Verhoeven zur Space-Force-Uniform: „Das beruht auf dem Stil von Leni Riefenstahl“

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Paul Verhoeven antwortet auf die Space-Force-Uniform, die sich auf „Starship Troopers“ beruft: Die Regierung solle wissen, dass der Look auf dem Stil von Leni Riefenstahl basiere – und dass die Helden des Films Faschisten sind.

Paul Verhoeven hat auf die neue Ausgehuniform der US Space Force geantwortet, die sich ausdrücklich auf „Starship Troopers” beruft. Dem Hollywood Reporter sagte der Regisseur, die Regierung solle wissen, worauf der Look tatsächlich zurückgeht: „Es beruht auf dem Stil von Leni Riefenstahl.”

Zuerst nahm Verhoeven es mit Humor. „Es ist eine Ehre, nicht wahr?”, sagte er und lachte. Danach wurde er deutlich – und zwar genau an dem Punkt, an dem die Berufung auf seinen Film kippt.

Der Regisseur nennt seine eigene Vorlage beim Namen

Riefenstahl war die Filmemacherin, die die NS-Bewegung in Propagandafilmen verherrlichte, am bekanntesten 1935 in „Triumph des Willens”. Wer sich auf die Uniformen aus „Starship Troopers” beruft, beruft sich damit auf eine Ästhetik, die Verhoeven bewusst aus dieser Tradition entlehnt hat.

„Ich weiß nicht, ob diesem Präsidenten bewusst ist, dass der Film sagt: Diese Figuren sind Faschisten, ohne es zu wissen”, sagte Verhoeven dem Hollywood Reporter. „Das ist der Punkt.” Entworfen wurden die Uniformen von Ellen Mirojnick, die auch für „Basic Instinct”, „Showgirls” und zuletzt „Oppenheimer” gearbeitet hat und für einen Oscar nominiert war.

Missverstanden wurde der Film von Anfang an

Dass die Satire nicht ankommt, ist für Verhoeven nichts Neues. Schon während der Produktion habe es Irritationen gegeben: „Viele Leute, die an dem Film gearbeitet haben, waren enttäuscht, als sie das Ergebnis sahen”, sagt er. „Ich wusste, was ich tat, aber ich weiß nicht, ob viele der Schauspielerinnen und Schauspieler das begriffen haben.”

Der Film sei für das Publikum schwierig gewesen, „weil seine Helden, ohne es zu wissen, Nazis sind. Das war ein Problem. Ich dachte, die Leute würden das verstehen und darüber lachen. Das war nicht der Fall.” Am Ende des Gesprächs kam Verhoeven auf seine eigene Lage zu sprechen: Er sei niederländischer Staatsbürger und dürfe nicht wählen; nach vierzig Jahren im Land falle es ihm noch immer schwer, die politische Kultur der USA zu verstehen.

Wie es dazu kam

Donald Trump hatte am 6. September auf Truth Social die neuen Ausgehuniformen der US Space Force gezeigt – Fotos und eine offizielle Beschreibung, ohne weiteren Kommentar. Auffällig war weniger der Schnitt als die Begründung: In der Übersicht heißt es ausdrücklich, das Ensemble sei von der Disziplin und Funktionalität der Uniform aus „Starship Troopers” inspiriert.

Damit beruft sich eine reale Teilstreitkraft auf einen Science-Fiction-Film, dessen Regisseur genau diese Ästhetik als Warnung gemeint hat. Deadline hat die Uniform-Übersicht zuerst ausgewertet.

Was in der offiziellen Beschreibung steht

Die Farbpalette der neuen Ausgehuniform trägt die Bezeichnungen „space gray” und „midnight black”. Dazu kommen kniehohe Lederstiefel und ausgeprägte Schulterstücke – ein Auftritt, der bewusst weniger nach heutigem Militär und mehr nach Zukunftsentwurf aussieht.

Der entscheidende Satz steht in der Begleitbeschreibung selbst: Die Uniform sei von der Disziplin und Funktionalität der „Starship Trooper”-Uniform inspiriert. Das ist keine Deutung von Fans und keine Beobachtung eines Journalisten, sondern die eigene Angabe zum Entwurf. Genau das macht den Vorgang zur Meldung – bei den beiden früheren Sci-Fi-Anleihen der Space Force war es umgekehrt.

Ein Vorbild, das sich selbst nicht ernst meint

„Starship Troopers” kam 1997 in die Kinos, inszeniert von Paul Verhoeven nach dem Roman von Robert A. Heinlein. An der Kasse fiel der Film durch, die Kritik zerlegte ihn – und erst über die Jahre wuchs er zum Kultfilm heran, gerade weil sein Doppelboden inzwischen offen liegt.

Verhoeven, der seine Kindheit im von der Wehrmacht besetzten Den Haag verbrachte, hat den Film nie als Heldenepos angelegt. Die Propaganda-Einschübe zwischen den Schlachten, die glatten Gesichter, die Werbeclips für den Kriegsdienst mit der Einladung, mehr erfahren zu wollen: Das Militär in diesem Film ist kein Vorbild, sondern die Pointe. Die Uniformen, auf die sich die Space Force jetzt beruft, sind Teil dieser Pointe – ihre Anleihen bei Uniformen des 20. Jahrhunderts sind kein Zufall des Kostümbildners.

Roger Ebert hat das schon 1997 gesehen, wenn auch als Vorwurf: Er sprach vom „quasi-fascist” Militarismus des Films und hielt die satirischen Spitzen für zu schwach, um ihn aufzuwiegen. Star Wars sei humanistisch, dieser Film totalitär, schrieb er sinngemäß. Über die Kostüme selbst urteilte er ähnlich spöttisch – irgendwo zwischen Buck Rogers und Comicheft.

Das dritte Mal, dass die Space Force im Sci-Fi-Regal landet

Die Space Force wurde 2019 als eigene Teilstreitkraft gegründet, und schon ihr erstes offizielles Zeichen sorgte für Gelächter unter Genre-Fans: Das Logo ähnelte dem Abzeichen der Sternenflotte aus Star Trek so deutlich, dass sich sogar George Takei zu Wort meldete und die Vorlage gewürdigt sehen wollte.

Ein Jahr später legte der damalige Vizepräsident Mike Pence nach: So wie die Marine Seeleute und das Heer Soldaten habe, sollten die Angehörigen der Space Force künftig „Guardians” heißen. Auch das ging prompt an die Fans von „Guardians of the Galaxy” weiter, ohne dass jemand einen Zusammenhang bestätigt hätte.

Der Unterschied zu 2019 und 2020 ist, dass die Anleihe diesmal nicht behauptet, sondern eingeräumt wird. Wie die Vorlage gemeint war, hat ihr Regisseur jetzt selbst beantwortet.

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