen.
Alvaro Bedoya von der American Economic Liberties Project nannte die Einigung einen Sieg der Milliardäre: „Heute haben sich Milliardäre wieder einmal an die Spitze bestochen, zensiert und gedrängt.” Paramount hält dagegen, die Fusion sei wettbewerbsfördernd und verschaffe dem Konzern überhaupt erst eine Chance gegen Netflix und Amazon. Ellison selbst hatte den Widerstand zuletzt anders gedeutet: Es gehe gar nicht um Marktanteile, sondern um die Frage, ob man ihm die Kontrolle über CNN zutraue.
Wie es weitergeht
Eine formale Bekanntgabe mit den vollständigen Bedingungen steht noch aus. Die Aktien beider Konzerne legten nach der Nachricht deutlich zu. Zuvor hatte der Deal bereits die Zustimmung der Warner-Aktionäre sowie von Regulierern in 68 Rechtsräumen erhalten, darunter das US-Justizministerium, die EU-Kommission und die britische Wettbewerbsbehörde. Die letzte Freigabe kam am 17. September von der US-Medienaufsicht FCC, die dafür eine gesetzliche Obergrenze für ausländische Anteilseigner aussetzte.
Was das konkret für die Startpläne von DC, für die HBO-Serie zu Harry Potter oder für die Zukunft von Star Trek bedeutet, wird sich erst zeigen, wenn der Zusammenschluss vollzogen ist und der neue Konzern seine Prioritäten benennt. Bis dahin gilt: Das juristische Hindernis ist weg, die inhaltlichen Fragen sind es nicht.
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